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Corona und Alkoholismus - Wenn die Selbsthilfegruppe ausfällt

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Für Alkoholkranke spielen Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle. Doch die persönlichen Treffen fallen in Corona-Zeiten aus. Eine Belastung für Betroffene und Angehörige.

Anonyme Alkoholiker
Die persönlichen Treffen bei den AA fallen in Corona-Zeiten aus. Eine zusätzliche Belastung für Betroffene.
Quelle: imago/Becker&Bredel

Die seit Mitte März geltenden Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie machen Alkoholkranken und ihren Familien schwer zu schaffen. Die Betroffenen dürfen nicht mehr an den regelmäßigen Treffen von Organisationen wie den Anonymen Alkoholikern, den Guttemplern, dem Blauen Kreuz oder den Diakonie-Freundeskreisen teilnehmen.

Suchtexperte: Ausfall der Meetings erhöht Rückfallrisiko

Neben dem körperlichen Entzug spielt die Möglichkeit der Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe eine wichtige Rolle, um trocken zu bleiben, betont der Kasseler Suchtexperte Markus Schimmelpfennig.

Der Ausfall der Meetings erzeugt laut Schimmelpfennig "zusätzlichen Stress und erhöht das Rückfallrisiko". Vielen Betroffenen drohten Vereinsamung und psychische Probleme. Ihnen fehlten der Austausch auf Augenhöhe, der Rückhalt und die Geborgenheit in der Gruppe. Denn dort könnten sie alles sagen und auch "mal schlecht drauf sein", so Schimmelpfennig: "Alkoholiker untereinander können sich nicht belügen." Virtuelle Treffen seien nur ein "zweitklassiger Ersatz".

Telefon-und Onlinemeetings werden angenommen

Gleichwohl bleibt den Selbsthilfegruppen in der Corona-Krise nichts anderes übrig, als Telefon- und Onlinemeetings zu organisieren, wie zum Beispiel dem Guttempler-Landesverband Hessen. Die einmal in der Woche stattfindenden Telefonkonferenzen würden sehr gut angenommen, berichtet der Vorsitzende Ulrich Bernhard.

Außerdem sei seit 1. April ein bundesweites Nottelefon geschaltet und Videokonferenzen seien im Aufbau. "Wenn ein Betroffener trotzdem auf ein persönliches Gespräch besteht, führe ich das, selbstverständlich mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand", betont Bernhard.

Auch die rund 2.500 Gruppen der Anonymen Alkoholiker in Deutschland halten Kontakt übers Smartphone oder nutzen die bundesweite Erste-Hilfe-Telefonnummer. Er selbst nehme regelmäßig an Online-Treffen teil, schicke vermehrt E-Mails und "hänge viel am Telefon", sagt der Gründer der Marburger Gruppe, der anonym bleiben möchte.

Deutlich weniger vernetzt seien hingegen die Angehörigen-Gruppen, bedauert er. Das bestätigt auch die Leiterin der Selbsthilfegruppe von Angehörigen von Suchtkranken im Diakonischen Werk Biedenkopf, die ebenfalls unerkannt bleiben möchte. Auch für die Angehörigen-Gruppe gilt: "Wir freuen uns, wenn die Krise überstanden ist und wir uns wieder vor Ort austauschen können."

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