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Forschungserfolg in Afrika - Neue Hoffnung im Kampf gegen HIV

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Es war eine Nachricht, die in all dem Getöse um Corona fast unterging: Forscher haben einen neuen Weg gefunden, Frauen besser gegen eine Infektion mit HIV zu schützen.

Archiv, Uganda, Kampala: Eine Frau zählt Aids-Medikamente.
Eine Frau zählt in Uganda Aids-Medikamente. Mit einer neuartigen Injektion könnten sich afrikanische Frauen künftig besser gegen das HI-Virus schützen.
Quelle: ap

Für Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, mag das komisch klingen, schließlich kann man ja Kondome benutzen – doch in manchen Teilen der Welt funktioniert das nur bedingt. Wir sind bei "Ikageng" in Soweto, einem Hilfsprojekt für Familien, die von HIV betroffen sind. Es sind vor allem Kinder und Frauen, die hier Hilfe suchen. Manche sind infiziert, andere nicht. Carol Dyantyi hat das Projekt gegründet. Die Frauen, die wir dort treffen, erzählen uns, warum es für Frauen so schwer sei, sich vor HIV zu schützen.

Wer als HIV-Patient medizinisch gut versorgt wird, ist durch Corona meist nicht stärker gefährdet. Aber es gibt viele unerkannte und unbehandelte Infizierte.

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Frauen sind häufig finanziell vom Partner abhängig

Desiree Takalo ergreift als erste das Wort. Sie ist selbstbewusst und redegewandt. Das Problem sei meistens eine finanzielle Abhängigkeit vom Partner. Wenn der kein Kondom benutzen will, hat die Frau oft keine Wahl, sagt sie.

Carol Dyantyi
"Ikageng"-Gründerin Carol Dyantyi.
Quelle: ZDF

"Weil dieser Mann Geld hat. Weil er der Brotverdiener ist, gibt es Dinge, die ich in diesem Haushalt nicht tun kann. Dann kann ich als Frau keinen sicheren Sex aushandeln. Selbst wenn ich weiß, dass ich es riskiere, mich zu infizieren, wenn ich mich vor meinem Partner nicht schütze. Aber ich werde dieses Risiko eingehen, weil ich finanziell von ihm abhängig bin."

Je größer die Abhängigkeit, umso weniger Möglichkeiten haben die Frauen, ihre eigenen Bedingungen für Sex auszuhandeln, sagt Carol Dyantyi.

Neuartige Injektionen sollen besser schützen

Frauen, die ihrem Partner misstrauen und sich schützen wollen, tun das oft heimlich. Bislang müssen sie dafür täglich eine Tablette nehmen. Doch jetzt gibt es eine Alternative. Eine Studie an der Witwatersrand Universität hat gezeigt, dass eine Injektion, die nur alle acht Wochen nötig ist, noch viel effektiver wirkt.

Die Injektionen haben 89 Prozent mehr Neuansteckungen verhindert als die tägliche Tablette.
Professorin Sinead Delany-Moretlwe, Studienleiterin

"Insgesamt haben sich nur ein Prozent der Frauen neu angesteckt. Das ist unglaublich wenig, wenn man das mit anderen aktuellen Studien im südlichen Afrika vergleicht, wo die Ansteckungsrate bei rund vier Prozent lag", erklärt Professorin Sinead Delany-Moretlwe, die Leiterin der Studie.

Plakat mit Werbung zur Nutzung von Kondomen
Grafiken

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Das Medikament nennt sich Cabotegravir, es wirkt antiretroviral, verhindert also die Ausbreitung des Virus im Körper. Genau wie die Tablette kann es auch verwendet werden, um eine bestehende Infektion zu behandeln. Genau da liegt der Haken bei der Tablette.

Frauen fürchten Stigmatisierung - und lassen den Tablettenschutz weg

Die Frauen nehmen sie oft heimlich, weil sie befürchten, dass ihr Umfeld sonst denken könnte, sie seien bereits infiziert. Sie haben Angst vor Stigmatisierung. Viele Frauen nehmen die Tablette deshalb auch gar nicht. Die Spritze gibt ihnen eine diskrete Alternative, die außerdem viel leichter zu handhaben ist.

Die Frauen in Soweto sehen darin einen großen Erfolg. "Diese Injektion gibt uns Frauen ein bisschen Kontrolle über unser Leben zurück", sagen sie. Ihnen zuzuhören ist berührend und auch bedrückend.

Es gibt mir als junger Frau die Macht dafür zu sorgen, dass ich persönlich beim Sex sicher bin.
Thando Sibisi
Thando Sibisi
Thando Sibisi
Quelle: ZDF

Thando Sibisi fährt fort: "Ich gehe alle acht Wochen zur Klinik, bekomme eine Injektion und alles ist okay. Ich bin sicher. Selbst wenn ich auf der Straße unterwegs bin. Es besteht immer die Möglichkeit, dass ich angegriffen und vergewaltigt werde. Dann wüsste ich wenigstens, dass ich vor dem HI-Virus sicher bin."

Die Offenheit, mit der die Frauen sprechen, ist fast schon frappierend. Ihre Stärke ist beeindruckend. Vielleicht ist das der Grund, warum mir diese Geschichte besonders zu Herzen geht. Angesichts von Corona ist HIV in den Hintergrund geraten – bis plötzlich diese Nachricht kam. Und erst wenn man mit den Frauen ins Gespräch kommt, versteht man, was sie wirklich bedeutet.

Corona-Impfungen für die Ärmsten:

Impfstoffe für alle - das ist in Afrika eine Illusion und vor allem eine Geldfrage. Die Impf-Initiative COVAX will die Impfstoffe günstiger anbieten. Und das bald. In Johannesburg hat eine Impfstudie von Biontech/Pfizer gerade begonnen.

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