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Hintergrund - Brisanter Stoff: Ammoniumnitrat

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Es soll Ammnoniumnitrat gewesen sein, das in Beirut in die Luft flog. Verwendet wird die Chemikalie für Dünger, aber auch für Sprengsätze. Ein brisanter Stoff.

Archiv: Blaue Säcke mit Ammoniumnitrat in einer Scheune, aufgenommen am 05.02.2010
Wegen seiner Wirkung auf die Umwelt umstritten: Ammoniumnitrat
Quelle: imago

Ammoniumnitrat - für Dünger und Sprengstoff

Ammoniumnitrat ist ein Salz, das aus Ammoniak und Salpetersäure hergestellt wird. Es wird vor allem als Bestandteil von künstlichen Düngemitteln (zum Beispiel Blaukorn) verwendet. Ammoniak und Ammoniumsalze fördern als wichtige Nährstoffe das Pflanzenwachstum enorm. Genutzt wird es aber auch zur Herstellung von Sprengstoff. Ammoniumnitrat gilt als brandfördernd und kann beim Erhitzen explodieren. In Deutschland fällt die Handhabung deshalb unter das Sprengstoffgesetz. In Düngemitteln darf es einen bestimmten Anteil in der Mischung nicht überschreiten.

Immer wieder Katastrophen

Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen.

Das geruchlose Salz war in den vergangenen Jahrzehnten bereits für zahlreiche Explosionen verantwortlich - bei Unfällen und Anschlägen. Im Zusammenhang mit Ammoniumnitrat gibt es immer wieder Katastrophen. Die schwersten: 1921 starben bei einer Explosion in Ludwigshafen etwa 560 Menschen. Der Knall war bis nach München zu hören. In Texas explodierten 1947 zwei mit dem Salz beladene Schiffe. Fast 500 Menschen kamen ums Leben. Bei einem Unfall in Toulouse gab es 2001 31 Tote, 2004 in Nordkorea etwa 150 Tote und bei einer Serie von Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin 173 Tote.

Beirut: Stoff stammt möglicherweise von Frachtschiff

Auch in Beirut sind nach Angaben der libanesischen Behörden 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert. Es könnte von einem Frachtschiff stammen, dem Berichten zufolge 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt worden war. Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs. Der Besatzung gingen dann Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Einsatz bei Anschlägen

Wegen seiner explosiven Wirkung wurde Ammoniumnitrat bereits bei mehreren Attentaten verwendet, unter anderem 1995 beim Anschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City in den USA. 168 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik verwendete den Stoff 2011 bei den Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya.

Umwelt- und klimaschädlich

Abgesehen von seiner Gefährlichkeit ist die Verwendung von Ammoniumnitrat im Dünger auch wegen seiner Wirkung auf die Umwelt umstritten. Es gilt als gesundheitsschädlich und hält sich oft tagelang als Feinstaub in der Luft. Und: Bei der Verwendung von Stickstoffdüngern, die oft mit Ammoniumnitrat hergestellt werden, wird das stark schädliche Treibhausgas Distickstoffoxid (Lachgas) freigesetzt. Wird solcher Dünger außerdem zu intensiv verwendet, können die Pflanzen die Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, was zu einer Nitratbelastung im Grundwasser und zur Schädigung von Gewässern führen kann.

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