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Unwissenheit, Vorurteile, Unsicherheit

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HIV in Deutschland - Unwissenheit, Vorurteile, Unsicherheit

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Ab heute diskutieren Experten bei der Welt-Aids-Konferenz über Strategien im Kampf gegen die Epidemie. Menschen mit HIV in Deutschland fordert vor allem eines heraus: das Stigma.

Indischer Student mit Aids/HIV-Zeichen auf den Händen.
Die Berührungsängste gegenüber Menschen mit HIV sind in Deutschland immer noch groß (Archivbild).
Quelle: reuters

Sie fliegen als Piloten Menschen sicher von A nach B oder retten als Ärzte am OP-Tisch das Leben anderer. Selbst werden sie aber immer noch diskriminiert und ausgegrenzt. Das gehört zur Lebensrealität der rund 87.900 HIV-positiven Menschen in Deutschland.

Wissen in der Bevölkerung hinkt hinterher

Nach wie vor gibt es in der Bevölkerung massive Wissenslücken, Unsicherheiten und Vorurteile bezüglich HIV. Das ergab eine im April veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Deutschen Aidshilfe (DAH). Ihr zufolge möchten drei von zehn Befragten mit dem Thema HIV lieber nicht beschäftigen.

Beim Kampf gegen Ignoranz und Diskriminierung bohren wir ein dickes Brett.
Sylvia Urban, DAH-Vorständin

Es gelte immer wieder zu vermitteln: "HIV ist im Alltag sowieso nicht übertragbar, unter Therapie nicht einmal beim Sex", betont DAH-Vorständin Sylvia Urban. Das Wissen darüber hinkt in der Bevölkerung hinterher. Gerade einmal 18 Prozent der Menschen in Deutschland ist dieser Umstand bekannt.

Kein HIV-Test aus Angst vor Stigmatisierung

Die Berührungsängste gegenüber Menschen mit HIV haben drastische Folgen. Laut Robert-Koch-Institut wissen 10.600 Menschen in Deutschland mit HIV nichts von ihrer Infektion. Viele lassen sich aus Angst vor Stigmatisierung nicht testen.

"Je länger eine HIV-Infektion unbehandelt bleibt, desto größer wird das Risiko für eine schwere Folgeerkrankung bis hin zum Ausbruch von Aids", gibt Stefan Zippel zu bedenken. Der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle der Uniklinik München betreibt seit vielen Jahren Aufklärungsarbeit in Sachen Sexualität und HIV.

Von klein auf darf Corinne (20) mit niemandem über ihre HIV-Infektion sprechen. Zu groß ist die Angst vor sozialer Ausgrenzung in dem kleinen, bayerischen Dorf. Wie führt man ein Leben mit einem solchen Geheimnis?

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Eine Befürchtung hat sich dagegen nicht bestätigt: Bisherige Beobachtungen und Daten zeigen, dass Menschen mit HIV unter wirksamer Therapie kein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf von Covid-19 haben. Dies ist für Menschen mit HIV nur dann der Fall, wenn sie keine HIV-Medikamente nehmen und ein stark geschwächtes Immunsystem haben.

Zahl der HIV-Neuinfektionen geht zurück

Doch auch zu dramatische Vorstellungen vom Leben mit HIV schrecken Menschen vom HIV-Test ab und verhindern damit eine Therapie. Denn bei rechtzeitiger Diagnose können Menschen mit HIV heute leben wie alle anderen. Positiv ist zudem, dass die Zahl der Neuinfektionen seit 2015 kontinuierlich zurückgeht.

Der Rückgang bei den Neuinfektionen ist ein Erfolg der Prävention und der HIV-Therapie, die auch die Übertragung verhindert.
Sylvia Urban, DAH-Vorständin

Die HIV-Therapie verbessere sich kontinuierlich mit immer neuen, effektiveren und besser verträglichen Medikamenten.

Prophylaxe-Präparat PrEP schützt vor einer Infektion

Auch an neuen Darreichungsformen wird geforscht, etwa die Medikamentengabe mittels Spritze oder Implantat, die die tägliche Tabletteneinnahme ersetzen könnte. Weit entfernt von einem Durchbruch ist dagegen die Heilungsforschung.

Zur sinkenden Zahl der Infizierten trägt nach Ansicht der DAH auch die HIV-Prophylaxe PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) bei, die sich Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko verschreiben lassen können. "Das Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft", sagt Stefan Zippel. Menschen, die sich für die Einnahme von PrEP entscheiden, würden immer wieder als verantwortungslos stigmatisiert.

AIDS ist noch immer nicht heilbar. Aber es gibt Medikamente, die helfen, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Außerdem gibt es Medikamente, die eine Infektion mit dem HI-Virus verhindern.

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Problem: HIV-Infektion gilt als Tabuthema

Ein Umstand, der paradox ist. Denn genau das Gegenteil ist der Fall: Menschen entscheiden sich mit der PrEP für eine Schutzmaßnahme. Wichtig ist für Stefan Zippel deshalb ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem Menschen keine Angst vor Ausgrenzung haben. Denn wer vertraut, lässt sich helfen. "Erst wenn eine HIV-Infektion kein Tabuthema mehr ist, können wir die Immunkrankheit noch weiter eindämmen."

Welt-Aids-Konferenz und HIV in Deutschland

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