Messerattacke in Ansbach: Kein Hinweis auf religiöses Motiv

    Nach Messerattacke:Ansbach: Keine Hinweise auf religiöses Motiv

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    Nach dem Messerangriff in Ansbach gehen die Ermittler davon aus, dass der Täter allein handelte. Ein 20-Jähriger entwendete dem Angreifer ein Messer und half so einem 17-Jährigen.

    Nach der Messerattacke in Ansbach haben die Ermittler bislang keine Hinweise auf ein terroristisches oder extremistisches Motiv des mutmaßlichen Angreifers. Das sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelfranken, Roman Fertinger, am Freitag bei einer Pressekonferenz.
    Die Ermittler gehen davon aus, dass der 30-Jährige am Vorabend alleine handelte, wie der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach, Kriminaldirektor Dieter Hegwein, sagte. Er ergänzte, die Polizei habe bislang keinerlei Erkenntnisse, die auf politisch oder religiös motivierte Straftaten des Verdächtigen hinweisen. Nach Angaben der Polizei rief der Verdächtige bei der Tat auf Arabisch "Allahu Akbar" ("Gott ist groß").

    Mann eilte 17-Jährigem zur Hilfe

    Der Notruf ging am Donnerstag um kurz vor 18 Uhr ein, wie Polizeipräsident Fertinger sagte. Der 30-Jährige habe in der Nähe des Bahnhofs auf einem 17-Jährigen gekniet und zwei große Fleischermesser dabei gehabt.
    Ein 20 Jahre alter Mann sei zufällig hinzugekommen und habe sich geistesgegenwärtig auf den Angreifer geworfen. Er habe dem Angreifer ein Messer aus der Hand winden können. Weitere Passanten seien dazugekommen und hätten helfen wollen, woraufhin der Täter weggelaufen sei.
    Die kurz darauf eintreffende Polizei habe ihn wenige hundert Meter entfernt gestellt, berichtete Fertinger weiter. Der 30-Jährige sei mit den Messern auf die Beamten losgegangen, woraufhin zwei von ihnen geschossen hätten. Der Mann starb noch vor Ort. Der 17- und der 20-Jährige wurden leicht verletzt.

    Staatsanwaltschaft: Polizisten haben Waffen rechtmäßig genutzt

    "Für die Staatsanwaltschaft zeigt sich hier kein hinreichender Verdacht eines strafbaren Verhaltens. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem rechtmäßigen Schusswaffengebrauch aus", sagte die leitende Oberstaatsanwältin Gabriele Hofmeier.
    "Die Hochaggressivität, die hier aus den Bildern erkennbar ist, hat also diesen offensichtlichen Schusswaffengebrauch eindeutig gerechtfertigt", sagte Fertinger. Die Polizei hatte Aufnahmen unter anderem von Bodycams ausgewertet, die die Polizisten während des Einsatzes trugen.

    Verdächtiger mehrfach straffällig

    Wie die Polizei weiter berichtete, war der mutmaßliche Täter 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen und vor zwei Jahren einer Gemeinschaftsunterkunft in Ansbach zugewiesen worden. Der Asylantrag des Afghanen wurde abgelehnt, er war nur noch geduldet in Deutschland. Seine Duldung wäre in der kommenden Woche abgelaufen.
    Bereits in den vergangenen Jahren war der Mann siebenmal mit Straftaten aufgefallen, überwiegend Körperverletzungen sowie eine sexuelle Belästigung und ein Drogenverstoß. In seinem Zimmer seien auch Antidepressiva gefunden worden, teilte die Polizei mit.
    Quelle: dpa, AFP