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Abschied von Papst und Pelé : Öffentlich aufgebahrt - was dahinter steckt

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Papst Benedikt XVI. und Pelé: Von beiden nahmen Tausende Menschen bei Aufbahrungen am offenen Sarg Abschied. Doch woher kommt dieses Ritual und ist es noch zeitgemäß?

Der Sarg mit dem Leichnam des brasilianischen Fußballstars Pelé ist auf dem Spielfeld des Stadions Vila Belmiro aufgebahrt, aufgenommen am 2.01.2023 in Santos (Brasilien)
24 Stunden wurde der Leichnam der brasilianischen Fußball-Legende Pelé aufgebahrt.
Quelle: dpa

Nach dem Tod von Fußball-Legende Pelé und Papst Benedikt XVI. haben sich Tausende Menschen von ihnen verabschiedet - am offenen Sarg. Was hat es mit dem Ritual des Aufbahrens auf sich und ist es überhaupt noch zeitgemäß?

Zeremonien dieser Art gebe es "in ganz unterschiedlichen Kulturkreisen", erklärt Fabian Lenzen, Obermeister der Bestatterinnung von Berlin und Brandenburg. Dabei habe eine Aufbahrung nicht allein etwas mit religiösen Gründen zu tun, auch aus weltlicher Sicht nutzten viele Menschen dieses Ritual, um Abschied von ihren Liebsten zu nehmen.

Zehntausende Gläubige aus aller Welt nehmen heute Abschied von dem emeritierten Papst. Zwei Tage nach seinem Tod wird sein Leichnam im Petersdom öffentlich aufgebahrt.

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Warum Aufbahrungen wieder häufiger werden

Ein weiterer Grund sei der "Gedanke einer Totenwache", der noch aus früheren Zeiten stamme. Dabei passten auch hierzulande Angehörige bis zur Beerdigung im "Sterbezimmer" auf den Leichnam auf, sagt Lenzen. Damals mussten Verstorbene wegen mangelnder Hygiene-Möglichkeiten schnell beerdigt werden und blieben deshalb für die kurze Zeit zu Hause.

Private Aufbahrungen dieser Art gebe es zum Teil aber noch heute, wenn auch seltener als in früheren Zeiten.

Aber in der Zeit der palliativen Versorgung nimmt es wieder zu. Das haben wir ab und zu wieder, jetzt häufiger als vor zehn bis 15 Jahren.
Fabian Lenzen, Bestatterinnung von Berlin und Brandenburg

Ein offener Sarg als kulturelle Selbstverständlichkeit

In anderen Kulturkreisen sei eine Aufbahrung mit offenem Sarg selbstverständlich. Zum Beispiel biete er als Bestatter die Zeremonie öfter für Menschen aus dem indischen Kulturkreis an - und auch in der orthodoxen Kirche gehöre eine Totenwache oft zur traditionellen Verabschiedung eines Toten dazu.

In Nepal werden zum Beispiel die Verstorbenen in Tempelstätten öffentlich verbrannt.
Fabian Lenzen, Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg

Bei Beerdigungen in den USA sei es ebenfalls die Regel, dass Angehörige bei der Beerdigung mit offenem Sarg vom Verstorbenen Abschied nehmen, sagt der Bestatter. In Deutschland ist der Tod hingegen eher ein Tabu und wenig präsent. "Von Verstorbenen geht ein Gruselfaktor aus", sagt Lenzen.

Tausende Fans haben im Stadion des FC Santos Abschied von der brasilianischen Fußball-Legende Pelé genommen.

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Wie kann ein Leichnam über längere Zeit offen im Sarg liegen?

Manche öffentlichen Personen wie der emeritierte Papst Benedikt XVI. werden über mehrere Tage bei offenem Sarg aufgebahrt. Damit das möglich ist, muss der Leichnam allerdings einbalsamiert beziehungsweise konserviert werden.

Das ist fast alternativlos bei solchen Fällen, wenn der Leichnam nicht gerade bei vier Grad gelagert wird.
Fabian Lenzen, Bestatterinnung Berlin-Brandenburg

Denn ungefähr 24 bis 48 Stunden nach dem Tod setze je nach klimatischen Bedingungen die Autolyse - also die Verwesung des Körpers - ein. Auch durch besonders niedrige Temperaturen werde der Prozess nur verlangsamt und nicht aufgehalten, erklärt Lenzen.

Nach dem Tod des emeritierten Papstes ist der Leichnam von Benedikt XVI. jetzt im Petersdom aufgebahrt. Annette Hilsenbeck berichtet, wie der weitere Ablauf nun aussieht.

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Was passiert bei einer Einbalsamierung?

Um einen Leichnam zu konservieren und damit vor der Verwesung zu schützen, wird Lenzen zufolge ein Verfahren ähnlich der Dialyse angewendet.

Dabei wird das Blut ausgetauscht durch konservierendes Mittel, im Normalfall Formaldehyd.
Fabian Lenzen, Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg

Dabei gehe es jedoch nur um eine zeitlich begrenzte Konservierung und nicht um eine langfristige Mumifizierung wie im alten Ägypten.

Warum eine Aufbahrung für den Trauerprozess wichtig sein kann

Es komme manchmal sogar vor, dass Familienangehörige an der Waschung ihres gestorbenen Verwandten teilnehmen, erzählt Lenzen. Solche Trauerrituale würden manchen bei der Verarbeitung eines Verlustes helfen.

Aufbahrungen im engeren Kreis können durchaus für die Trauerbewältigung hilfreich sein, um einen Abschied bewusst zu machen.
Fabian Lenzen, Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg

Vor allem in Situationen, in denen zum Beispiel ein plötzlicher Unfalltod die Menschen aus dem Leben riss. Das Wichtigste sei, sagt Fabian Lenzen, dass die Würde des Verstorbenen bei einer Aufbahrung geachtet werde.

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