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Schon vor Corona ein Problem - So werden Asiaten hierzulande diskriminiert

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Seitdem das Coronavirus in China ausgebrochen ist, erleben asiatisch gelesene Menschen alltägliche Anfeindungen. Der Rassismus wird sichtbar, ist aber nicht neu.

#StopAsianHate Kampagne - Mann mit Schild
#StopAsianHate - Betroffene wehren sich gegen anti-asiatischem Rassismus
Quelle: ap/ damian dovarganes

Schräge Blicke, Beleidigungen, anschubsen, anspucken – das haben viele Asiatinnen und Asiaten seit der Pandemie verstärkt erleben und ertragen müssen. Auch in Deutschland. Ihnen wird eine absurde Schuld für das Coronavirus zugesprochen, allein aufgrund äußerlicher Merkmale. Das besagt eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Das ist rassistisch, diskriminierend und ein Alarmsignal, wie mit asiatisch gelesenen Menschen grundsätzlich umgegangen wird, so der Appell asiatischer Experten und Expertinnen.

Corona-bedingte Zunahme an Übergriffen

"Der Virus wurde in vielen Berichten rassifiziert, kulturalisiert und wurde asiatischen Körpern und asiatischen Menschen zugeschrieben und das hatte Auswirkungen darauf, wie diese im Alltag behandelt wurden", so die Einordnung von Dr. des. Kimiko Suda.

Sie war Projektmitarbeiterin einer Studie der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Ergebnis ist alarmierend: 80 Prozent der über 700 Teilnehmenden haben zwischen Oktober und Dezember 2020 verbale und körperliche Angriffe erlebt.

Doch die Wahrnehmung und Solidarität in der deutschen Gesellschaft hielt sich in Grenzen. Während Tausende Menschen bei Black-Lives-Matter-Protesten gegen Rassismus gegen Schwarze und People of Color auf die Straße gingen, fühlten sich asiatisch gelesene Menschen oft alleine gelassen - auch dieser Schluss lässt sich aus der Studie der Berliner Uni ziehen.

Welche Rolle spielt Corona bei anti-asiatischem Rassismus und was haben Betroffene in Deutschland seit Ausbruch der Pandemie erlebt? Das erfahren Sie im Video:

Diskriminierendes Verhalten gegenüber asiatisch gelesenen Menschen in Deutschland ist durch Corona sichtbarer geworden. Aber neu ist das Problem nicht.

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Die "ewig Fremden"

Ein Grund für fehlende Anteilnahme sei eine grundsätzliche Stereotypisierung, sagt Politikwissenschaftlerin Dr. Liya Yu. Still, zurückhaltend, unterordnend – angehaftete Eigenschaften asiatischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ebenso klischeebehaftet sind wie die Annahme, dass sie per se naturwissenschaftlich engagiert wären.

"In den Geisteswissenschaften machen es sich Asiatinnen und Asiaten im Westen besonders schwer, ihre Individualität zu beweisen. Das fängt schon im Kindergarten an: Wie die Kinder beschrieben werden, wie sie stereotypisiert werden – als eben gut in Mathe, gut in Maschinenbau, aber nicht eben als Individuen, die Gefühle haben, die ganz verschieden sind, die auch schlecht in Mathe sein können", so Yu.

Eine Irreführung, die bereits in der Kindheit beginnt, wie auch Restaurantbetreiber Dat Vuong schildert: "Ich kenne das aus meiner Familie, dass meine Eltern mir immer beigebracht haben:

Wir sollen einfach Geduld lernen und uns unterordnen – nur so kommen wir weiter. Aber wenn man nicht laut ist, wird man auch nicht wahrgenommen.
Dat Vuong, Restaurantbetreiber in Berlin

Dat Vuong hat sich von diesem Klischee losgesagt. Heute ist er erfolgreicher Restaurantbetreiber in Berlin-Mitte.

Thuy-Tien Nguyen engagiert sich in einem Verein gegen anti-asiatischen Rassismus. In einem Kölner Bahnhof wurde sie als "Corona-Opfer" beschimpft.

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Anti-asiatische Hasskriminalität in Amerika

Auch in den USA wird seit der Pandemie ein besorgniserregender Ansprung anti-asiatischer Übergriffe registriert: Laut einer Analyse vorläufiger Polizeidaten durch das "Center for the Study of Hate and Extremism" an der California State University nahm die Hasskriminalität gegenüber asiatisch gelesenen Menschen in den 16 größten Städte Amerikas um 149 Prozent zu. Seit März 2020 zählte eine Studie der Brookings Institution rund 3.000 gewalttätige anti-asiatische Angriffe.

"Ich habe in den USA promoviert, gelehrt, acht Jahre dort gelebt. Ich möchte sagen, dass der Fakt, dass diese Themen dort behandelt werden, bedeutet, dass diese Themen wichtig sind, dass die Civil-Rights-Bewegung einen Effekt hatte.

Und das bedeutet, dass diese Gesellschaft Deutschland voraus ist im Rassismus-Diskurs.
Dr. Liya Yu, Politikwissenschaftlerin

Asiatisch gelesene Menschen stärker miteinbeziehen

Genau das ist Yus Forderung: ein neuer Diskurs. Das Aberkennen von Individualität müsse ersetzt werden durch die Wertschätzung des einzelnen, durch eine aktive Miteinbeziehung asiatisch gelesener Personen im öffentlichen Austausch.

Darüberhinaus liege es laut Suda bei jedem Mitbürger und jeder Mitbürgerin selbst, aktiv in Situationen einzutreten, wenn asiatisch gelesene Menschen öffentlich angegriffen werden.

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