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Mehr Nichtschwimmer wegen Corona : Wenn der Badeausflug das Leben kostet

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Eine Abkühlung im Wasser kann zum Verhängnis werden. Die DLRG fürchtet eine höhere Zahl von Badetoten im Jahresvegleich. Welche Rolle Corona dabei spielt - und wo Gefahren drohen.

Schwimmer im Rhein. Archivbild
Schwimmen im Rhein gilt als extrem gefährlich.
Quelle: dpa

Sommerzeit ist Badezeit. Doch vor allem an unbewachten Gewässern kann eine Erfrischung gefährlich werden. Am 18. Juni sind in Mecklenburg-Vorpommern drei Menschen an einem Tag ertrunken, in der Ostsee waren es zwei. Auch in Duisburg wurden am 22. Juni drei Mädchen von der Strömung im Rhein unter Wasser gerissen.

Die Berichte über Badeunfälle häufen sich - und viele gehen nicht glimpflich aus. Im Jahr 2020 ertranken in Deutschland mindestens 378 Menschen, in diesem Jahr rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sogar mit einem Anstieg der tödlichen Unfälle - auch wegen der Corona-Pandemie.

Welche Rolle spielt Corona dabei?

Die mangelnde Schwimmfertigkeit sei vor allem bei Kindern schon vor der Pandemie dramatisch gewesen, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Doch Corona habe die Situation erheblich verschlechtert:

Ein kompletter Jahrgang konnte gar nicht schwimmen lernen.
Achim Wiese, DLRG-Sprecher

Die Schwimmbäder waren geschlossen, der Schwimmunterricht an den Schulen konnte nicht stattfinden. Auch die DLRG konnte so die Kinder und Jugendlichen nicht entsprechend ausbilden.

Diese Entwicklung habe schon vor der Corona-Krise begonnen, kritisiert der Verband. Rund 25 Prozent aller Grundschulen böten keinen Schwimmunterricht mehr an, weil ihnen kein Bad zur Verfügung stehe. Ausbildende Verbände wie die DRLG selbst hätten Wartelisten von ein bis zwei Jahren für einen Schwimmkurs. Die Folge: Rund jeder zweite Grundschüler sei kein sicherer Schwimmer mehr, so Wiese.

Warum könnte die Zahl der Badeunfälle weiter steigen?

Wegen Corona befürchtet der Verband auch in Zukunft deutlich mehr Probleme. Insbesondere bei Kindern sei die Gefahr eines Badeunfalls hoch, sagt Wiese zu ZDFheute:

Wer im Kindesalter nicht schwimmen lernt, der tut sich schwer, das irgendwann später zu lernen.
Achim Wiese, DLRG

Hinzu kommt: Der Bewegungsmangel während der Pandemie habe die körperliche Fitness beeinträchtigt und beispielsweise die Entstehung von Fettleibigkeit begünstigt. Das sei auch in Zukunft ein Problem - und zwar nicht nur für diejenigen, die schwimmen lernen wollen, sondern für die Gesamtgesellschaft. Und somit auch für die Einsatzkräfte der DLRG selbst.

Die Rettungskräfte müssen - bevor sie in den Einsatz kommen - zeigen, dass sie noch rettungsfähig sind.
Achim Wiese, DLRG

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Welche Orte sind am gefährlichsten?

Vor allem freie Gewässer wie Teiche und Seen bergen Gefahren. Weil vergleichsweise wenige dieser Gewässerstellen von Rettungskräften überwacht werden, sei das Risiko, dort zu ertrinken, deutlich höher als an Küsten oder in Schwimmbädern, erklärt die DLRG. Auch Flüsse seien riskant, weil die Strömung unterschätzt werde.

Wer ist besonders gefährdet?

Kinder sind häufig von Badeunfällen betroffen. Tödliche Unfälle sind hingegen oftmals bei jungen Menschen zu verzeichnen. Im Jahr 2020 waren die größten Risikogruppen nach Alter neben den 21 bis 30-Jährigen aber auch die 36- bis 45-Jährigen. Auch die Personen im Alter von 51 bis 60 sowie die über 70-Jährigen stellen eine Risikogruppe dar.  

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Männer ertrinken laut Statistik deutlich häufiger als Frauen. "Wir sind einfach zu waghalsig, leichtsinnig, übermütig", sagt Wiese.

Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind laut DLRG häufig Unfallopfer. Viele hätten in ihrem Herkunftsland das Schwimmen nicht erlernt, weil es weder zum Schulunterricht noch zur Tradition gehöre. Dennoch wagen demnach vor allem Männer den Schritt ins Wasser, während Frauen eher am Wasserrand blieben.

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Was sind die Hauptgründe für Badeunfälle?

"Das ist auch eine Frage der Aufklärung", sagt Wiese. Viele Eltern würden vermehrt mit ihrem Smartphone am Wasser sitzen, statt ihren Kindern die Baderegeln zu erklären und sie zu beaufsichtigen.

Bei jüngeren Menschen sei neben Leichtsinn und Übermütigkeit auch der Konsum von Alkohol ein entscheidender Grund. Ältere Menschen hingegen würden oft Vorerkrankungen ignorieren - dies habe Auswirkungen auf die notwendige Kondition beim Schwimmen.

Was muss sich ändern, um sicheres Baden zu gewährleisten?

Der Verband fordert eine Sicherstellung der Schwimmausbildung. Es sei dringend notwendig, marode Bäder zu sanieren.

Entscheidend sei aber auch, die Gefahrenlage an den unbeaufsichtigten Badestellen zu entschärfen. Die DLRG sieht die Kommunen in der Pflicht: Statt sich mit einem "Baden-Verboten-Schild" der Verantwortung zu entziehen, müssten die zuständigen Gemeinden eine Badeaufsicht an Orten sicherstellen, die ohnehin regelmäßig von vielen Gästen besucht werden.

Mit Material von ZDF und dpa

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