Sie sind hier:

Streik der Lokführergewerkschaft - GDL sieht "kein konkretes Angebot" der Bahn

Datum:

Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt nun auch den Personenverkehr der Bahn. Millionen Reisende müssen sich auf massive Einschränkungen vor allem im Fernverkehr einstellen.

Claus Weselsky, Vorsitzender der GDL, weist das Bahn-Angebot einer Corona-Prämie zurück. Diese müsse klar in Zahlen definiert sein. Er fordert mindestens 600 Euro.

Beitragslänge:
7 min
Datum:

Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, hat seine Absage an den Tarifvorschlag der Deutschen Bahn vom Vortag bekräftigt. Die Offerte der Bahn sei "kein konkretes Angebot", sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Um den Streik im Personenverkehr, der seit den frühen Morgenstunden läuft, abzuwenden, hatte die Bahn am Sonntag Verhandlungen über eine von der Gewerkschaft geforderte Corona-Prämie in Aussicht gestellt.

Bis Mittwochfrüh, 2 Uhr, müssen sich Millionen Reisende auf massive Einschränkungen vor allem im Fernverkehr einstellen. Neben den Lokführerinnen und Lokführern sind erneut auch Beschäftigte in der Infrastruktur - etwa in den Stellwerken - aufgerufen, die Arbeit ruhen zu lassen.

Für viele Bahn-Reisende gab es streikbedingt wieder massive Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr. Die Lokführer-Gewerkschaft GdL hatte ein Angebot der Bahn zuvor abgelehnt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Streit um 600 Euro Corona-Prämie

Die Bahn scheiterte am Sonntag mit dem Versuch, den Streik im Personenverkehr noch abzuwenden. Sie erklärte sich bereit, über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten, eine der GDL-Forderungen, zu verhandeln.

Die GDL sah darin jedoch ein "Scheinangebot" und hielt an den Streikplänen fest:

Die GDL ist verhandlungsbereit, aber nur auf der Grundlage eines Angebots, das diesen Namen auch verdient.
Claus Weselsky, GDL

"Man muss doch wenigstens eine Zahl nennen", forderte Weselsky im ZDF. "Ich schicke meine Leute auf die Züge, um anschließend festzustellen, dass das Angebot für eine Corona-Prämie bei Eins ist? Das fällt aus." Die GDL fordert neben 3,2 Prozent mehr Geld unter anderem auch eine Corona-Prämie in Höhe von 600 Euro. Weselsky betonte erneut, dass ein verbessertes Angebot der Deutschen Bahn Voraussetzung für weitere Verhandlungen sei.

Bahn kritisiert GDL-Absage

Bahn-Sprecher Achim Stauß kritisierte am Montagmorgen die Absage der
GDL an das erneute Angebot. "Das zeigt, der GDL geht es um einen politischen Kampf und nicht um eine Lösung am Verhandlungstisch." Die
GDL-Spitze richte Schaden an, "ohne Rücksicht auf die Fahrgäste, ohne Rücksicht auf den Großteil unserer Beschäftigten und ohne Rücksicht auf das Unternehmen DB. Das ist verantwortungslos."

Die Bahn will bis zum Ende der Streikwelle erneut ein Grundangebot von rund einem Viertel der Fernzüge garantieren.

Ein Viertel der Fernzüge im Einsatz

Eine genaue Einschätzung der Auswirkungen sei erst nach dem Betriebsstart am Morgen möglich, teilte die Deutsche Bahn in der Nacht mit. Im Regional- und S-Bahnverkehr wird ein Fahraufkommen von etwa 40 Prozent der Bahnen erwartet.

Das Unternehmen will rund ein Viertel der Fernzüge fahren lassen. Vor allem auf einigen Hauptachsen soll alle zwei Stunden ein Zug fahren. Doch das Angebot werde regional sehr unterschiedlich verteilt sein, hieß es. Zugausfälle und Verspätungen werden zur Regel. Der Konzern geht davon aus, dass sich der Fernverkehr im Laufe des Mittwochs wieder normalisieren wird.

Einschränkungen auch bei Cargozügen

Im Güterverkehr, wo bereits seit Samstag gestreikt wird, erwartet die Bahn im Laufe des Montags zunehmend Beeinträchtigungen und Verspätungen der Cargozüge.

Es ist bereits die zweite Streikwelle im laufenden Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL. Vor rund zwei Wochen hat die Gewerkschaft bereits zwei Tage lang große Teile des Personenverkehrs lahmgelegt.

Streitthema Betriebsrente

GDL-Chef Claus Weselsky erklärte: "Es ist nicht das Ziel der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in Deutschland, den Eisenbahnverkehr lahm zu legen".

Es ist das Ziel, bessere Einkommen zu erreichen, die Kleinstrente zu schützen.
Claus Weselsky, GDL

Die von der GDL geforderte Lohnerhöhung will die Bahn nicht sofort, sondern in zwei Schritten zahlen: 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024.

Offen sind außerdem Fragen zur Betriebsrente sowie zum Einflussbereich der GDL. Denn nicht zuletzt geht es der Gewerkschaft in der Auseinandersetzung auch um den eigenen Einfluss im Konzern, den sie durch das sogenannte Tarifeinheitsgesetz gefährdet sieht.

Pro Bahn fordert Änderung des Tarifeinheitsgesetzes

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat angesichts der Streiks eine Änderung des Tarifeinheitsgesetzes gefordert. "Das bisherige Gesetz kann man in die Tonne treten. Es löst das Problem der konkurrierenden Gewerkschaften nicht", sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann dem RND.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.