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Ein Nationalpark erkämpft sich Anerkennung

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Bayerischer Wald wird 50 - Ein Nationalpark erkämpft sich Anerkennung

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Vor 50 Jahren eröffnete der Nationalpark Bayerischer Wald. Der erste Nationalpark Deutschlands hatte viele Gegner - bei Einheimischen, Förstern und Jägern.

Stefan Breit erinnert sich noch ganz genau an die Eröffnung des Nationalparks vor 50 Jahren. Der berühmte Zoologe Bernhard Grzimek war dabei. Der hätte gern Großwild im neuen Nationalpark angesiedelt.

Politprominenz aus der bayerischen Landeshauptstadt war ebenfalls anwesend - und der fünfjährige Stefan, der schon damals seinen Wald liebte: "Ich hab mir gedacht, toll, da kommt jetzt bei uns so eine richtig unberührte Wildnis."

Im Nationalpark Bayerischer Wald darf wachsen und leben, was sich durchsetzt. Mit Blick auf den Klimawandel zeigt sich hier, wie gut die Natur sich selbst erhält – wenn man sie lässt.

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Natur Natur sein lassen

Ohne Eingriff durch Menschen sollte sich der Wald im neugeschaffenen Nationalpark nach und nach in einen Urwald verwandeln. Natur Natur sein lassen, so die Philosophie.

Doch schnell schlug der Parkverwaltung, allen voran Hans Bibelriether, dem ersten Leiter des Nationalparks, harte Kritik entgegen.

Anfangs waren es hauptsächlich Probleme mit der Jägerschaft, die nicht begreifen wollte, dass der Nationalpark kein Hirschrevier ist, in dem man Trophäen züchtet.
Hans Bibelriether

"Später gab es dann vor allem Probleme mit den Sägewerken und den Einheimischen", erinnerte er sich zum 20-jährigen Jubiläum. Sie konnten ihren Wald nicht mehr so nutzen wie gewohnt.

Nur noch Baumskelette durch Borkenkäferbefall

Damals ahnte Hans Bibelriether noch nicht, dass ab Mitte der 1990er Jahre eine noch viel größere Herausforderung auf ihn und die Parkverwaltung warten würde. Durch die Klimaerwärmung verbreitete sich der Borkenkäfer milliardenfach in den Fichtenmonokulturen des Nationalparks.

Durch Trockenheit verursachte Waldschäden

Deutscher Wald in Not -
Die Feinde der Fichten: Dürre und Borkenkäfer
 

Der deutsche Wald ist in keinem sonderlich gutem Zustand. Die Forstwirtschaft setzt auf Bäume, die dem Klimawandel besser standhalten. Doch so ein Waldumbau braucht Zeit.

von Susanne Pohlmann und A. Hottmann (Grafiken)

Tausende Hektar Wald wurden innerhalb kürzester Zeit erst rot, dann braun. Einst grüne Bäume verwandelten sich in graue Baumskelette. Trotzdem entschied die Parkverwaltung: Die toten Bäume bleiben stehen und Bäume, die mehreren heftigen Stürmen zum Opfer gefallen waren, bleiben liegen. Ein idealer Nährboden für den Borkenkäfer.

Die "Waldler" gehen auf die Straße

Die Einheimischen, die "Waldler", wie sie sich selber nennen, waren zutiefst getroffen. Auch Waldliebhaber Stefan Breit.

Wenn man mit so einer Liebe und so 'nem Herz hier aufgewachsen ist und man den Wald liebt und seine Heimat liebt - und dann ist alles plötzlich tot und kaputt – das ist ein Schlag ins Gesicht.
Stefan Breit

Stefan Breit zögerte nicht lange, gründete eine Bürgerinitiative gegen den Nationalpark und wusste sich in bester Gesellschaft: mit besorgten Privatwaldbesitzern, die wussten, dass der Borkenkäfer nicht an den Grenzen des Nationalparks Halt machen würde.

Wenn sich der Mensch weitgehend raushält, kommen einst vertriebene Waldbewohner zurück. Im Bayerischen Wald sind das Luchse, Wölfe, Fischotter und Auerhuhn. Auch Urwaldreliktarten.

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Die Nationalparkerweiterung 1997 liefert Kompromisse

Am 1. August 1997 beschloss die Bayerische Staatsregierung eine Erweiterung des Nationalparks um die doppelte Fläche auf heute mehr als 24.000 Hektar. Doch in diesem neuen Nationalparkgebiet, sollte der Borkenkäfer bis 2027 bekämpft, befallene Bäume also gefällt werden. So der Kompromiss, um den Kritikern entgegen zu kommen.

Aber die erste Freude über diesen vermeintlichen Sieg wich schnell trauriger Nüchternheit - zumindest bei Stefan Breit.

Die sind da mit schweren Maschinen reingegangen und haben den betroffenen Wald kahlgeschlagen. Das war für mich ein Schockerlebnis, weil ich gesehen habe, das sieht aus wie eine Wüste.
Stefan Breit

"Und gleichzeitig konnte ich sehen, wie sich die Natur im Altbereich des Nationalparks entwickelt hat, ohne dass der Mensch eingegriffen hat", erinnert sich Stefan Breit weiter.

Einstige Gegner sind mittlerweile Fans des Nationalparks

Heute ist Stefan Breit versöhnt mit dem Nationalpark. Dort, wo vor 25 Jahren der Borkenkäfer wütete, ist junge, vielfältige Natur nachgewachsen. Totholzstämme sind von sanften Moosteppichen überzogen. Unterschiedlichste Baumpilze haben sich an vielen Stämmen angeheftet.

Vor dreißig Jahren hat der Borkenkäfer für tausende tote Bäume gesorgt. Jetzt stehe ich hier im tiefsten Dschungel.
Stefan Breit

Aus dem ehemaligen Nationalparkgegner ist ein glühender Anhänger geworden, der seine Begeisterung mittlerweile sogar als Waldführer weitergibt.

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