Steuer-Prozess: Starkoch Schuhbeck in Bedrängnis

    Prozess um Steuerhinterziehung:München: Starkoch Schuhbeck in Bedrängnis

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    Es wird eng für Starkoch Schuhbeck. Anklage wegen Millionen-Steuerhinterziehung, belastende Aussagen und die skeptische Richterin. Es droht Haft ohne Bewährung.

    Alfons Schuhbeck am 05.10.2022 in München
    Alfons Schuhbeck
    Quelle: dpa

    Blass sitzt Alfons Schuhbeck auf seinem Anklagestuhl. Die in seinen Fernsehsendungen flink mit Gewürzen hantierenden Hände liegen ruhig auf seinen Beinen, die Lippen sind schmal.

    Wortkarger Schuhbeck

    Für den 73-Jährigen im dunklen Anzug hätte der Prozessauftakt in seinem Münchner Steuerprozess nicht schlechter laufen können: Die Staatsanwältin wirft ihm Hinterziehung in Millionenhöhe vor, sein Mitangeklagter, ein Programmierer, belastet ihn schwer, die Richterin zweifelt an seiner Unschuld.
    Zum Prozessauftakt sagt Schuhbeck fast nichts. Als die Vorsitzende Richterin Andrea Wagner ihn nach seinem Beruf fragt, scheint er einen Moment zu zögern. "Gastronom", sagt er dann knapp.

    Insolvenz vor zwei Jahren

    Wer an Schuhbeck denkt, denkt tatsächlich vermutlich auch zuerst an unzählige Fernsehsendungen und weniger an seine Restaurants. Doch neben seiner Präsenz in der Öffentlichkeit ist er vor allem Gastronom und betrieb bis zu einer Insolvenz im vergangenen Jahr zwei Restaurants in allerbester Münchner Lage - die "Südtiroler Stuben" und das "Orlando", das nach der Pleite geschlossen wurde.
    Die Lokale brachten lange hohe Umsätze, wie die Anklage der Staatsanwaltschaft eindrucksvoll belegt. Denn Schuhbeck soll versucht haben, diese Umsätze künstlich kleiner zu machen. Mit Hilfe von Kassenmanipulationen soll er die Einnahmen nachträglich verringert haben.
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    Vorwurf: Über zwei Millionen Steuern hinterzogen

    Die von Staatsanwältin Susanne Gehrke-Haibl verlesene Liste ist lang. Schuhbeck stornierte demnach im "Orlando" und den "Südtiroler Stuben" über Jahre hinweg jährlich mehrere hunderttausend Euro. Insgesamt mehr als 4,3 Millionen Euro sollen auf diese Weise nicht in den Büchern aufgetaucht sein, über verschiedene Steuerarten hinweg soll Schuhbeck mit diesem Trick 2,35 Millionen Euro hinterzogen haben.
    Die Summe dürfte der entscheidende Faktor in dem bis kurz vor Weihnachten geplanten Verfahren werden: Denn ab einer Million Euro hinterzogener Steuern ist in der Regel eine Haftstrafe zwingend.

    Opfer oder Täter?

    Dass Richterin Wagner Schuld bei Schuhbeck sieht, wird am ersten Verhandlungstag deutlich. Die freundlich-verbindliche Richterin berichtet aus einem gescheiterten Gespräch mit der Staatsanwaltschaft und Verteidigung über eine Verständigung.
    Schuhbecks Verteidiger wollten demnach dessen Vorgehen als "normalen Gastrofall" darstellen. Kassenmanipulationen seien da "normale Handlungsfälle", zitiert Wagner aus dem Gespräch. Allerdings bezweifelt die Richterin dies - und auch, dass Schuhbeck wie von den Verteidigern behauptet selbst "Opfer von Manipulationen" geworden sein könnte.

    Dubiose Geldgeschäfte in Übersee?

    Wagner sagt schon am ersten Verhandlungstag, es liege beim "Orlando" ein "sehr dringender Tatverdacht" vor, dass Schuhbeck manipuliert habe. Bei den "Südtiroler Stuben" sei auch nicht die Frage, ob manipuliert wurde, sondern durch wen - einen anderen Verdächtigen als Schuhbeck gibt es dort bisher ebenfalls nicht. Hier gebe es zumindest "hinreichenden Tatverdacht" gegen Schuhbeck.
    Zum Verbleib der nie irgendwo gefundenen unverbuchten Millionenbeträge äußert die Richterin einen spektakulären Verdacht. Es gebe "vereinzelt Hinweise", dass der Koch in der Karibik Kontakte zum Staat Sankt Vincent und die Grenadinen sowie in Malta unterhalte und dort Geldgeschäfte getätigt haben könnte.

    Mitangeklagter: Manipulationssoftware im Auftrag

    Für Schuhbeck erweist sich zum Prozessauftakt zudem sein wegen Beihilfe mitangeklagter früherer Mitarbeiter Jürgen W. als wichtiger Belastungszeuge. W. gesteht, als Programmierer auf ausdrücklichen Wunsch Schuhbecks für das "Orlando" eine Manipulationssoftware geschrieben zu haben.
    Vor Gericht sagt W.:

    Obwohl mir klar war, dass Schuhbeck Umsätze löschen und Bargeldentnahmen verschleiern wollte, kam ich seiner Aufforderung nach.

    Mitangeklagter W.

    Er habe sich bei dem Koch in der Schuld gesehen, weil ein gescheitertes IT-Projekt diesen viel Geld gekostet habe.
    Trotz der massiven Anklage und der belastenden Aussage bleibt die Verteidigung von Schuhbeck zunächst bei dem Kurs, ihren Mandanten als Opfer darzustellen. Am Ende des ersten Prozesstags mahnt die Richterin Schuhbeck allerdings noch einmal nachdrücklich zur Aussage. Ein umfassendes Geständnis könnte für ihn womöglich der einzige Weg werden, die drohende Haftstrafe zu mildern.
    Quelle: von Ralf Isermann, afp