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Verleihung des Friedenspreises - Amartya Sen: Pionier der Armutsforschung

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Der indische Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sen stellt stets die Freiheit des Einzelnen über wirtschaftliches Wachstum.

Sein Leben lang war Amartya Sen von Büchern umgeben. Er wurde 1933 im indischen Shantiniketan in eine akademische Familie geboren und wuchs, wie er selbst sagt, "auf dem Campus" auf. Sein Vater war Professor für Chemie, der Großvater für Sanskrit. Das Streben nach Wissen und Erkenntnis war schon für den jungen Amartya ein sinnstiftendes Lebensziel.

Selbst noch Schüler, gründete er mit Freunden eine Abendschule und unterrichtete Jugendliche, die keine öffentlichen Schulen besuchen konnten. Auch wenn er in einem behüteten Elternhaus aufwuchs, blieben dem jungen Amartya Sen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konflikte in Indien nicht verborgen.

Er sah Gewalt und Tod und suchte nach Erklärungen

Als Neunjähriger sah er die schrecklichen Auswirkungen der Hungersnot in Bengalen, an der bis zu drei Millionen Menschen starben. Während der Aufstände zwischen Hindus und Moslems erlebte er wenig später Gewalt und Tod. Erfahrungen, die ihn prägten und drängten, nach Erklärungen zu suchen. 

Sen studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie in Kalkutta und Cambridge. Er war der Überzeugung, dass diese Fächer zusammengehören und sich ergänzen. Ökonomische Theorien stellte er in Zusammenhang mit ethischen und moralphilosophischen Fragestellungen. Das eröffnete neue, revolutionäre Perspektiven.

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von Michael Schmitt

Freiheit des Einzelnen wichtiger als Wirtschaftswachstum

Bekannt wurde er zunächst für seine Forschungen über Hungersnöte. Diese seien häufig nicht auf Lebensmittelknappheit zurückzuführen, sondern auf Verteilungsprobleme sowie "fehlendes politisches und gesellschaftliches" Engagement. Demokratien kennen keine Hungersnöte - denn sie wären politisch nicht vertretbar.

Amartya Sens Werk ist geprägt von der Überzeugung, dass die Freiheit und die Entfaltung des Einzelnen wichtiger sind als wirtschaftliches Wachstum. Ein freies und selbstbestimmtes Leben bildet die beste Grundlage für gesellschaftlichen Wohlstand.

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Kämpfer für Frauenrechte

Er verstand sich schon in jungen Jahren als Anwalt für die Rechte von Frauen. Die Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit, das Recht auf Bildung und Gesundheitsversorgung waren ihm immer ein besonders Anliegen. 1998 erhielt er für seinen wegweisenden Beitrag in diesen Fragen der Wohlfahrtsökonomie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Dass er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, sagte er im Interview für das "Blaue Sofa", habe ihn geehrt und gefreut, denn er kenne den Preis und seine Geschichte.

Und auch im Alter von 86 Jahren mag er sich ein Leben ohne Studierende nicht vorstellen, mit denen er sprechen und diskutieren kann. Mögen ihm noch viele gesunde Jahre des Lehrens und Lehrens beschieden sein.

Susanne Biedekopf leitet die ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Umwelt und Soziales.

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