Sie sind hier:

Ungewöhnliche Artenrettung - Artenschutz: Erhalt um jeden Preis?

Datum:

Im Kampf gegen das Artensterben entwickeln Naturschützer immer ausgefallenere Methoden. Wie teuer und aufwendig dürfen Schutzprojekte für einzelne Arten sein?

Weltweit sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Im Kampf um die Artenvielfalt entwickeln Naturschützer immer ausgefallenere Methoden. Mit Erfolg?

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Es ist das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier: Mehr als eine Million Tier- und Pflanzenarten sind bedroht. Schuld daran ist der Mensch, sagt Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

"Eigentlich ist Aussterben ein natürlicher Prozess, es gehört zur Evolution dazu. Aber das, was wir jetzt sehen, ist vom Menschen verursacht und hat überhaupt nichts mit natürlicher Selektion zu tun. Wir dezimieren unseren Planeten in einer Art und Weise, wie das die Evolution nie machen würde."

Das Artensterben ist durch Schutzgebiete allein nicht mehr zu stoppen

Das Artensterben ist so weit vorangeschritten, dass klassische Maßnahmen wie das Einrichten von Schutzgebieten allein nicht mehr ausreichen, warnt Thomas Hildebrandt. Mit seinem Projekt "BioRescue" versucht der Wildtierforscher, das Nördliche Breitmaulnashorn zu retten - mit künstlicher Befruchtung und Stammzellenforschung.

Ein Breitmaulnashorn und Nashorn-Kalb om Südafrika. Archivbild
Gefährdete Art: Breitmaulnashorn mit wenige Monate altem Kalb in einer Aufzucht in Südafrika
Quelle: Jürgen Bätz/dpa

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das ungewöhnliche Projekt mit vier Millionen Euro. "Das ist sehr viel Geld", gibt Thomas Hildebrandt zu, weist aber auf die Schlüsselfunktion des Nashorns für sein Ökosystem hin: "Hunderte Tier- und Pflanzenarten hängen von ihm ab. Und wir wissen: Und wir wissen: Wenn Arten verschwinden, geraten dadurch hochsensible Ökosysteme aus dem Gleichgewicht."

Dann könnten Krankheitserreger von Tieren plötzlich auf den Menschen übertragen werden. "Das haben wir zum Beispiel bei Ebola oder SARS erlebt. Das heißt: Es ist sehr unklug, Arten aussterben zu lassen. Deswegen sind wir Wissenschaftler dabei, diesen Prozess zu stoppen und sogar umzukehren."

Ultraleichtflugzeug soll Zugvögeln den natürlichen Weg weisen

Auch Johannes Fritz kämpft gegen das Artensterben. Dafür setzt sich der Verhaltensbiologe ans Steuer eines Ultraleichtflugzeugs. So zeigen er und sein Team jungen Waldrappen den Weg in ihr Winterquartier. Normalerweise lernen die Zugvögel die Route von ihren Eltern. Doch weil die Art in freier Wildbahn ausgestorben ist, müssen menschliche Ziehmütter diese Aufgabe übernehmen.

Schon vor dem Start dieser so genannten menschengeführten Migration investieren die Mitglieder des Waldrappteams viel Zeit und Arbeit: Drei Monate lang leben zwei Ziehmütter in einem Camp am Bodensee und kümmern sich rund um die Uhr um die jungen Waldrappe.

Flugbegleitung für Waldrappe
Jungen Waldrappen wird mit einem Leichtflugzeug ihre natürliche Flugroute beigebracht.

Nachhaltiger Artenschutz kostet

Die 870 Kilometer lange Flugreise über die Alpen wird minutiös geplant und von 14 Helfern auf dem Boden begleitet. "Es ist ein großer Aufwand, der natürlich auch kostet: Über sechs Jahre hatten wir ein Budget von 4,3 Millionen Euro. Aber wir verlieren momentan 50 bis 150 Tier- und Pflanzenarten pro Tag. Wenn man zumindest eine Art erhalten kann, dann ist das eine gesellschaftliche und moralische Verpflichtung", erklärt Johannes Fritz.

Den Mitgliedern des Waldrappteams ist es wichtig, dass ihr Projekt nachhaltig ist. Wenn die Zugvögel die Route einmal gelernt haben, finden sie den Rückweg nach Deutschland ganz alleine - und können die Strecke ihren Jungen zeigen. Außerdem kämpft das Waldrappteam gegen die Hauptursachen des Zugvogelsterbens: Illegale Jagd und ungesicherte Strommasten.

Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum befürwortet auch aufwendige und teure Einzelmaßnahmen für den Artenschutz, sofern sie nachhaltig sind. Darüber hinaus fordert die Biologin ein ganzes Bündel an Maßnahmen.

Massives Artensterben durch den Menschen

"Wir brauchen große Schutzgebiete, weil man auf die Art und Weise viele Arten schützt. Dann muss man ganz massiv ansetzen bei den Faktoren, die die Arten direkt ausrotten: Jagd und Fischfang. Und was wir letztlich brauchen, ist eine große Veränderung unserer Gesellschaft, die es erlaubt, dass wir ein gutes Leben führen können - aber dass die Arten auf der Erde genauso gut leben können wie wir selber."

Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung sterben durch den Menschen bis zu tausendmal mehr Arten aus als durch natürliche Selektion. Das hat dramatische Folgen: "Die Artenvielfalt ist essenziell für uns Menschen. Eigentlich alles, was wir essen, unsere Kleidung, unsere Medizin, unsere Baustoffe, all das kommt aus der Natur. Und es ist letztlich die Biodiversität, die biologische Vielfalt, die uns diese Stoffe zur Verfügung stellt," mahnt Katrin Böhning-Gaese.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.