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Rechenzentrum in Bunker - Darknet-Cyberkriminelle angeklagt

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Die Schaltstelle für millionenschwere kriminelle Geschäfte im "Darknet" war 2019 aufgeflogen. Die Betreiber des "Cyberbunkers" werden jetzt wegen Beihilfe angeklagt.

Das Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Bunkers. Archivbild
Das Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Bunkers. Archivbild
Quelle: Thomas Frey/dpa

Weil sie in einem ehemaligen Bundeswehrbunker in Rheinland-Pfalz ein Rechenzentrum für illegale Webseiten betrieben haben sollen, hat die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Anklage gegen acht mutmaßliche Täter erhoben.

Die Gruppe soll kriminellen Kunden Schutz vor staatlichen Zugriffen gegeben haben. Das teilte die Anklagebehörde mit. Damit hätten sie laut der Anklage Beihilfe zu den von den Kunden begangenen Straftaten geleistet. Sie hätten diese durch ihre Server maßgeblich unterstützt und gefördert.

6.600 Darknet-Webseiten entdeckt

Unter den illegalen Webseiten hätten sich zahlreiche Drogenmärkte im Darknet befunden. Einer von ihnen war "Wall Street Market", die weltweit zweitgrößte illegale Handelsplattform. Auch Datenhehlerei, Inverkehrbringen von Falschgeld sowie weitere Straftaten seien über das Rechenzentrum möglich gewesen, darunter ein groß angelegter Angriff auf Router der Deutschen Telekom im November 2016. Auf den Servern des illegalen Rechenzentrums wurden fast 6.600 Darknet-Webseiten aufgelistet.

Hauptangeklagter ist ein 60-jähriger Niederländer, der den Ermittlern als Kopf der Gruppe gilt. Er soll den Bunker bei Traben-Trarbach 2013 erworben und das Rechenzentrum mit drei weiteren Angeschuldigten aufgebaut haben. Die weiteren Angeschuldigten stießen laut den Ermittlern später hinzu.

Seit Razzia im September in U-Haft

Dazu gehören Manager, Buchhalter und Administratoren des Rechenzentrums. Die Anklage wertet das als Gründung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung. Sieben der Angeschuldigten wurden im September bei einer Razzia festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Ein Angeschuldigter befindet sich auf freiem Fuß.

 Die Anklage wurde auf sieben Taten beschränkt, weil die Auswertung der beschlagnahmten Server, Festplatten und Computern weiter andauert, wie ein LKA-Sprecher mitteilte. Insgesamt müssten 886 digitale Server ausgewertet werden. Das kann laut den Ermittlern noch bis zu einem Jahr dauern. Daher sei ein längeres Warten bis zur Anklageerhebung nicht vertretbar gewesen. Die gegründete Sonderkommission "Lux" werde künftig dauerhaft von fünf Experten unterstützt.

Bisher nicht ein einziger legaler Server entdeckt

Bei einer Grobsichtung des Datenmaterials sei bisher kein einziger legaler Service des Rechenzentrums gefunden worden. Allein im Bereich des Drogenhandels gebe es mehr als eine halbe Million einzelner Fälle. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz behalte es sich vor, gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Anklage gegen die Angeschuldigten zu erheben, sagten die Ermittler am Dienstag.

Einer der Angeschuldigten habe sich bisher umfassend zu den Vorwürfen geäußert. Die Generalstaatsanwaltschaft erhob die Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier, weil zwei der Angeschuldigten im Tatzeitraum noch Heranwachsende waren.

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