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Flut in Rheinland-Pfalz : Der riskante Wiederaufbau im Ahrtal

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Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal zahlt Rheinland-Pfalz seit Mittwoch Wiederaufbauhilfen aus. Viele Häuser sollen an selber Stelle aufgebaut werden - trotz Warnungen von Experten.

Mehr als 180 Tote forderte die Flutkatastrophe im Westen. Viele verloren ihre ganze Existenz. Trotzdem werden die meisten Menschen genau da wiederaufbauen, wo die Flut ihnen alles nahm.

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28 min
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Nadine und Simon Templeton hatten sich in einem Neubaugebiet in Heppingen in Bad Neuenahr-Ahrweiler den Traum vom eigenen Haus im Grünen erfüllt - rund 400 Meter von der Ahr entfernt.

Nach der Flut im Sommer steht nur noch der Rohbau. Vor der Flutkatastrophe hatten die offiziellen Hochwassergefahrenkarten kein nennenswertes Risiko für ihr Grundstück verzeichnet.

Wir haben hier niemals mit so einem Hochwasser gerechnet, sonst wären wir hier ja gar nicht hingezogen.
Simon Templeton, Hausbesitzer

Weniger Häuser dürfen nicht wiederaufgebaut werden

Rheinland-Pfalz hat nun neue Überschwemmungsgebiete rund um die Ahr ausgewiesen. Schaut man sich die Karten an, betrifft dies einen Großteil der von der Flut betroffenen Gebiete und damit Tausende Häuser. Auch Nadine und Simon Templeton wohnen nach den neuen Karten im Überschwemmungsgebiet.

Die Wiederaufbauarbeiten sind im vollen Gang. Um zu erfahren, wo es am dringendsten ist, trifft sich die Landesregierung mit den Bürgermeister*innen der Gemeinden.

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Rein rechtlich darf in Überschwemmungsgebieten normalerweise gar nicht gebaut werden - nur unter strengen Auflagen zum Hochwasserschutz. Trotzdem hat das Land nun für den Großteil der Gebäude eine Art Bestandsschutz beschlossen, das heißt: Wer saniert und nicht neu baut, kann im Grunde so wiederaufbauen wie vorher. Gerade mal 34 Häuser dürfen nicht an Ort und Stelle wiederaufgebaut werden.

Anwohner haben Angst vor erneutem Hochwasser

Dass sie ihr Haus wiederaufbauen können, ist für die Templetons erst mal eine gute Nachricht: "Wir haben damit Gewissheit und wir wollen ja irgendwann wieder nach Hause, wir haben hier unsere Freunde, unsere Nachbarn. Ich arbeite hier, also wir wollen natürlich irgendwann wieder zurück." Simon Templeton sagt:

Du weißt halt nie, ob sowas nochmal kommt.
Simon Templeton, Hausbesitzer

Seine Frau Nadine ergänzt: "Ich habe zu Simon gesagt: Wir stellen auf jeden Fall eine Leiter nach oben, damit wir jederzeit aufs Dach können. Und einen kleinen Rucksack, den ich einfach gepackt habe mit irgendwas. Dass man weiß, wenn was ist: Ich pack‘ diesen Rucksack, ich kann auf die Leiter, ich kann aufs Dach, ohne noch groß zu überlegen."

Forscher warnt: Flut wie im Sommer kann jederzeit wieder passieren

Allein aus finanziellen Gründen bleibt den Templetons keine andere Möglichkeit, als ihr Haus an Ort und Stelle wiederaufzubauen, sagen sie. Der Schaden für Gebäude und Hausrat liegt bei fast einer halben Million Euro. Die beiden haben eine Elementarschadenversicherung, die die Instandsetzung des Hauses bezahlt.

Nachrichten | drehscheibe - Wenn die Versicherung nicht zahlt 

Nach den Überschwemmungen brauchen die Menschen vor Ort schnelle finanzielle Hilfe.

Videolänge

Doch welche Risiken birgt der Wiederaufbau an Ort und Stelle? Paolo Reggiani forscht an der Universität Siegen zu wasserwirtschaftlichen Risiken und Klimafolgen. Er warnt davor, genauso wieder aufzubauen wie vorher.

"Es gibt natürlich nie den absoluten Schutz vor derartigen Flutkatastrophen, aber die Menschen sollten sich jetzt beim Wiederaufbau der Tatsache bewusst sein, dass sie in einem Gebiet leben, in welchem sich in regelmäßigen Abständen solche Hochwasser zutragen können. Das ist historisch belegt und der Klimawandel kann das alles noch verschärfen", so der Forscher.

So eine Flut wie im Sommer kann jederzeit wieder passieren.
Paolo Reggiani, Universität Siegen

Beim Wiederaufbau Risiko verringern

Reggiani sieht eine mögliche Minimierung des Risikos nur darin, die Häuser hochwasserangepasst wiederaufzubauen. "Es gibt genug Völker auf der Welt, die in Überschwemmungsgebieten leben, aber die bauen eben auch anders. Wenn einer dort baut, müsste er eigentlich das Design vom Haus völlig abändern, so dass der Schaden minimiert wird." Reggiani empfiehlt:

Das heißt, zum Beispiel keinen Keller bauen, keine Wertsachen im ersten Stock haben, nur Dinge, deren Verlust man verkraften kann. Das Erdgeschoss darf nicht mehr die Hauptwohnfläche sein.
Paolo Reggiani, Universität Siegen

Beim Wiederaufbau der Häuser im Ahrtal wird genau das jedoch nur für die Wenigsten eine Rolle spielen, die ihr Haus abreißen müssen und wieder neu aufbauen.

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