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Aldis Billigfleisch-Bann - Ein Gewinn fürs Tierwohl oder nur ein PR-Gag?

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Aldis Plan, Billigfleisch bis 2030 zu verbannen, hat Signalwirkung in der Branche - sorgt aber für Stirnrunzeln bei Landwirten. So einfach ist der Weg zum Tierwohl offenbar nicht.

Fleisch
Aldi und andere Wettbewerber wollen tiergerechter werden. Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung bis 2030?

Für Aldi Nord und Süd ist das Tierwohl "eine Frage der Haltung", heißt es auf der Website des Konzerns. Nach dem im Juni verkündeten "Billigfleisch"-Stopp setzen nun auch Wettbewerber auf tierfreundliche Haltungsformen. Sind Aldi, Lidl, Rewe und Kaufland also die Retter der Nutztiere? Vielleicht.

Tierwohl ist die größte Besorgnis der Verbraucher gegenüber der heutigen Landwirtschaft.
Prof. Dr. Achim Spiller, Uni Göttingen

"Der Handel weiß, dass er im Fokus der Kunden steht. Und gerade eine einkommensstarke Zielgruppe heute erwartet, dass ihr Händler nachhaltige Angebote vorantreibt", erklärt Agrarökonom Achim Spiller von der Uni Göttingen.

Kein Billigfleisch mehr bei Aldi ab 2030. Tierschutzverbände jubeln, doch für Landwirte bedeutet die Änderung ein finanzielles Risiko.

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Nachhaltigkeit im Trend

Die Einzelhandelsriesen reagieren auf die wachsende Nachfrage nach Nachhaltigkeit. Und tun damit wohl Gutes. Agrarökonom Spiller sieht in der Initiative einen Anstoß zu weitreichenden Veränderungen.

Für die Tiere gebe es künftig mehr Platz, frische Luft und Licht sowie einen artgerechten Untergrund. Heute sind deutsche Supermarktregale noch voll mit Fleisch der Haltungsstufe 1 und 2. "Beide Stufen bedeuten Tierleid!", sagt Katrin Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

BUND kritisiert Haltungsstufe 1 und 2

Stufe 1 ist die "Stallhaltung" und entspricht dem gesetzlichen Standard: Beschneiden von Ferkelschwänzen, Mastschweine von 110 Kilogramm auf 0,75 Quadratmetern -  das ist erlaubt.

Die Stufe 2 bietet laut Wenz kaum Verbesserungen zu den gesetzlichen Bestimmungen:

So haben die Tiere nur zehn Prozent mehr Platz und ein Stück Holz oder eine Kordel zum kauen - echtes Tierwohl sieht anders aus.
Katrin Wenz, BUND

Tierwohl wird teuer

Die von Aldi gewünschten Haltungsstufen 3 und 4 bieten dagegen einen offenen Stall und Auslauf der Tiere ins Freie. Doch nachhaltigeres Fleisch steckt noch tief in der Nische: Der Anteil der Landwirte, die nach Stufe 3 und 4 produzieren, liege im niedrigen einstelligen Prozentbereich, weiß Spiller.

"In den letzten ein bis zwei Jahren kommt jetzt allerdings Bewegung in den Markt. Aber um die Aldi-Mengen decken zu können, werden viele Landwirte ihre Ställe umbauen oder sogar neu bauen müssen", sagt er.

Der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft fordert einen Umbau der Agrarpolitik.

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Ein gewaltiges Investitionsprogramm sieht auch der Bauernverband auf die Landwirte zukommen. Wenn das Tierwohl zum Mainstream werden solle, müssten Landwirte massiv investieren und die Neu- und Umbauten brauchten Genehmigungen, die häufig versagt würden.

Es bleibt zu hoffen, dass das Ganze nicht nur eine PR-Aktion ist.
Bauernverband

Die Landwirte scheinen der Tierwohl-Offensive des Handels noch nicht ganz zu trauen. Sie fordern verlässliche und langfristige Liefervereinbarungen.

Ohne diese wird kein Betrieb viel Geld in die Hand nehmen, das Risiko ist hier einfach zu hoch.
Bauernverband

Die soziale Frage

Die Mehrkosten der Erzeuger bewegten sich in der Größenordnung zwischen 70 Cent und 1,50 €/kg Schlachtgewicht. Das sei für den Verbraucher ein überschaubarer Betrag, so die Aussage beim Bauernverband. Und warnt vor der möglichen Gier nach Gewinnspanne des Handels.

Agrarökonom Spiller sieht indes in einem Durchbruch für mehr Tierwohl im Handel einen ökonomischen Vorteil: Zukünftig könnten bei großen Mengen die Mehrkosten für Haltungsstufe 3 bei 40 bis 50 Cent je Kilogramm liegen. Ein Bereich, bei dem viele Studien zeigten, dass den Verbrauchern der Tierschutz dies wert wäre.

Die Bauern, Tierschützer und auch viele Agrarökonomen sehen einhellig die Politik in der Pflicht. Nur durch transparente und verbindliche Rahmenbedingungen entstünde eine Planungssicherheit. Nur so könne die Agrarwende wirklich gelingen. Das Umwelt- und das Baurecht in Deutschland lege den Betrieben hier immer noch einige Steine in den Weg.

Bio-Landwirtschaft (Symbolbild/Archiv)

Agrar-Weichen gestellt - EU-Länder einigen sich auf 25 Prozent Bio 

Grüner und tierfreundlicher soll die Agrarwirtschaft der Zukunft werden: Die EU-Agrarminister einigen sich darauf, den Ausbau der Bio-Landwirtschaft deutlich vorantreiben.

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