Lieferengpässe in Apotheken verschärfen sich

    Keine Besserung in Sicht:Lieferengpässe in Apotheken nehmen weiter zu

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    Winterzeit ist Erkältungszeit. Gerade jetzt klagen Apotheken auch noch über zunehmende Lieferschwierigkeiten. Schuld daran: hohe Kosten und globalisierte Lieferketten.

    Ob Fiebersäfte für Kinder, Hustenmittel, Blutdrucksenker, Brustkrebsmedikamente oder Magensäureblocker: Wer in der Apotheke eine bestimmte Arznei haben will, stößt mitunter auf Schwierigkeiten. Denn Lieferengpässe haben das Angebot verknappt - Kunden bekommen dann oft ein Alternativmittel, das nicht erste Wahl war.
    Apotheker sehen die Engpässe mit Sorge.

    Die Lage ist schlimm.

    Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein

    So etwas habe er in über 30 Berufsjahren nicht erlebt. Die Probleme hätten in den vergangenen Monaten zugenommen.
    Rund 300 Medikamente fehlen derzeit in deutschen Apotheken. Der Grund dafür sind Lieferengpässe der Pharmaindustrie. Das spüren auch immer häufiger die Kunden.03.11.2022 | 1:19 min

    Entwarnung: Niemand bleibt "unversorgt"

    Ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) spricht von einer "großen Herausforderung", die auf absehbare Zeit bleiben werde.
    Im Moment gehe niemand "unversorgt" aus der Apotheke, so Branchenvertreter Preis. Aber: "Die Arzneimitteltherapie, die mit den noch verfügbaren Arzneimitteln möglich sein wird, kann auch zu Qualitätseinbußen führen." Auf das kommende Jahr blickt Preis mit Bedenken.

    Wir erwarten eine Steigerung der Lieferdefizite.

    Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein

    Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller haben 18 Prozent der Bundesbürger Schwierigkeiten oder Knappheit bei Medikamenten erlebt. Für Apotheken sind die Engpässe ein Ärgernis, da sie für Patienten Alternativen zu Medikamenten finden oder teilweise selbst herstellen müssen - das ist aufwendig und teuer.

    Bundesinstitut: Lieferengpass bedeutet nicht Versorgungsengpass

    Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt derzeit etwa 300 Meldungen zu Lieferengpässen auf - bei rund 100.000 zugelassenen Arzneimitteln in Deutschland. Für viele knappe Medikamente gibt es aber Alternativen.
    "Ein Lieferengpass muss daher nicht gleichzeitig ein Versorgungsengpass sein", betont die Behörde. Sie sieht "keine Hinweise auf eine generelle akute Verschlechterung der Versorgungslage in Deutschland".
    Seit 1422 werden nahe des Tallinner Rathauses Medikamente und andere, manchmal wunderliche, Dinge verkauft. Ein Museum gibt Einblick in ihre geschichtsträchtige Vergangenheit.22.07.2022 | 2:02 min

    Problem: Produktion in Asien

    Als Ursache der Engpässe sehen Apotheken und Gewerkschaften die Globalisierung. Rund 68 Prozent der Produktionsorte von Wirkstoffen, die für Europa bestimmt sind, liegen im kostengünstigeren Asien, heißt es in der Studie des Pharmaverbands vfa. Kommt es dort zu Fertigungsproblemen, Verunreinigungen oder zum Produktionsstillstand, kann das auch Deutschland treffen.
    Vor wenigen Jahrzehnten seien die aktuellen Lieferengpässe undenkbar gewesen, kritisiert Apotheker Preis.

    Früher war Deutschland die Apotheke der Welt, heute sind China und Indien die Apotheke der Welt.

    Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein

    Aus seiner Sicht wäre es wichtig, möglichst viel Produktion nach Deutschland zurückzubringen.

    Bayern fordert: Konzepte für eigene Arzneimittelproduktion in Deutschland

    Aus Sorge vor zu großen Abhängigkeiten von anderen Ländern fordert auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek vom Bund ein Förderkonzept für mehr Arzneimittelproduktion in Europa. Alleine die Volksrepublik China sei für rund 40 Prozent der weltweiten Antibiotikaexporte verantwortlich, betonte der CSU-Politiker.

    Dass die gesamte EU so am Tropf Chinas hängt, ist nicht akzeptabel. Vielmehr müssen versorgungsrelevante Wirkstoffe wieder in Europa selbst hergestellt werden. Denn sonst laufen wir in ein gesamtgesellschaftliches Gesundheitsrisiko.

    Klaus Holetschek, Gesundheitsminister Bayern

    Es brauche dringend eine Förderung der EU-Produktion, auch der Pharmastandort Deutschland müsse weiter gestärkt werden.

    Wirtschaftlicher Druck und steigende Kosten

    Ein weiterer Grund für Lieferengpässe ist wirtschaftlicher Druck. Auch der Pharmaindustrie machen teure Energie und Materialien zu schaffen. Doch die Preise für Arzneien sind reguliert, Hersteller können höhere Kosten nicht ohne Weiteres an Kunden weitergeben.
    Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten müssen Hersteller Krankenkassen in Rabattverträgen Nachlässe gewähren. Zudem gibt es Festbeträge als Höchstbeträge, den die gesetzlichen Kassen für ein Arzneimittel zahlen. Das soll helfen, die Kosten im Gesundheitssystem zu begrenzen und den Anstieg der Krankenkassenbeiträge einzudämmen.
    Auch der Verband Pro Generika beklagt Kostendruck in der Inflation. Mit dem "politisch gewollten Kostendruck" sei die Arzneiversorgung brüchig geworden, kritisiert Geschäftsführer Bork Bretthauer.

    Rasant steigende Wirkstoff- und Produktionskosten bei eingefrorenen Preisen machen die Produktion von Arzneimitteln wie Fiebersäften zum Verlustgeschäft.

    Bork Bretthauer, Geschäftsführer Pro Generika

    Die Produzenten von Paracetamol-Fiebersäften erhalten laut Pro Generika 1,36 Euro je Flasche. Der Wirkstoff sei aber binnen eines Jahres um 70 Prozent teurer geworden. Immer mehr Hersteller zögen sich aus der Produktion zurück. Inzwischen sei nur noch ein Hauptanbieter übrig.
    Quelle: dpa

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