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Nachhaltiger Baustoff? - Holzbau boomt - der Druck auf den Wald wächst

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Höher, schneller, schöner. Bauen mit Holz erreicht neue Dimensionen und bietet viele Vorteile. Doch die Bäume stehen durch den Klimawandel unter Druck. Ist der Wald bald leer?

Das weltweit höchste Holzhaus steht in Norwegen. Der "Mjøsa Tower" ist 85,4 Meter hoch. Die Norweger hoffen auf die Strahlkraft als Vorbild für ökologisches Bauen.

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Holz liegt im Trend. Architekten erschaffen beeindruckende Großbauten aus dem nachwachsenden Rohstoff. Aber auch im Wohnungsbau stieg der Anteil des Holzbaus von 12 Prozent (2000) auf zuletzt über 18 Prozent (2019).

Die Architekten Tom Kaden und Markus Lager sind Pioniere des Holzbaus. "Wir als Büro wollen den Holzbau explizit normal machen. Wir wollen, dass er in der Masse angewendet wird. Zugegeben, wir sind immer noch eine Nische. Aber wir kommen gut in die Höhe. Dabei reden wir über hybride Konstruktionen. Wir sagen nicht, Stahl, Beton und Glas sind schlecht. Wir versuchen, die Vorteile der Materialien miteinander zu mischen. Trotzdem ist der Holzanteil in unseren Konstruktionen zwischen 75 und 95 Prozent", sagt Tom Kaden.

Bauen mit Steinen oder Beton verschlingt Ressourcen, belastet die Umwelt und unsere Gesundheit. Doch es gibt Alternativen: Häuser aus Holz, Lehm oder sogar aus Müll.

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Großprojekte aus Holz - ein neuer Trend

Aus dem Büro Kaden + Lager stammt auch der Entwurf für das größte Holzhaus in Deutschland. Im 34 Meter hohen "Skaio" in Heilbronn befinden sich 60 Wohnungen und Gewerberäume. Bis auf die Treppenhäuser ist das Haus aus Holz. Erfahrungen haben sie zudem mit Kitas und Schulen. Gerade bauen sie ein Universitätsgebäude in Witten-Herdecke.

Nicht viele Firmen haben in Deutschland das Know-how, um Holzteile für Großprojekte zu fertigen. Eine davon ist Züblin Timber. Computergesteuerte Maschinen fertigen hier Großelemente für Achterbahnen, Flughafenterminals oder Universitätsgebäude.

Geringere Bauzeit und weniger Lärm mit Holz

Die Bauzeit wird so enorm verringert. Lärm- und Staubbelastung ebenfalls. Außerdem wird Pfusch am Bau reduziert, da vor Ort nur noch zusammengesetzt wird. Daneben hat der Holzbau ökologische Vorteile - vor allem, weil Holz Kohlenstoff bindet. So beschreibt es Prof. Klaus Richter, Materialforscher an der TU München.

"Das größte Potenzial sehen wir im Mehrfamilienhaus. Da ist die derzeitige Quote noch sehr gering, lässt sich aber entwickeln. Es ist eine effiziente Möglichkeit, Holz in die Infrastruktur zu bringen", erklärt Richter. Das verhindern allerdings veraltete Brandschutzvorschriften.

Richter führt Brandversuche durch und kann Entwarnung geben: Auch mit Holz lässt sich Brandschutz-konform bauen. Jetzt forscht er verstärkt an verschiedenen Laubbaumarten, um sie nutzbar zu machen. Das könnte die Nadelhölzer als Nutzbäume entlasten und bringt neue Möglichkeiten.

Was wäre, wenn sich große Teile unserer Landschaften in einigen Jahrzehnten in öde Brachen und Steppen verwandeln würden?

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Der Wald in der Holzfalle?

Doch kann der Wald genug Material liefern? Tobias Wohlleben von der Waldakademie Wohlleben versteht das große Interesse am Holz. Aber er macht sich Sorgen um den deutschen Baumbestand. Viele Bäume seien an der Belastungsgrenze. Er bemängelt vor allem die Monokulturen der Nutzbäume. Die Fichte, Haupt-Nutzbaum der Holzindustrie, ist durch den Klimawandel gar vom Aussterben bedroht.

Durch einen Boom beim Holzbau könnte sich der Druck auf die Wälder erhöhen. Wohlleben fordert, große Teile der Waldflächen ganz in Ruhe zu lassen. "Am besten wäre eine CO2-Steuer auf Holz. Wer Holz erntet, zahlt eine Abgabe in Höhe des entnommenen Kohlenstoffs. Und wer Wald wachsen lässt, erhält entsprechend Gelder", schlägt Wohlleben vor.

Der Vorteil: Dieses System belastet nicht den Steuerzahler. Sonst wäre es ja eine simple Subvention wie in der Landwirtschaft.
Tobias Wohlleben

Damit könnte auch bei steigendem Interesse am Baustoff Holz die Erholung des Waldes gefördert werden.

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