Strom aus Atomkraft wird in Deutschland immer seltener. In Finnland hingegen steht Kernkraft hoch im Kurs. Hier wird diese Möglichkeit der Energiegewinnung oft befürwortet. Warum?
Trotz ausufernder Kosten und jahrelanger Verzögerungen, gegen die sich der Berliner Flughafen BER geradezu wie ein Vorzeigeprojekt ausnimmt, unterstützt die Mehrheit der finnischen Bevölkerung die Kernkraft.
Und TVO, der Betreiber, tut alles, damit das auch so bleibt. Inklusive wöchentlicher Bustour und Besichtigungen mit Eventcharakter für die Kids. Bis tief unter die Erde in die Granitstollen des Endlagers.
AKW Olkiluoto liefert 17 Prozent des finnischen Stroms
Das Kraftwerk Olkiluoto mit zwei AKW-Blöcken liegt auf einer Insel im Südwesten des Landes nahe der Ortschaft Eurajoki. Hier entsteht auch das weltweit erste atomare Endlager. Weitere Kernreaktoren stehen in Loviisa, im Süden Finnlands.
In Olkiluoto ist ein dritter Kraftwerksblock fast fertiggestellt. Nach etlichen Verzögerungen über mehr als zehn Jahre hinweg soll der neue Reaktor 2021 erstmals Strom produzieren.
Die beiden älteren Reaktoren produzierten 2018 14,1 Terrawatt-Stunden Strom. Damit deckte allein Olkiluoto knapp 17 Prozent des gesamten Strombedarfs in Finnland. Gerade mal 7 Prozent lieferte die Windkraft.
Während Deutschland zum Schutz des Klimas seit Jahren auf die Erneuerbaren setzt, baut Finnland die Atomkraft weiter aus.
Finnlands Regierung sieht Atomkraft als Brückentechnologie
Finnland baut die Atomkraft weiter aus - ein Plan, der bei den meisten Deutschen wie ein Schritt in die Vergangenheit erscheinen mag, für die junge finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin aber in die Zukunft weist. Zumindest ein Stück weit.
Atomkraft sei Teil des Energie-Mixes, sagt sie. Natürlich wolle man die fossilen Energieträger durch Erneuerbare ersetzen. Die Kernenergie sieht sie eher als Brückentechnologie.
Anti-AKW-Bewegung im Abseits
Zwar gibt es auch in Finnland eine Anti-AKW-Bewegung. Die kommt aber eher putzig daher. Viel Widerhall findet sie nicht. Nicht einmal die Grünen stellen sich der Kernkraft in den Weg. Atomenergie sei ein probates Mittel, Strom zu gewinnen, findet der Grünen-Abgeordnete Atte Harjanne:
Nur das Risiko zu betrachten, sei falsch. Man müsse das Ganze im Blick haben und die Risiken ins Verhältnis setzen.
"Und für eine gewaltige Menge Energie bekommen wir recht wenig Müll. Und dieser ist fest, man kann ihn in ein Endlager packen", so Harjanne.
"Wir müssen die fossilen Energieträger loswerden"
Eine Ansicht, welche die meisten der rund 9.500 Bewohner des Städtchens Eurajoki teilen. Auch Bürgermeister Vesa Lakaniemi. Er freut sich über sprudelnde Steuereinnahmen und schlägt gleich den Bogen vom benachbarten AKW zu den erneuerbaren Energien: Eurajoki sei Teil des "Hinku"-Netzwerks, betont er, in dem sich klimaneutrale Gemeinden in Finnland zusammengeschlossen haben. Man werde deshalb 26 neue Windräder bauen.
Ein nachhaltigere Welt will auch die finnische Regierungschefin: "Ich finde, das Thema Klimawandel ist dringend. Wir müssen die fossilen Energieträger loswerden", ergänzt sie. "Und wir haben bereits begonnen, einen klimaneutralen, nachhaltigeren Weg einzuschlagen."
Bis aber die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut sind, setzt Finnland auf Atomstrom.