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Was spricht für eine Nitrat-Explosion?

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Katastrophe von Beirut - Was spricht für eine Nitrat-Explosion?

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Unsachgemäß gelagertes Ammoniumnitrat hat wahrscheinlich die Katastrophe von Beirut ausgelöst. Das im Jahr 2013 beschlagnahmte Frachtschiff "Rhosus" könnte der Grund dafür sein.

Bildkombo Beirut: Silos
In diesem Teil des Hafens hat sich die Explosion ereignet. Ein Blick auf das große Getreidesilo vor und nach der Detonation.
Quelle: ZDF/dpa/AP

Vor einem Tag hat die Explosion am Hafen der libanesischen Hauptstadt weite Teile Beiruts zerstört. Was bereits jetzt zu den möglichen Ursachen gesagt werden kann.

Wann und wo fand die Explosion statt?

Am Dienstag, gegen 18 Uhr Ortszeit gab es in den sozialen Medien erste Berichte über ein Feuer am Hafen von Beirut. Dieses am Mittwoch veröffentlichte Video zeigt einen Feuerwehrmann und Hafenmitarbeiter vor dem brennenden Lagerhaus:

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Kurze Zeit darauf, gegen 18:11 Uhr Ortszeit veröffentlichten eine ganze Reihe von Anwohnern Videos einer gewaltigen Explosion auf dem Hafengelände:

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Auf Basis dieser großen Zahl an Videoaufnahmen und den darauf erkennbaren Gebäudedetails wie Fenster und Dach kann man sicher sagen, dass sich das Feuer und die Explosionen in zwei Lagerhäusern direkt am Kai ereignet haben. Ein an diese Lagerhäuser angrenzendes Getreidesilo, ein zentraler Teil der libanesischen Nahrungsreserven, wurde ebenfalls zerstört.

Karte: Beirut - Lagerhäuser
In diesen beiden Lagerhäusern im Hafen von Beirut haben sich die Explosionen ereignet.
Quelle: ZDF/dpa

Was hat die Explosion ausgelöst?

Wichtigstes Indiz für die Frage, was diese Explosionen ausgelöst haben könnte, sind die Aussagen libanesischer Offizieller noch vom Dienstagabend.

Der Generaldirektor der libanesischen Staatssicherheit Abbas Ibrahim sagte gegenüber Reportern bei einer Begehung der Explosionsstelle, dass seit Jahren dort gelagertes "hochexplosives Material" verantwortlich gewesen sein könnte. Innenminister Mohammed Fahmi sprach von mehr als 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat, die seit 2014 in dem "Lagerhaus 12" am Hafen aufbewahrt wurden.

Ammoniumnitrat wird häufig zur Herstellung von Sprengstoffen und Düngemitteln genutzt. Um zu explodieren, benötigt es jedoch externe Hitzezufuhr, etwa durch ein Feuer. Die orangefarbene Wolke über der Stadt weist ebenfalls auf eine Nitrat-Verpuffung hin. Weitere Informationen über die Eigenschaften und den Einsatz von Ammoniumnitrat finden Sie hier:

Archiv: Blaue Säcke mit Ammoniumnitrat in einer Scheune, aufgenommen am 05.02.2010

Hintergrund -
Brisanter Stoff: Ammoniumnitrat
 

Es soll Ammnoniumnitrat gewesen sein, das in Beirut in die Luft flog. Verwendet wird die Chemikalie für Dünger, aber auch für Sprengsätze. Ein brisanter Stoff.

In den sozialen Medien kursiert seit Dienstag ein Foto, das Bauarbeiten an jenem Hafengebäude zeigen soll. Wann das Foto aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. Ein Zusammenhang zwischen möglichen Bauarbeiten und der Explosion ist bislang nicht belegt. Durch die geöffneten Türen sind große Säcke mit dem Aufdruck "Nitroprill" zu sehen, ein Hinweis auf enthaltene Nitrate.

Bildkombo Beirut: Türen
Das linke Foto soll zeigen, dass in dem Lagerhaus vor der Explosion Säcke mit Ammoniumnitral gelagert wurden. Rechts ist eine Tür am vermutlich gleichen Gebäude kurz vor der Explosion zu sehen.

Woher kommen diese Nitrat-Mengen am Hafen?

Ob es sich dabei um die gleichen, von Offiziellen angesprochenen Nitrat-Vorräte handelt, ist noch nicht klar. Weitere Hinweise legen jedoch einen Zusammenhang nahe:

Eine Fachkanzlei für Seerecht berichtete über ein Frachtschiff namens "Rhosus", das aus Georgien kommend im November 2013 im Hafen von Beirut beschlagnahmt wurde, nachdem es eine Sicherheitsüberprüfung nicht bestanden haben soll. Ein weiteres Schiff-Fachportal machte im Juli 2014 auf den Vorfall aufmerksam. Die Besatzung der Rhosus war über Monate auf dem untüchtigen Schiff gefangen, wie der Kapitän in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem US-Auslandssender Radio Liberty sagte.

Sämtliche Berichte weisen auf den gefährlichen Charakter der Ladung hin: 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat. "Mit Blick auf das Risiko, das Ammoniumnitrat weiter an Bord zu belassen, entluden die Hafenbehörden die Fracht in ein Lagerhaus des Hafens", heißt es in dem Anwaltsbericht. Schiff und Fracht sollten bis zu einer Versteigerung im Hafen verbleiben.

Der Gerichtsbeschluss vom 27.06.2014 zur Entladung der Rhosus:

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Der Libanon steckt bereits länger in einer schweren Wirtschaftskrise. Verschärfend hinzu kam die Corona-Pandemie. Nun erschüttert auch noch die Explosionskatastrophe in Beirut das Land.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Warum blieb das Ammoniumnitrat über Jahre hinweg im Hafen?

Dass anschließend nichts mit der Fracht geschah, könnte an der Untätigkeit einzelner Behörden gelegen haben. Der Fernsehsender Aljazeera berichtete über mindestens fünf Schreiben von Zolldirektor Shafik Merhi an ein zuständiges Gericht zwischen 2014 und 2017. Sie sollen unbeantwortet geblieben sein.

Auszug aus einem der Briefe der Zollbehörde: "In Anbetracht der erheblichen Gefahr, diese Güter in ungeeigneten klimatischen Bedingungen im Lagerhaus aufzubewahren, betonen wir erneut unsere Bitte, die Marineagentur aufzuforden, diese Güter sofort zu re-exportieren, um die Sicherheit des Hafens und seiner Mitarbeiter zu wahren."

Die Spur des Ammoniumnitrats verliert sich bislang im Dezember 2017, als ein Mitarbeiter des libanesischen Zolls zuletzt bei dem Gericht anmahnte, endlich eine Entscheidung über den Endverbleib der Fracht zu treffen - abermals unter Verweis auf die Gefährlichkeit des Ammoniumnitrats.

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Aus welchem Grund in all den Jahren nichts gegen die Gefahr getan wurde und wer für diese Versäumnisse politisch zur Verantwortung gezogen werden muss, ist noch unklar. Schon jetzt machen aber viele Libanesen in den sozialen Medien klar, dass sie den Behörden diese Nachlässigkeit nicht durchgehen lassen möchten.

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