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Kampf gegen Keime

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Wenn Antibiotika nicht helfen - Kampf gegen Keime

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Tausende Menschen sterben in Europa an Infektionen - ausgelöst durch Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr helfen. Forscher arbeiten daran, die Erreger zu stoppen - mit Erfolg.

Jedes Jahr sterben 33.000 Menschen in Europa an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen. "plan b" zeigt Konzepte, die eine Ausbreitung der gefährlichen Keime verhindern können.

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30 min
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Es ist eine der medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: der Kampf gegen antibiotikaresistente Keime. Aber es gibt Fortschritte zu vermelden. So ist man das Problem in den Niederlanden schon früher angegangen als in Deutschland - und hat Konzepte entwickelt, um Übertragungen der Keime von Patient zu Patient zu reduzieren.

Und um Antibiotika gezielter und verantwortungsbewusster einzusetzen. Um von unseren Nachbarn zu lernen, hat ein Klinikverband im Münsterland den niederländischen Mikrobiologen und Hygienefacharzt Ron Hendrix als Berater engagiert. Eine seiner ersten Maßnahmen im St. Agnes-Hospital Bocholt war die Optimierung des klinikeigenen Labors.

Keime sind ein "importiertes Problem"

Viele Tests, schnelle Ergebnisse und der gezielte Einsatz von Antibiotika führten umgehend zu einer Verbesserung der Situation. Die Klinik setzt deutlich weniger Reserveantibiotika als früher ein. Und auch die Übertragung der Keime ist durch strikte Hygienemaßnahmen weniger geworden: "95 Prozent der Keime kommen bei uns mit den Patienten in die Klinik, das bedeutet, die Keime sind für die Krankenhäuser ein importiertes Problem", erklärt Hygienespezialist Hendrix.

Im landwirtschaftlich geprägten Münsterland sind die als Krankenhauskeime gefürchteten MRSA-Keime (Methicillin resistenten Staphylococcus aureus) auch in der gesunden Bevölkerung verbreitet. Eine Unterart der Keime kommt aus den Viehställen, in denen die Landwirte viele Antibiotika eingesetzt haben. Sie besiedeln auch Haut und Nase von Menschen. Dort sind sie völlig ungefährlich, können aber in offenen Wunden, wie sie zum Beispiel bei einer OP entstehen,  zu lebensgefährlichen Infektionen führen.

Ärzte nehmen schon vor der Aufnahme Abstriche von Patienten

Im Münsterländer Klinikverband nehmen die Ärzte daher Abstriche von den Patienten schon bevor sie stationär aufgenommen werden. Die Betroffenen bekämpfen die Bakterien dann mit speziellen, biologischen Desinfizierungsmitteln in den eigenen vier Wänden.

Bei der OP im Krankenhaus gibt es dann nur noch einmalig ein Reserveantibiotikum. Die Maßnahmen zeigen Wirkungen: MRSA bereitet in dem Klinikverband kaum noch Probleme.

Hendrix führt das auf die verbesserte Labordiagnose zurück: "Suchst Du keine Keime, siehst Du sie auch nicht. Wenn Du sie nicht siehst, kannst Du sie auch nicht gezielt bekämpfen und erkennst auch keinen Bedarf für erhöhte Hygiene."

Eine Infektion mit multiresistenten Keimen ist für Patienten oft der Beginn einer langen Leidensgeschichte. Immer häufiger sind die gängigen Antibiotika wirkungslos. Gibt es Wege, die Killerkeime zu stoppen? Leschs Kosmos: Wer stoppt die Killerkeime?

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Kliniken mangelt es an Labors

Was simpel klingt, hat in Deutschland einen Haken. Viele Kliniken haben bereits vor Jahrzehnten die eigenen Labors abgeschafft. Aus Kostengründen. Wenn die Ärzte jetzt mehr Tests durchführen wollen, steigert das die Kosten für die Kliniken. Vielen Krankenhäusern fehlt das Geld dafür. In der deutsch-niederländischen Grenzregion wollen sich die Klinken dem Problem gemeinsam stellen und haben neue Standards definiert, um die Keime in den Griff zu kriegen.

Sie tauschen ihre Erfahrungen in einem Netzwerk aus.  Ein erster Schritt aber für Hygienemediziner nur ein Baustein im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen, durch den Zeit gewonnen wird, um neue Mittel zu finden: "Für den Moment hilft es uns die Keime in Griff zu halten, aber klar ist auch: Auf alles was wir machen, werden die Keime eine Antwort haben", so Ron Hendrix.

Pest und Cholera haben einst ganze Landstriche verwüstet. Heute halten Antibiotika gefährliche Keime in Schach. Doch gegen immer mehr Krankheitserreger sind Medikamente machtlos. ZDFzeit: Killerkeime - wenn Antibiotika nicht mehr helfen

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43 min
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Regensburger forschen an völlig neuer Waffe gegen Keime

Weltweit wird kaum noch nach neuen Antibiotika gesucht. Der Grund: neue Mittel werden sofort als Reserveantibiotika eingestuft, die nur im Notfall zum Einsatz kommen, wenn andere Mittel nicht mehr helfen. Der Verbrauch wäre wahrscheinlich gering, die Entwicklungskosten aber sehr hoch.

Eine kleine Biotecfirma aus Regensburg aber schreckt das nicht. Biologe Martin Grießl stellt dort synthetische Enzyme her, mit denen er Bakterien gezielt zerstören kann. Viele Tests hat er bereits gemacht, und die Mittel haben gewirkt, ohne dass dabei Resistenzen entstanden wären.

Plan B
Kampf gegen Killerkeime: plan b am Samstag, 17:35 Uhr im ZDF
Quelle: ZDF

Völlig neue Waffe gegen die Keime

Jetzt hat er mit der Firma Aicuris in Wuppertal und dem dortigen Firmenchef Holger Zimmermann einen Partner gefunden, der Grießls Entwicklung durch langwierige Testverfahren bringen und als neue Medizin marktreif machen will. Er geht damit ein unternehmerisches Risiko ein.

"Das ist eine  Wette auf die Zukunft. Wir glauben, dass das Problem mit den Resistenzen so groß ist, dass es dafür in absehbarer Zeit auch lukrative Finanzierungsmöglichkeiten geben muss." Fünf bis zehn Jahre kann es dauern, ehe das neue Mittel verkauft werden kann. Sollte es aber tatsächlich die medizinischen Tests überstehen, hätten die Mediziner eine neue völlig Waffe im Kampf gegen die Keime in der Hand. Nötig wäre sie allemal.

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