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Interview

Deutscher Astronaut - Maurer: Raumfahrt unterstützt bei Klimaschutz

Datum:

Matthias Maurer fliegt am 31. Oktober zur ISS. Im Interview erklärt der Astronaut, wie die Raumfahrt zum Klimaschutz beiträgt und verrät, welche Musik ihn ins All begleiten wird.

Ende Oktober startet der deutsche Astronaut Matthias Maurer zu einer Mission ins All. Ein halbes Jahr wird er im Weltraum bleiben und an spannenden Experimenten arbeiten.

Beitragslänge:
15 min
Datum:

Kurz vor seinem Flug ins All konnte das ZDF mit ESA-Astronaut Matthias Mauer sprechen. [Sehen Sie das gesamte Interview im obigen Video und lesen Sie es hier in Auszügen.]

ZDFheute: Wo sind Sie denn jetzt gerade und wie sieht jetzt Ihr Countdown aus bis nächstes Wochenende?

Matthias Maurer: Ich befinde mich momentan noch in meiner Wohnung in Houston. Ich bin gerade in Quarantäne, weil wir ja nur gesunde Astronauten ins Weltall schicken möchten. Die Quarantäne ist unabhängig von Corona, das ist schon immer so gewesen. Man kann ja auch eine Grippe bekommen oder eine einfache Erkältung, aber es ist besonders jetzt in Zeiten einer Pandemie wichtig.

Eine Woche bin ich jetzt noch hier in Houston und dann fliege ich zusammen mit meinen Kollegen mit einem Nasa-Flugzeug rüber nach Florida und dann geht es in die letzte Quarantänewoche, in die letzte Vorbereitung und dann hoffentlich auch bald und ohne Verzögerung zur ISS.

Der 51-jährige Matthias Maurer fliegt als zwölfter Deutscher ins Weltall. Der gebürtige Saarländer wird ab Oktober für sechs Monate auf der Internationalen Raumstation leben.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

ZDFheute: Sie machen ja jetzt viele Experimente oben, wirklich mehrere hundert. Gibt es da eines oder ein paar, die Sie besonders wichtig finden oder auf die Sie sich besonders freuen?

Maurer: Zum Beispiel die Experimente, die im Bereich Werkstoffwissenschaften liegen. Das ist ja das Fach, das ich auch studiert habe. Dann haben wir ein ganz tolles Experiment aus Saarbrücken mit dabei von der Universität des Saarlandes, wo ich studiert habe. Und es verknüpft verschiedene Themen auf der ISS.

In der Schwerelosigkeit verändert sich ja sehr viel im Körper, unter anderem wird das Immunsystem schwächer, gleichzeitig werden Viren und Bakterien immer aggressiver, mutieren schneller in der Schwerelosigkeit, auch aufgrund der erhöhten Weltraumstrahlung. Und jetzt kommen dann die Werkstoffe ins Spiel.

Wir können da oben zur Desinfektion von Flächen keinen Alkohol einsetzten, weil das die Luftaufbereitungsanlage außer Betrieb setzen würde. Deswegen müssen wir andere Technologien verwenden. Und hier haben wir strukturierte Metalle dabei, also Metalle, die in Saarbrücken mittels Laserbehandlung an der Oberfläche behandelt wurden.

Und diese Behandlung führt dazu, dass diese Oberflächen antimikrobiell sind, dass sie also Keime abtöten.
Matthias Maurer, ESA-Astronaut

Das kann man sich direkt mal übertragen: Wenn wir diese neuen funktionalen Oberflächen in einem Krankenhaus einsetzen würden, also an Türklinken oder im Fahrstuhl für die Fahrstuhlknöpfe, also Stellen, die viele Menschen jeden Tag anfassen und wo dann auch potenziell Keime übertragen werden können. Diese Weltraumforschung hat also einen direkten Bezug für die Anwendung auf dem Boden.

ZDFheute: Jetzt wird dieser Umweltaspekt auch viel kritisiert. Welche Rolle spielt denn auch bei Ihrer Mission der Klimaschutz und die Erdbeobachtung?

Maurer: Wenn wir eine Rakete ins Weltall hochschießen, dann entstehen da natürlich auch CO2 und andere Abgase. Das ist aber ungefähr vergleichbar mit einem Flug über den Atlantik. Das ist also kein enormer Einfluss, der da entsteht.

Der Gewinn ist eigentlich viel größer als der Impact auf unser Klima. Oben aus der Perspektive des Weltraums haben wir viele Satelliten, die uns erst ermöglichen unsere Erde zu messen und den Klimawandel zu dokumentieren.
Matthias Maurer, ESA-Astronaut

Wir haben auch beispielsweise Forschungsstationen in der Antarktis, die wesentlich waren, um das Ozon-Loch zu entdecken. Und genauso wird es in Zukunft wichtig sein, dass wir von der ISS, aber auch später vom Mond aus, unsere Erde beobachten und sehr viel über unsere Erde lernen, damit wir die Wissenschaftler mit Daten füttern können. Denn nur datenbasiert können wir die richtigen Schritte einleiten, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Mehr als 700 Klima-Satelliten messen Ozonwerte oder schmelzende Gletscher aus dem Orbit. Sie helfen uns, besser zu verstehen, was auf der Erde passiert und liefern präzise Daten.

Beitragslänge:
9 min
Datum:

Die Raumfahrt hat aber auch wichtige Beiträge dazu geleistet, saubere Energie auf der Erde herzustellen. Das macht man heute sehr oft schon mit Solarenergie. Solarenergie ist ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt worden, damit wir Raumstationen und Satelliten im Weltall betreiben können.

ZDFheute: Sie treffen ja jetzt oben auch Commander Thomas Pesquet, Ihren Freund. Bringen Sie auch die deutsch-französische Beziehung ein bisschen weiter im Weltall? Was machen Sie jetzt da oben?

Maurer: Wir haben jetzt zum allerersten Mal ein direktes Handover von einem französischen Astronauten zu einem deutschen Astronauten. Es ist natürlich für die europäische Raumfahrt ganz wichtig, dass zwei Europäer gemeinsam im All sind. Gemeinsam können wir viel mehr erreichen. Und wenn Thomas zurückgeflogen ist und ich ein halbes Jahr oben war, dann kommt die nächste Europäerin hochgeflogen, Samantha Cristoforetti, eine Italienerin.

Und wir möchten dadurch zeigen, dass Europa fast dauerhaft im Weltall präsent ist. Wir sind wirklich seit 21 Jahren führend in der Weltraumforschung dabei und als Europäer können wir viel mehr erreichen.
Matthias Maurer, ESA-Astronaut

ZDFheute: Und was werden Sie hören, wenn Sie hochfliegen?

Maurer: Wenn wir zur Startrampe fahren, machen wir das in einem Tesla und sind dann 15 Minuten unterwegs. Ich habe mir zwei ganz tolle Lieder ausgesucht für diese Fahrt. Das ist einmal "Dream On" von Ronnie James Dio und von den Toten Hosen "An Tagen wie diesen".

Das Interview führte Susanne Freitag-Carteron, Leiterin des ZDF-Landesstudios in Saarbrücken.

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