Sie sind hier:

Bahn will sich wehren - Immer mehr Gewalt im Zug: DB-Personal in Not

Datum:

In Corona-Zeiten gerät das Bahnpersonal durch Maskenverweigerer und Frust-Randalierer oft in Gewalt-Situationen. Das will die Bahn sich künftig nicht mehr gefallen lassen.

Aufkleber mit Piktogramm Maskenpflicht und Aufschrift Mitfahrt nur mit Mund-Nase-Bedeckung erlaubt an der Tür eines abfahrbereiten ICE in Frankfurt am 20.09.2020
Zunehmende Gewalt gegen Bahn-Beschäftigte
Quelle: Imago


Gewalt gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter ist in Deutschland an der Tagesordnung. Im Corona-Jahr 2020 haben sich Bahn-Beschäftigte 2.070 Mal an die Bundespolizei gewandt, weil sie zu Opfern von Übergriffen geworden waren. Das waren 421 Fälle mehr als im Vorjahr, wie die Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linken im Bundestag zeigt.

2019 waren es demnach 1.649 von der Bundespolizei erfasste Gewaltstraftaten. 2018 waren es erst 1.344. Im Jahr 2021 waren es nach den Daten der Bundespolizei allein in den ersten vier Monaten bereits 744 Gewalttaten. Gegen Beschäftigte anderer Bahnunternehmen gab es demnach 2020 443 Übergriffe.

Die Sicht der Bahn

Die Bahn wies dabei besonders auf Konflikte mit Maskengegnern hin. "Einzelne, renitente Maskenmuffel haben den Bahnmitarbeitenden das Leben im vergangenen Jahr schwer gemacht", sagte der Leiter Konzernsicherheit der DB AG, Hans-Hilmar Rischke. "Wir akzeptieren keinerlei Übergriffe gegen das Bahnpersonal und haben eng abgestimmt mit der Bundespolizei dazu aufgefordert, ausnahmslos jeden einzelnen Zwischenfall zur Anzeige zu bringen."

Rund 20.000 Bahnmitarbeiter arbeiten mit Kundenkontakt. Körperliche Übergriffe gibt es immer wieder. Die Bahn nannte nun etwas andere Daten, nach denen Bahnbeschäftigte im Jahr 2020 insgesamt 2.083 Mal im Dienst angegriffen worden seien. Hier seien Anzeigen bei Landespolizeien eingeschlossen. Die Zahl der Übergriffe seien demnach in etwa auf Vorjahresniveau geblieben.

Etwa ein Zehntel der Fälle steht laut Bahn in Zusammenhang mit der Durchsetzung von Abstands- und Hygieneregeln während der Corona-Pandemie.


Polizei-Aufgaben für Schaffner?

"Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn ist vollkommen inakzeptabel." Das sagt die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte. 2020 habe ausweislich der Zahlen der Bundespolizei die Gewaltneigung bei Fahrgästen trotz sinkenden Fahrgastaufkommens zugenommen.

Hunderte Bundespolizisten und Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn kontrollieren heute in ganz Deutschland schwerpunktmäßig die Einhaltung der Maskenpflicht in den Zügen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Den Bahnbeschäftigten wurden mit der Durchsetzung der Maskenpflicht faktisch polizeiliche Aufgaben aufgebürdet!", sagte die Linke-Politikerin. Zimmermann weiter: "Sie tragen damit die Last öffentlicher Aufgaben, während ihnen die Vorteile einer Beschäftigung im Öffentlichen Dienst verwehrt bleiben."

Frust gegen öffentlich Bedienstete

Klagen über Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst nahmen in den vergangenen Jahren zu. Einer 2019 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Beamtenbunds dbb zufolge werden Beschäftigte bei Polizei, Rettungsdienst oder Nahverkehr häufig beschimpft oder angegriffen.

Insgesamt hatten 48 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nach eigenen Angaben bei der Arbeit schon einmal einen Übergriff auf sich erlebt. Beleidigungen kamen dabei am häufigsten vor, bei 89 Prozent der Betroffenen. Es folgen Anschreien (68 Prozent), körperliches Bedrängen (31 Prozent) und Schläge (17 Prozent).

Auch bei der Bahn haben die Probleme schon vor der Pandemie begonnen. Immer wieder entlade sich auch Frust für die Unternehmen in Gewalt gegen Beschäftigte, sagte Zimmermann. "Dabei wäre Solidarität mit den Beschäftigten angebracht." Wo schlechter Service dahinterstecke, seien nicht die Beschäftigten verantwortlich.

Gegenwehr der Bahn

Die Bahn reagiert auf die oft angespannte Stimmung - unter anderem bietet sie Mitarbeitern Deeskalations- und Verhaltenstrainings. Die Bundespolizei werte zudem 8.000 Videokameras auf den Bahnhöfen und 33.000 Kameras in den Innenräume der Züge aus. Die Bahn rüstet auch ein Stück weit auf - versuchsweise auch mit ungewöhnlichen Mitteln.

Aktuell wird der Einsatz von Bodycams getestet - zunächst auf der Maintalbahn. In kritischen Situationen, zur Vorbeugung von Vandalismus oder zur Beweissicherung können Kundenbetreuuer die mitgeführte Kamera aktivieren. Bevor sie auf Aufnahme drücken, müssen sie es mündlich ankündigen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.