Sie sind hier:

Verbraucherschützer warnen - Bambusgeschirr häufig gesundheitsschädlich

Datum:

Laut Experten ist Bambusgeschirr meist gar nicht so natürlich, wie es klingt - und oft sogar gesundheitsschädlich. Verbraucherschützer warnen. Was Sie jetzt wissen müssen.

Ein Mehrwegbecher wird befüllt
Mehrweg- statt Einwegbecher. Viele Verbraucher wollen Müll vermeiden, doch sind Bambusbecher eine sinnvolle Alternative?
Quelle: dpa

Bambusgeschirr gilt als eine gängige Alternative zu Einweggeschirr - doch auch wenn Produkte als Bambusgeschirr beworben werden, handelt es sich meist um Kunststoffprodukte. Das Material eignet sich nicht immer als Geschirr und kann schädlich sein, warnen Verbraucherzentralen.

Der Grund: "Bambooware" enthält oft auch künstliche Substanzen, die laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in gefährlichen Mengen beim Verzehr von Nahrungsmitteln vom Menschen aufgenommen werden können. Derzeit ist völlig unklar, ob die Verbindung aus Bambus und Plastik überhaupt mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen darf.

Bambusgeschirr fällt bei hohen Temperaturen durch

Bambusgeschirr besteht in der Regel aus dem Kunststoff Melamin-Formaldehyd-Harz (MFR) und Bambusfasern, die als Füllstoff zugesetzt werden. Bei Temperaturen über 70 Grad können aus dem Geschirr schädliche Mengen an Melamin und Formaldehyd in die Lebensmittel übergehen und so den Körper schädigen.

Für beide Stoffe gibt es in der EU strenge Höchstmengen. Werden diese überschritten, ist die Konzentration der Substanzen schädlich. Formaldehyd gilt sogar als potenziell krebserregend.

Mehrwegalternativen: Mehr Schein als Sein? Warum auch Mehrwegprodukte für die Tonne sein können. Eine Reportage von Green Steps.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Kritische Richtwerte um ein Vielfaches überschritten

In Einzelfällen seien die kritischen Richtwerte für Erwachsene laut BfR um das 30-fache, für Kleinkinder um das bis zu 120-fache überschritten worden. Die Belastung ist höher als bei herkömmlichem MFR-Geschirr, ganz ohne Naturfasern.

Laut BfR-Präsident Andreas Hensel ist Bambusgeschirr daher "nicht für heiße Flüssigkeiten wie Kaffee, Tee oder Babynahrung geeignet". Auch die Stiftung Warentest testete 2019 Bambusbecher: Sieben von zwölf Bechern gaben im Test unzulässige Mengen an schädlichen Stoffen an das Getränk ab - Note "mangelhaft".

Verbraucherschützer fordert bundesweiten Rückruf

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands kritisiert, dass Geschirr aus Bambus und anderen Pflanzenfasern immer noch verkauft wird.

Es ist ein Skandal, dass der Handel Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin illegales und potenziell krebserregendes Plastik-Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern anbietet.
Klaus Müller, Verbraucherzentrale Bundesverband

Es gebe bisher weder einen bundesweiten Rückruf der betroffenen Produkte noch klare öffentliche Informationen dazu. "Das ist ein Versäumnis, das die Gesundheit der Verbraucher gefährdet", so Müller weiter. Der Bundesverband Verbraucherzentrale fordert ein umfassendes, generelles Verbot der gesamten Produktgruppe.

Hersteller wehrt sich: Verkauf nicht illegal

Derzeit darf Bambus Kunststoffen nicht beigemischt werden, die für den Kontakt mit Lebensmitteln gedacht sind. Das regelt eine entsprechende EU-Verordnung. Unternehmer Hubert F.* stellte mit seiner Firma bis vor kurzem unter anderem Bambusbecher her und verkaufte sie im Netz. Auf Nachfrage von ZDFheute wehrt er sich gegen den Vorwurf, der Verbraucherzentrale, es handle sich um "illegales" Plastikgeschirr.

Bambus stehe zwar nicht auf der EU-Liste der verbotenen Beimischungssubstanzen - Bambus sei "aber auch nicht auf der Negativliste" - also nicht explizit verboten. Unter welche Materialkategorie Bambus falle, sei laut F. "gar nicht so richtig klar".

Ab dem 3. Juli dürfen in Deutschland keine Produkte aus Einweg-Plastik mehr verkauft werden. Dazu gehören z.B. Plastikgeschirr oder Trinkhalme.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Was müssen Verbraucher beachten?

Ob legal oder illegal - eine Gesundheitsgefahr durch Bambusbecher ist unstrittig. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, Produkte, die aus einer Verbindung aus Kunststoff und Bambus oder anderen Naturfasern bestehen, nicht weiter zu benutzen.

Dazu kommt: Bambusgeschirr ist oft nicht so nachhaltig, wie es klingt: Der Kunststoff MFR ist nicht biologisch abbaubar - selbst wenn natürliche Füllstoffe wie Bambus zugesetzt werden. In einer Untersuchung der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) Stuttgart enthielten 35 von 45 getesteten Produkte, die als "Bambusgeschirr" beworben wurden, synthetische Beimischungen.

Wer sich um seine Gesundheit sorgt, sollte genau hinschauen: Produkte aus reinem Bambus wie etwa Schüsseln, Schneidebretter oder Essstäbchen sind nicht betroffen.

* Name von der Redaktion geändert.

Verbraucher | makro - Rohstoffquelle Müll 

Deutschland sieht sich als Vorreiter beim Müllrecycling. Doch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist groß. Dabei stecken im Müll eine Menge wertvoller Rohstoffe.

Videolänge
28 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.