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20-jähriges Bestehen - Babyklappe: Ein zwiespältiges Thema

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Vor 20 Jahren ist die erste Babyklappe in Betrieb genommen worden. Sie verhindere potenzielle Kindstötungen, so Befürworter. Dafür raubt sie Kindern ihre Identität, sagen Kritiker.

Babyklappe in Karsruhe.
Die erste Babyklappe öffnete heute vor 20 Jahren in Hamburg. Das Baby kommt durch eine Klappe in ein Wärmebett. Wird die Klappe geschlossen, wird durch einen Alarm Hilfe gerufen, die das Kind umgehend versorgt.
Quelle: DPA

Die Babyklappe soll Schwangeren die Möglichkeit bieten, das Kind - ohne dessen Gesundheit zu gefährden - anonym abzugeben. Ursula Kunz ist bei der Diakonie Karlsruhe für die Koordination der Babyklappe zuständig. Es gibt sie seit 2001, in Kooperation mit der Hardtstiftung, einem Mädchen-, Mutter- und Kind-Heim. "Die Babyklappe ist wichtig, um das Leben von Neugeborenen zu bewahren, wenn die Mütter nicht in der Lage sind, im Lauf einer konflikthaften, ungewollten oder verdrängten Schwangerschaft mit irgendjemandem zu reden", erklärt Kunz.

Die Frauen verheimlichen nicht nur ihre Schwangerschaft, sondern gebären meist heimlich und ohne medizinische Hilfe:

Dann ist die Not groß, wohin mit dem Säugling.
Ursula Kunz, Diakonie Karlsruhe

Und genau da greife laut der Diakonie-Mitarbeiterin die Anonymität sowie der Zweck der Babyklappe. "Mütter erzählen, dass sie wie im Tunnel sind, dass ihr einziges Ziel war, die Schwangerschaft zu verheimlichen, das Kind zu gebären und das Leben nach der Geburt wieder an dem Punkt aufzunehmen, wo es vor der ungewollten Schwangerschaft stehen geblieben ist", lautet ihr Fazit.

Das Ziel der Betreiber ist also, Aussetzungen oder die Tötung des Neugeborenen zu verhindern. Nach Auffassung von Terre des Hommes ist das nicht erreicht worden.

Denn die Zahl der Neugeborenen-Tötungen ist in Deutschland sehr niedrig. Und sie ist laut Michael Heuer von Terre des Hommes in den vergangenen 20 Jahren etwa gleich geblieben: "Man weiß, dass Frauen, die ihre Säuglinge getötet haben, das aus einer Panik-Situation heraus getan haben."

Anonyme Geburten: Juristische Grundlage fehlt

Wer sein Kind jedoch in eine Babyklappe legt, möchte, dass es lebt. Das internationale Kinderhilfswerk sieht den Einsatz der Babyklappen aber auch aus rechtlicher Sicht sehr kritisch, denn "es gibt keinerlei juristische Grundlage".

Zudem wisse niemand genau, wie viele Kinder in den Klappen in den vergangenen 20 Jahren abgelegt worden sind, wer sie abgelegt hat und ob es aus freien Stücken passiert ist:

Darüber hinaus hat in Deutschland jeder Mensch das im Grundgesetz verankerte Recht auf eine Identität.
Michael Heuer, Terre des Hommes

Und das steht konträr zum Prinzip Babyklappe: Ein Kind, das anonym dort abgelegt wurde, wird nie erfahren, woher und von wem es stammt, denn die Identität der Mutter bleibt verborgen.

Vertrauliche Geburt als Ausweg für verzweifelte Mütter

Für Claudia Rothenfluh von Pro Familia ist die Babyklappe eine der schlechtesten Formen der anonymen Kindsabgaben. "Es gibt beispielsweise keine rechtsverbindlichen Vorgaben, welche Standards die Klappen einhalten sollten, sondern nur Empfehlungen", erklärt sie.

Besonders kritisch sieht sie, dass die Frauen ihre Kinder ohne medizinische Unterstützung alleine gebären. Die Hebammen-Begleitung bei einer anonymen oder vertraulichen Geburt biete hingegen mehr Möglichkeiten, mit der Schwangeren in Kontakt zu treten. "Hier kann man ein Fenster im Tunnelblick der Betroffenen öffnen und einen neuen Weg durch Hilfsangebote zeigen", fügt Rothenfluh hinzu.

Während des Krankenhausaufenthalts nach der Geburt können sich die Mütter dann überlegen, ob sie die Angebote wie eine Adoption oder den Einzug in eine Mutter-Kind-Einrichtung annehmen. Ungewollte Schwangerschaften sind ein gesamtgesellschaftliches Phänomen - "unabhängig von Bildungsstand, Alter und sozialem Hintergrund der Frauen", erklärt Rothenfluh abschließend. 

Wo es Hilfe gibt

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