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Einkaufen gegen die Erderwärmung : Klimaneutral mit Aldi?

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Einkauf ohne schlechtes Gewissen, wer will das nicht. Aldi verspricht: Es geht. Mit klimaneutralen Produkten, deren Emissionen anderswo ausgeglichen würden. ZDF frontal hakt nach.

Die fragwürdigen Versprechen des Discounters

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Schuhe, Kaffee, Milch - bei Aldi im Sortiment finden sich zahlreiche Produkte mit dem Label "klimaneutral". Diese werden jedoch nicht klimaneutral hergestellt. Die CO2-Emissionen sollen dafür an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden.

Beispiel Aldi-Milch: Seit 2020 wurden nach Berechnungen der mit Aldi verbundenen Molkerei 55.000 Tonnen CO2 ausgestoßen. Im Gegenzug wurden laut Angabe des Discounters 55.000 Tonnen CO2 durch verschiedene Klimaschutzprojekte wieder aus der Atmosphäre gebunden, unter anderem in Uruguay und Kambodscha.

Waldaufforstung in Uruguay

ZDF frontal hat sich die Projekte genauer angesehen. In Uruguay geht es um die Aufforstung eines Waldes. Wo einst riesige Rinderherden weideten, sollen natürliche Wälder entstehen, die Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum geben und nebenbei CO2 speichern.

Doch je tiefer man in den Wald vordringt, desto weniger bleibt von der Idylle übrig. Stattdessen finden wir industrielle Forstwirtschaft. Ein südamerikanischer Holzkonzern fällt und zerlegt die Bäume und verschifft sie dann nach eigenen Angaben vor allem nach Indien und China

Der Discounter-Gigant schafft es mit billigen Produkten und Markenangeboten die Konkurrenz hinter sich zu lassen - wie das möglich ist zeigen dir diese fünf miesen Maschen.

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"Emissionen können sogar schlimmer werden"

In Möbeln oder als Baustoff kann Holz CO2 langfristig binden. Wird es zu Zellulose für die Papierherstellung verarbeitet, bringt es für den Klimaschutz wenig.

"Das Problem mit Produkten wie Zellulose ist, dass sie einen sehr kurzen Lebenszyklus haben. Manche werden verbrannt oder enden auf der Mülldeponie. Das ist die schlechteste Variante, denn dann entsteht Methan, das ist noch schädlicher als CO2. Die Emissionen können am Ende sogar schlimmer als besser werden", sagt Simon Counsell, ein Experte für Klimakompensationsprojekte.

Aldi hingegen beteuert gegenüber ZDF frontal:

Das Ziel des Aufforstungsprojekts in Uruguay ist die nachhaltige Holzproduktion (...) Dabei werden ausschließlich qualitativ hochwertige Holzstämme produziert und kein Zellstoff.
Aldi

Mitarbeiter vor Ort sagen etwas anderes und zeigen auf zahlreiche Baumstämme, die in der Zellulose-Fabrik landen würden. Und auch Dan Guapurá, Uruguay-Chef des Unternehmens, das den Wald forstwirtschaftlich nutzt, räumt im frontal-Interview ein: "Wenn man über diesen Wald spricht, ist eines der Ziele die Zelluloseherstellung. Die Krone des Baumes endet normalerweise in der Zellulose-Fabrik."

Klimarettung oder doch nur Profit?

Die Holz-Plantage in Uruguay dürfte es nach den internationalen Regeln zur CO2-Kompensation also nur geben, weil Aldi und andere dafür bezahlt haben, um CO2 einzusparen. ClimatePartner betont gegenüber frontal, die Zusätzlichkeit sei beim Aufforstungsprojekt in Uruguay "umfänglich und nachweislich gegeben".

Vor Ort aber finden wir zahlreiche Eukalyptus-Plantagen. Viele davon kommen ohne das Geld aus der CO2-Kompensation aus. "Die Holzproduktion in der Region ist hochprofitabel. Das heißt, es ist sehr wahrscheinlich, dass das Projekt nicht zusätzlich ist und das CO2-Geld gar nicht braucht", erklärt Simon Counsell.

Auch Dan Guapurá, der Projektmanager vor Ort, räumt im frontal-Interview ein: "Die Zertifikate bzw. die CO2-Reduktion sind für unsere Investoren ein Zusatzgeschäft und eine zusätzliche Motivation zu investieren." Zusätzlich scheint in diesem Fall eher der Profit und nicht die Klimarettung.

Foodwatch: Besser Reduzieren als Kompensieren

Verbraucher greifen zunehmend zu Lebensmitteln mit vergleichsweise guter Klimabilanz. Die Marktanteile von Milch- oder Fleischersatz stiegen in den letzten Jahren rasant. Supermärkte reagieren auf den Trend zum Beispiel mit sogenannter "klimaneutraler" Milch oder "klimaneutraler" Geflügelwurst.

"So lügen wir uns in die Tasche", meint Manuel Wiemann von der Organisation "Foodwatch": "Wenn wir das Klima schützen wollen, dann kommt es jetzt darauf an, die Emissionen hier vor Ort in Deutschland deutlich zu reduzieren. Wenn wir jetzt stattdessen auf Scheinlösungen vertrauen, wie fragwürdige Projekte im globalen Süden, wo überhaupt nicht sichergestellt ist, dass die tatsächlich das Klima schützen, dann hilft uns das überhaupt nicht weiter."

Transparenzhinweis: In der ursprünglichen Version des Artikels wurde die Zahl der Emissionen mit 55 Millionen Tonnen CO2 angegeben. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

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