IAEA-Mission in der Stadt Saporischschja eingetroffen

    Visite des Atomkraftwerks:IAEA-Team in Saporischschja eingetroffen

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    Visite im Kriegsgebiet: Auf dem Weg zum AKW Saporischschja sind Inspektoren der Atombehörde IAEA in der Stadt eingetroffen. Rund um die Anreise hagelt es Vorwürfe.

    Auf dem Weg zum ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja ist das Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in der gleichnamigen Stadt in der Südukraine eingetroffen.
    Ein Konvoi aus rund 20 Fahrzeugen, darunter auch ein Rettungswagen, kam am Mittwoch in Saporischschja an, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

    Ukraine und Russland werfen sich Beschuss vor

    Kurz vor der Abreise des IAEA-Teams in Kiew sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Mittwoch: "Wir gehen in eine Kriegszone. Wir gehen in besetztes Gebiet". Dies erfordere nicht nur Sicherheitsgarantieren von Russland, sondern auch von der Ukraine. Und diese habe man erhalten.
    Allerdings hieß es nach ukrainischen Angaben, dass die russische Armee kurz nach dem Aufbruch des Teams die Stadt Enerhodar in der Nähe des Kraftwerks beschossen haben soll.
    Zuvor hatte die von Russland eingesetzte Verwaltung in der Region Saporischschja behauptet, ukrainische Truppen hätten das AKW und die nahegelegene Stadt Enerhodar in der Nacht beschossen. Innerhalb von 24 Stunden sei das Gelände des AKWs 60 mal getroffen worden, hieß es.
    Unter anderem sei durch einen Drohnenangriff ein Verwaltungsgebäude des Kraftwerks beschädigt worden. Tote habe es aber nicht gegeben, und es sei auch keine Radioaktivität ausgetreten, hieß es weiter.

    Atomkraftwerk seit Monaten besetzt

    Das AKW Saporischschja wurde zu Beginn des Krieges vor etwas mehr als sechs Monaten von russischen Soldaten besetzt und wird nach wie vor von ukrainischen Mitarbeitern betrieben. Die Tatsache, dass das Kraftwerksgelände zuletzt mehrfach unter Beschuss geraten war, hatte Sorgen vor einem Atomunfall oder einem Austritt radioaktiver Strahlung geschürt. Kürzlich musste es wegen Feuerschäden vorübergehend vom Netz genommen werden.
    Karte: Saporischschja
    Hier liegt die Stadt Saporischschja.
    Quelle: ZDF

    Unter diesen Vorzeichen gab es große Sorgen um die Sicherheit der 14 IAEA-Experten, trotz der Garantien beider Seiten. Am Dienstag hatte die Ukraine die Russen beschuldigt, Zugangsrouten zum AKW bombardiert zu haben, damit der Konvoi seine Strecke ändere und stattdessen durch russisch kontrolliertes Gebiet fahre.
    IAEA-Chef Grossi sagte: "Dies ist das erste Mal, das erste Mal, dass jemand die Front überquert." Er hoffe, letztlich eine permanente Mission in der Ukraine zu etablieren, um die Lage in Europas größtem Atomkraftwerk zu überwachen.

    EU-Außenbeauftragter fordert Abzug russischer Truppen

    Die internationale Gemeinschaft beobachtete die IAEA-Mission, die mehrere Tage dauern soll, mit Sorge. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bekräftigte die Forderung nach einem Abzug der russischen Truppen aus der Gegend um das AKW. "Sie spielen Spiele. Sie setzen die nukleare Sicherheit aufs Spiel", sagte er in Prag.
    Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko sagte der Nachrichtenagentur AP, die Regierung in Kiew bemühe sich um internationale Unterstützung zur Demilitarisierung der Region.

    Wir sind der Meinung, dass diese Mission ein sehr wichtiger Schritt sein sollte, um es (das AKW) bis Ende des Jahres unter Kontrolle der ukrainischen Regierung zu stellen.

    Herman Haluschtschenko, ukrainischer Energieminister

    Es gebe Informationen, wonach die Russen versuchten, ihre militärische Präsenz zu verschleiern, sagte Haluschtschenko. Das müsse überprüft werden.
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    Quelle: AFP, dpa

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