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Interview

Geflüchtete Ukrainer : Worauf es bei der Hilfe jetzt ankommt

Datum:

In ganz Deutschland kommen täglich mehrere Tausend Flüchtende an. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen helfen. Was wird jetzt gebraucht und worauf sollten Ehrenamtliche achten?

Ein riesiges provisorisches Banner, auf dem die Worte "Bus", "Food" und ein Haus zu sehen sind, hängt im Hauptbahnhof, um Flüchtlingen den Weg zu weisen.
Transport, Essen und ein Dach über dem Kopf - die Menschen, die auf ihrer Flucht aus der Ukraine Berlin erreichen, brauchen zunächst Orientierung .
Quelle: dpa

Im Schnitt kommen derzeit Tausende Menschen aus der Ukraine täglich am Berliner Hauptbahnhof an. Die Solidarität mit den Geflüchteten ist groß, viele Helfer*innen möchten sie unterstützen. Barbara Breuer von der Berliner Stadtmission erklärt, was derzeit am meisten gebraucht wird und worauf Helfer*innen achten sollten.

ZDFheute: Jeden Tag kommen Flüchtende aus der Ukraine in Deutschland an. Wie geht es den Menschen?

Barbara Breuer: Die Verfassung der Menschen ist sehr unterschiedlich – fast alle sind sehr erschöpft. Man sieht ihnen den Stress und die Strapazen der vergangenen Tage an.

Putins Angriff auf die Ukraine hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Auch nach Deutschland. Eine Welle von Hilfsbereitschaft und Empathie geht durchs Land.

Beitragslänge:
30 min
Datum:

ZDFheute: Was brauchen sie, wenn sie hier ankommen, als erstes?

Breuer: Orientierung und Betreuung. Im Willkommenszelt vor dem Hauptbahnhof, das die Berliner Stadtmission betreibt und die Stadt Berlin finanziert, können die erschöpften Geflüchteten erst einmal zur Ruhe kommen.

Berliner Stadtmission
Jens-Martin Krieg koordiniert das Willkommenszelt der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof.
Quelle: Berliner Stadtmission

Ehrenamtliche Helfer*innen verteilen Essen und Getränke, es gibt die Möglichkeit, Babys zu wickeln, erkrankte, verletzte oder gebrechliche Menschen werden medizinisch versorgt und Kinder können in einer Spielecke malen oder herumtollen.

Anschließend werden die Geflüchteten zu Bussen geleitet. Die fahren sie in Unterkünfte oder nach Berlin-Reinickendorf zur zentralen Ankunftsstelle. 

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ZDFheute: Wie können Ehrenamtliche derzeit unterstützen?

Breuer: Bundesweit würde ich willigen Helfer*innen empfehlen, sich an Hilfsorganisationen in ihrer Nachbarschaft zu wenden oder bei Kirchengemeinden Unterstützungsmöglichkeiten zu erfragen. 

ZDFheute: Machen Sachspenden Sinn, und wenn ja, welche?

Breuer: Jeden Tag bringen uns Menschen Spenden. Wer etwas geben möchte, sollte sich bitte vorher informieren, welche Spenden aktuell benötigt werden. So erhalten Hilfsorganisationen zurzeit tonnenweise gespendete Anziehsachen, die aber jetzt gerade nicht gebraucht werden.

Auf der anderen Seite bitten Einrichtungen für Geflüchtete um ganz unterschiedliche Dinge wie frisches Obst, Windeln, SIM-Karten oder Handyladekabel.

Am besten erst nachfragen, dann spenden. Wer sich unsicher ist, kann Geld spenden.

ZDFheute: Wie kann man Geflüchteten Unterkünfte anbieten?

Breuer: Wir als Berliner Stadtmission bieten keine Privatunterkünfte an, sondern von uns organisierte Unterkünfte für Geflüchtete. Es gibt Vermittlungsbörsen im Internet, die Menschen, die eine Wohnung oder ein Zimmer suchen, mit jenen zusammenbringen, die diese anbieten.

Über die Initiative "Every Bed Helps" haben einige Ukrainerinnen in Berlin eine Unterkunft gefunden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDFheute: Was kommt auf Menschen zu, die Flüchtende bei sich zuhause aufnehmen möchte?

Breuer: Wer jemanden bei sich Zuhause aufnimmt, sollte vorher klar kommunizieren, wie lange und für wie viele Personen eine Unterbringung möglich ist. Es gibt Geflüchtete, die nur ein Quartier für eine Nacht suchen, weil sie am nächsten Tag von Verwandten oder Freunden abgeholt werden.

Andere Menschen wissen noch nicht, wie es weitergehen soll und wie ihre Zukunft aussehen wird. Sie bleiben unter Umständen länger.    

Mathilde Langendorf von Caritas Deutschland erklärt hier, worauf Sie achten sollten, wenn Sie Menschen bei sich zuhause aufnehmen möchten.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

ZDFheute: Worauf sollten Helfende bei ihrem Engagement achten?

Breuer: Wir sind sehr überwältig und froh, über die große Hilfsbereitschaft der Menschen. Trotzdem wollen wir alle Helfer*innen davor warnen, an ihre Grenzen zu gehen.

Nur ein ausgeruhter Helfer, dem es gut geht, kann andere unterstützen.

Helfende sollten sich nicht selbst überfordern. Wer jeden Tag 24 Stunden hilft, bricht am Ende selbst zusammen. Deshalb sollten Helfer*innen sich jeden Tag vorher überlegen, wie lange sie helfen wollen und können. Und diese Zeit auch unbedingt einhalten.

Dabei sollten sie auch auf jeden Fall Pausen machen. Sie sollten ausreichend essen und trinken. Wer anschließend nach einem Hilfseinsatz nach Hause kommt, sollte sich ausruhen und Abstand zum Thema gewinnen.

Berliner Stadtmission
Ehrenamtliche engagieren sich bei der Essensausgabe der Berliner Stadtmission
Quelle: Berliner Stadtmission

Sich anschließend noch die ganze Nacht Schreckensbilder vom Krieg im TV anzusehen, ist keine gute Idee. Stattdessen ist es besser, sich bei einem Tee oder einem Kakao mit Vertrauenspersonen über das Erlebte auszutauschen.

Wer Schlimmes erlebt hat, sollte versuchen, das mit Hilfe von Seelsorger*innen zu verarbeiten. Diese arbeiten telefonisch oder auch in Kirchengemeinden und bei diakonischen Trägern.  

ZDFheute: Wo kommt Ehrenamt an Grenzen?

Breuer: Ehrenamt kann am Anfang einer Krise eine sehr gute Möglichkeit sein, um ganz unbürokratisch schnell Hilfe zu leisten. Als langfristige Lösung eignet es sich nicht. Denn auch die Helfenden haben ein Leben, Jobs, Familien, um die sie sich kümmern müssen.

Auch in der derzeitigen Lage greifen jetzt allmählich professionelle Strukturen, um den hilfsbedürftigen Menschen bestmöglich zu helfen und die Ehrenamtlichen zu entlasten.

Wenn die Strukturen funktionieren, können sich Freiwillige wieder einbringen. Dann ist auch die Gefahr nicht mehr so groß, schnell  auszubrennen.

Die Fragen stellte Susanne Gindorf-Litz aus der ZDFheute-Redaktion.

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