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Terra X - die Wissens-Kolumne - Weltrettung? Nur mit richtigem Artenschutz

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Die Biodiversität hängt am Tropf und wir Menschen mit ihr. Richtiger Artenschutz könnte die Welt retten. Aber nur, wenn sich die Politik mit einer wichtigen Lobby anlegt.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Ingolf Baur

In der neuen Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.

Neulich, nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit, wurde mal wieder versucht, die Welt zu retten. Nicht in Glasgow, sondern bei der UN-Biodiversitätskonferenz in China. Premier Xi Jinping sprach von einem Meilenstein auf dem Weg, wieder in Harmonie mit der Natur zu leben.

Mao hat nicht nur Spatzen vernichtet

Welche Natur, hat er nicht gesagt. Hoffentlich nicht die chinesische. Wer heute in China ein Tier sehen will, muss ein Schutzgebiet oder einen Markt für Wildtiere besuchen. Mao hatte 1958 eine komplette Spatzenvernichtung angeordnet, die nicht nur die Spatzen, sondern fast sämtliche Vögel mit ausgerottet hat. Er dachte, so Hunger und Elend zu bekämpfen.

Auf den industriellen Agrarflächen läuft ein Vernichtungsfeldzug gegen Wildkräuter und Insekten ab. Auch Feldlerchen, Rebhühner oder Goldammern werden nicht überleben.

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Aber mit einem "Ach, diese Chinesen kennen aber kein Pardon" kommen wir aus der Nummer nicht raus. Wann haben Sie die letzten Spatzen hier gesehen? Feldlerchen? Stare?

Wildtiere nur drei Prozent der Biomasse auf der Erde

Vor 50 Jahren war der Himmel am Bodensee manchmal von Staren verfinstert, die ihren Schlafplatz im Schilf gesucht haben. Die Vogelbestände in Deutschland sind um 80 Prozent zurückgegangen in den letzten 200 Jahren. Passt ja, die Biomasse der Insekten auch.

Alles, was nicht Mensch ist oder vom Menschen gezüchtet, ist auf dem Rückzug. Das Verhältnis heute: Wir und unsere Nutztiere machen zusammen 97 Prozent der Biomasse auf dem Planeten aus. Sämtliche Wildtiere zusammen drei Prozent.

Vor 2.000 Jahren lebten zweihundert Millionen Menschen auf unserem Planeten, heute fast acht Milliarden. Und morgen? Wie viel Platz bleibt noch für die Natur andere Arten?

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Biodiversität hängt am Tropf

Macht euch die Erde untertan, steht irgendwo in der Bibel. Mission accomplished! Wir haben sie so untergetan, dass wir selbst bald in die Grube fahren könnten. Die Biodiversität hängt am Tropf und wir mit ihr.

Wer soll unser Obst bestäuben, wenn die Insekten weg sind? Rumänische Hilfsarbeiter? Die brauchen wir für die Fleischfabriken und Spargelfelder. Allein der Ausfall der Insektenbestäuber wurde mit 577 Milliarden Euro pro Jahr berechnet. Da wird’s schwierig mit der schwarzen Null.

Wir erleben gerade das größte Massenaussterben seit dem Ende der Dinosaurier. Dirk Steffens besucht Forschende, die weltweit für den Artenschutz kämpfen.

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Kein Ziel der Biodiversitätskonvention von 2010 erreicht

Dabei hat die Politik das Problem erkannt: Die Biodiversitätskonferenz hat jede Menge dramatische Worte hervorgebracht: "Besorgnis, Risiko, Bedrohung", um sich dann allerdings in Absichtserklärungen zu verlieren. Man nehme zur Kenntnis, dass einige Staaten, so heißt es, die Ausweisung von 30 Prozent Schutzgebieten fordern, der Pestizideinsatz "müsse reduziert, umweltschädliche Subventionen abgeschafft werden" usw. Alles richtig und wünschenswert, aber das ähnelt sehr den Zielen von Aichi.

Das war die globale Biodiversitätskonvention, die 2010 in Japan verabschiedet wurde. Den Text könnte man einfach für heute recyclen. Keines der Ziele wurde erreicht.

In den letzten 500 Millionen Jahren hat sich die biologische Vielfalt auf der Erde verändert. Wie bei einer Fieberkurve ging es dabei aufwärts und einige Male steil bergab. Die Ausreißer nach unten werden als die fünf großen Massensterben beschrieben.

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Friedhof der Arten wird immer größer

Auch in Deutschland haben die ganzen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien, Naturschutzgesetze und Biodiversitätsstrategien nicht gefruchtet. Ja, ein paar Seeadler, Wanderfalken, Schwarzstörche, Biber, Luchse oder Wölfe sind wieder angesiedelt worden, aber auch der Friedhof der Arten wurde immer größer.

Der Mensch hat ihn einst ausgerottet und vertrieben. Jetzt soll sich der Bartgeier hier wieder wohlfühlen, im Nationalpark Berchtesgaden. Eine aufwändige Wiedergutmachung.

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In Deutschland existieren rund 9.000 Naturschutzgebiete - in denen man meist nichts von Schutzgebiet merkt. Bis auf ein paar Kernzonen in Nationalparks wird da beförstert und befischt, beackert und beradelt.

Natur ist nicht bloß Kulisse

Naiv, wer glaubt, dass der Mensch zu einem kompletten Rückzug bereit wäre, um den Wald irgendeiner bisher unentdeckten Mikrobe zu überlassen. Raus aus dem Häuschen im Grünen, statt dessen Winzwohnungen in verdichteten Städten, um etwas Unbekanntes zu retten? Wohl kaum.

Die einzige Chance ist, eine ganz neue Kooperationsbasis mit den anderen Bewohnern dieses Planeten zu suchen und Lebensräume zu teilen. Das heißt Gärten und Parks insektenfreundlich gestalten, Steinwüsten und "Psychopathenrasen" verwildern lassen. Natur ist nicht bloß Kulisse.

 Rauch steigt aus einer Fabrik auf, während ein mit Autos beladener LKW eine Brücke überquert.
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von Michael Hörz, Moritz Zajonz

Politik muss sich mit Landwirtschaft anlegen

Die wichtigste Aufgabe hat die Politik: Sie müsste sich endlich mit der Landwirtschaftslobby anlegen. Der größte Killer der Artenvielfalt wird von keiner Konvention erfasst. Das deutsche Naturschutzgesetz tut so, als wäre Landwirtschaft kein Eingriff in Natur und Lebensräume, wenn nur ordentlich nach "guter fachlicher Praxis" geackert wird.

Wer als Feldsperling oder Pfauenauge in Deutschland unterwegs ist, dem präsentiert sich das Land als Wüste: riesige Monokulturflächen von Mais, Getreide oder Raps; keine Blütenpflanze, die Nahrung bieten würde; jedes Wildkraut tot gespritzt. Die gepriesenen Blütenstreifen und Lerchenfenster? Zu selten und eintönig. Ohne die Intensivlandwirtschaft zu beenden und die Nahrungsmittelproduktion zu ökologisieren, wird das nix mit der Rettung der Artenvielfalt.

Kunming-Erklärung kann noch eine Chance für die Welt sein

Die Kunming-Erklärung der UN-Artenschutzkonferenz soll 2022 verabschiedet werden. Es ist also noch Zeit, das Papier zu überarbeiten und strenge Überwachungs- und Sanktionsmechanismen zu verhandeln. Dann gibt es noch eine Chance, die Welt zu retten.

Vergangene Ausgabe der Terra-X-Kolumne verpasst?

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Jasmina Neudecker

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