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Katastrophe im Hafen von Beirut - Nach Explosion: Richter mit mächtigen Feinden

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Viele Politiker scheinen kein Interesse an einer Aufklärung der Explosion von Beirut zu haben. Untersuchungsrichter Bitar jedenfalls hat sich mächtige Feinde gemacht.

Ein Plakat mit einem Bild des Richters Tarek Bitar, der die tödliche Hafenexplosion vom letzten Jahr untersucht, aufgenommen am 14.10.2021
Ein Plakat mit einem Bild von Tarek Bitar. Der Richter ist nicht bei allen im Libanon beliebt.
Quelle: picture alliance / newscom | Jamal Eddine/

Seit acht Monaten untersucht Richter Tarek Bitar, wer für die verheerende Explosion im Hafen Beiruts verantwortlich ist - still, mit nur vier Assistenten an seiner Seite und einer Reihe mächtiger Gegenspieler, die ihn stoppen wollen.

Für viele Menschen im Libanon sind die Ermittlungen die einzige Hoffnung, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt und die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber für die politische Klasse im Land ist der hartnäckige 47-Jährige zu einem Albtraum geworden. Politiker schlossen sich zusammen, um seine Absetzung zu erreichen.

Ammoniumnitrat lagerte jahrelang im Hafen von Beirut

Bitar schreckte nicht davor zurück, ein Dutzend hochrangige frühere und gegenwärtige Regierungsbeamte vorzuladen, manche von ihnen unter dem Vorwurf krimineller Fahrlässigkeit und Tötung. Er erließ Haftbefehle gegen zwei ehemalige Minister, die sich weigerten, vor ihm zu erscheinen.

Ein Mann hält die libanesische Flagge vor den zerstörten Gebäuden nach der Explosion am Hafen, aufgenommen am 07.08.2020 in Beirut

Katastrophe in Beirut - Zerrissener Libanon: Die wichtigsten Akteure 

Die Explosionskatastrophe verschärft die Krise im Libanon - und eine neue Protestbewegung könnte das politische System ins Wanken bringen. Die politischen Akteure: ein Überblick.

Am 4. August 2020 waren im Hafen Hunderte Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die dort seit Jahren unsicher lagerten - anscheinend mit Wissen ranghoher Politiker und Sicherheitsbeamter, die nichts dagegen unternahmen. Mehr als 215 Menschen wurden getötet, 6.000 verletzt und Teile der Stadt zerstört.

Keine politische Verbindung und Vetternwirtschaft

Fast alles andere ist auch mehr als ein Jahr nach Einleitung gerichtlicher Untersuchungen weiter unbekannt - sei es, wer die Lagerung der Chemikalien im Hafen anordnete oder warum Regierungsbeamte wiederholte Warnungen vor den Gefahren ignorierten.

Aber der eher zurückhaltende Bitar - es gibt nur ein paar öffentliche Bilder von ihm - hat das Vertrauen vieler Libanesen gewonnen, auch Angehörige der Opfer halten viel von ihm.

Bei einer Explosion im Hafen von Beirut wurden nach offiziellen Angaben mindestens 100 Menschen getötet, mehr als 4000 verletzt. Hundertausende sind durch die Schäden obdachlos.

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Proteste gegen Bitar enden in Gewalt

Bitar ist der zweite Richter, der mit der Leitung der Ermittlungen betraut wurde. Seit er die Aufgabe im vergangenen Februar übernahm, wurden ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zuerst versteckten sich verdächtigte Offizielle unter dem Mantel parlamentarischer oder beruflicher Immunität.

Sie beschuldigten Bitar, sich bestimmte Leute herauszupicken. Dann verklagten sie ihn, versuchten ihn zu diskreditieren, sagten, er sei voreingenommen und mit ausländischen Mächten verbündet.

Rettungs- und Sicherheitskräfte in Beirut

Demonstrationen in Beirut - Tote und viele Verletzte im Libanon 

Bei Protesten gegen den Richter im Fall um die Explosion im Beiruter Hafen ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden mindestens sechs Menschen getötet.

Im Oktober kam dann schließlich der Ruf, Bitar zu feuern, vom Chef der militanten Hisbollah, Hassan Nasrallah. Eine Anti-Bitar-Demonstration von Hisbollah-Gefolgsleuten und der verbündeten Schiiten-Gruppe Amal, angeführt von Parlamentspräsident Nabih Berri, artete in schlimme Gewalt aus. Es folgten Anschuldigungen, dass Bitar eine Bedrohung für den sozialen Frieden sei.

Richter Bitar macht weiter

Der Untersuchungsrichter Bitar ist ein wirkliches Problem im Libanon geworden. Seinetwegen hatten wir fast einen größeren Konflikt.
Hisbollah-Vize Naim Kassim

Die Aussage vom Samstag ist der wohl bislang deutlichste Versuch, Bitar mit inneren Unruhen im Libanon Verbindung zu bringen.

Die neue Regierung von Ministerpräsident Nadschib Mikati ist bereits in der Frage festgefahren, wie sie auf die Rufe nach Bitars Ablösung reagieren soll. Der Richter selbst hat nicht nachgegeben, neue Vorladungen an ranghohe Offizielle verschickt. Er hat jetzt Leibwächter zu seinem Schutz. 

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