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App-Warnungen teils viel zu spät - Die Flut bei Katwarn - und in der Realität

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Die App schickt Leute in die höheren Stockwerke, während die Feuerwehr schon Orte evakuiert: ZDFheute zeichnet die Katwarn-Protokolle der Flutnacht für drei Städte nach.

ie Brücke in dem Dorf im Kreis Ahrweiler ist nach dem Unwetter mit Hochwasser unpassierbar geworden am 15.07.2021
Ahrweiler ist von den Überflutungen schwer getroffen.
Quelle: dpa

Die Jahrhundertflut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat mehr als 160 Menschen das Leben gekostet, Hunderte wurden verletzt. Gleichzeitig wird heftig über Konsequenzen für die Organisation des Katastrophenschutzes in Deutschland diskutiert. Warum haben Warnungen der Meteorologen die Menschen vor Ort zu spät erreicht? Wie hat die Katwarn-App, die vor Katastrophe warnen sollte, funktioniert - und welche konkreten Warnungen hat sie wann ausgesendet?

Sowohl Landkreise und kreisfreie Städte als auch die Bundesländer und der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzen Katwarn, um offizielle Warnmeldungen an die App-Nutzer zu verschicken.

Das Europäische Flutwarnsystem Efas warnte schon am Samstag vor einer extremen Hochwasserlage. Der DWD hatte bereits zwei Tage zuvor für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Alarm geschlagen - er sagte "extreme Unwetter" mit "wiederholten Starkregenfällen" voraus. Vor diesen Regenmengen mit Überschwemmungen und Erdrutschen warnte auch ZDFheute unter anderem am Montag, den 12. Juli. Es galt vielerorts die höchste Alarmstufe.

Die Warn-Apps im Überblick.

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ZDFheute hat vom "Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS", das die Katwarn-App entwickelt hat, die protokollierten Meldungen der Katastrophe zugeschickt bekommen. So konnte für die Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig in Rheinland-Pfalz und Euskirchen in Nordrhein-Westfalen rekonstruiert werden, wie die App vor der Flut warnte - oder auch nicht.

Euskirchen: Katwarn-App meldet "Lebensgefahr"

Schon am Mittwochnachmittag, 14. Juli, treten mehrere Bäche in Euskirchen über die Ufer, in allen Stadtteilen laufen Keller voll, Straßen sind überflutet, berichtet die Euskirchner Feuerwehr:

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Laut Protokoll schreibt Katwarn erst am Abend um 19:15 Uhr: "Gehen Sie bei Überschwemmungsgefahr nicht in Keller oder Tiefgaragen." Auch vor überraschenden Flutwellen und einbrechenden Ufern warnt Katwarn.

Feuerwehr evakuiert - App schickt in höhere Stockwerke

Der Starkregen nimmt erneut zu, lässt die Steinbachtalsperre überlaufen. Um 21:18 Uhr schlägt Katwarn erneut Alarm: "Durch die Überflutungen besteht in Teilen des Kreises Euskirchen akute Lebensgefahr". Die Bevölkerung solle sich "in höhere Etagen ihrer Häuser begeben". Zur selben Zeit evakuiert die Feuerwehr bereits drei außerhalb von Euskirchen gelegene Stadtteile.

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Am frühen Morgen folgt vom Kreis eine dramatische Katwarn-Meldung für die Gemeinde Weilerswist, nördlich von Euskirchen: "Der Füllstand des Überlaufbeckens in Horchheim ist erreicht. Es ist mit großen Wassermengen zu rechnen", heißt es. Menschen in Weilerswist-Horchheim werden gebeten, "Keller unbedingt zu meiden, sich in obere Gebäudebereiche zurückzuziehen und von elektrischen Geräten fernzuhalten".

Nachmittags nutzt der Kreis Euskirchen die Katwarn-App, um gegen Falschmeldungen vorzugehen: "Schenken Sie Gerüchten zu aktuellen Gefahrenlagen keinen Glauben. Es drohen akut weder Talsperrenbrüche, noch werden Krankenhäuser geräumt", heißt es in einer Meldung von 15:54 Uhr.

22.000 Menschen bekommen Warnung im Kreis Ahrweiler

Ortswechsel: der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Katwarn verschickt am Mittwochvormittag um 11:17 Uhr eine konkrete Hochwasserwarnung für die Ahr und ihre Zuflüsse. Die App warnt vor "schnell ansteigenden Wasserständen" mit Überflutungen innerhalb der nächsten 24 Stunden. Weiter heißt es: "Behalten Sie das Wetter- und Abflussgeschehen im Auge. Entfernen Sie wenn möglich Fahrzeuge aus tieferliegenden Bereichen. Achten Sie unbedingt auf Ihre eigene Sicherheit." Rund 22.000 Menschen im Landkreis erhalten diese Warnung aufs Handy.

Nach den Überflutungen hat der Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz den Katastrophenschutz verteidigt. "Unsere Warninfrastruktur hat geklappt im Bund", sagte Schuster im ZDF.

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6 min
Datum:

Bis zum späten Abend schickt Katwarn drei weitere Nachrichten, warnt vor "Sturzfluten" und "Erdrutschen", gibt konkrete Verhaltenstipps: "Gehen Sie bei Überschwemmungsgefahr nicht in Keller und Tiefgaragen, fahren Sie nicht durch überflutete Straßen."

Die Notfall-App "Katwarn". Archivbild

Kritik am Katastrophenschutz - Wenn der Strom fehlt, versagt die Warn-App 

Das Wasser kam, und die Menschen wurden davon überrascht. Die Warnmeldungen kamen oft zu spät oder gar nicht. Die Katastrophenschützer wollen die Warnsysteme jetzt überprüfen.

von Peter Welchering

Warnzone zu klein - zwölf Menschen sterben

Der Pegel der Ahr schwillt schnell immer weiter an. Dann, um 23:09 Uhr, der ultimative Appell des Landkreises Ahrweiler, gesendet über die Katwarn-App: "Aufgrund der starken Regenereignisse sollen die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Bad Bodendorf, die 50 m rechts und 50 m links von der Ahr wohnen, ihre Wohnungen verlassen." Es ist die letzte App-Warnung bis zum nächsten Morgen.

In dieser Nacht ertrinken allein in Sinzig in einer Betreuungseinrichtung für Personen mit geistigen Behinderungen zwölf Menschen. Das "Lebenshilfehaus" in der Pestalozzistraße steht mehr als 250 Meter von der Ahr entfernt.

Hochwasser-Expertin entsetzt - Warum gab es trotz Vorwarnung über 100 Tote? 

"Im Jahr 2021 sollten wir nicht so viele Todesopfer zu beklagen haben", kritisiert die Hochwasser-Expertin Cloke bei ZDFheute. Wo lagen die Versäumnisse beim Katastrophenschutz?

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von Nils Metzger

Dem Autor auf Twitter folgen: @OliverKlein

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