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Berlinale-Eröffnung - "Fragen aufwerfen - und unterhalten"

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Ein Kino, das wichtige Themen unserer Zeit aufgreift: Das wollen die Macher der Berlinale. Seit heute laufen die Filmfestspiele zum 70. Mal - mit reichlich Star-Power.

Arbeiter rollen den Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz am 18.02.2020 in Berlin
Der Rote Teppich liegt bereit: Auftakt der 70. Berlinale
Quelle: epa

Es ist ein rundes Jubiläum, das vor allem auch durch einen Wechsel an der Spitze des Filmfestivals geprägt wird: 18 Jahre lang leitete Dieter Kosslick die Berlinale, das Zepter hat er weitergegeben. Die Berlinale führt jetzt eine Doppelspitze: Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der künstlerische Leiter Carlo Chatrian. Chatrian leitete vorher die Filmfestspiele in Locarno. Sein Wettbewerb wird mit Spannung erwartet. "Ich denke, wir zeigen mit unserer Filmauswahl im Wettbewerb die Vielfalt des Kinos", sagt Chatrian. "Ein Kino, das die wichtigen Themen unserer Zeit aufgreift. Wir wollen Fragen aufwerfen. Und natürlich auch unterhalten."

18 Filme sind es im Wettbewerb, Präsident der Internationalen Jury ist der britische Oscar-Preisträger Jeremy Irons. Weitere große Namen haben sich zur 70. Berlinale angesagt: Willem Dafoe wird kommen, Charakterdarsteller und Träger des Goldenen Ehrenbären 2018. Im Wettbewerbs-Film "Siberia" verkörpert er einen gebrochenen Mann, der vor der Welt in eine Höhle flieht, um sich selbst zu finden. Und Javier Bardem, bekannt aus Produktionen wie "James Bond 007 - Skyfall" oder "mother!". Neben Elle Fanning und Salma Hayek spielt er im Film "The Roads Not Taken" einen Mann, der verschiedene Visionen eines möglichen anderen Lebens durchlebt.

Viel Berlin zum Jubiläum

Gleich drei Filme mit Berlin-Bezug gehen im 70. Jubiläumsjahr ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären. "Wir sind sehr glücklich, denn wir wollten Berlin ins Zentrum rücken, es ist ja auch eine Jubiläumsausgabe der Berlinale", sagt Chatrian.

Mariette Rissenbeek (r.) und  Carlo Chatrian am 11.02.2020 in Berlin
"Ein Kino, das die wichtigen Themen unserer Zeit aufgreift" - Carlo Chatrian, Mariette Rissenbeek
Quelle: dpa

So finden sich Werke wie Burhan Qurbanis "Berlin Alexanderplatz" im Programm, eine Neuinterpretation des gleichnamigen Romanklassikers von Alfred Döblin. Die Geschichte eines afrikanischen Geflüchteten, der in Berlin eine neue Zukunft und Liebe findet, dabei aber auch auf Widersacher stößt. "Schwesterlein" mit Nina Hoss und Lars Eidinger in den Hauptrollen erzählt die Geschichte der in der Schweiz lebenden ehemaligen Theaterautorin Lisa. Als ihr Zwillingsbruder Sven an Leukämie erkrankt, kehrt sie in die Hauptstadt zurück, um Starschauspieler Sven neue Kraft zu spenden. Die Liebeserzählung der Berliner Museumsführerin "Undine" bringt Regisseur Christian Petzold als modernes Märchen mit Paula Beer und Franz Rogowski ins Kino.

Rückblick: Berlinale als Schaufenster des freien Westens

Zum 70. Jubiläum wird auch zurückgeblickt. Der Startschuss für die erste Berlinale fällt am 6. Juni 1951. Große Namen wie Romy Schneider, Sophia Loren, Hans Albers und Gary Cooper bringen in den 50er-Jahren den Glanz Hollywoods nach Berlin. "Berlin stand Kopf. Anders kann man das gar nicht sagen", erinnert sich der Filmhistoriker Wolfgang Jacobsen. "Die Bevölkerung war ja ausgehungert nach Internationalität. Sie wollte diese Stars zum Anfassen haben." Die Berlinale soll das Schaufenster des freien Westens sein, und in den Osten strahlen.

"Es war schon auch ein demonstrativer Akt zu sagen: In diese Stadt schicken wir die Stars. Die Filmstars, auch die Amerikaner, die Franzosen, die Italiener", sagt Rainer Rother, Leiter der Deutschen Kinemathek und der Retrospektive der Berlinale. "Wir demonstrieren somit eine Art Souveränität, die auch symbolischen Gehalt hat. So war die Idee."

Carlo Chatrian über über das 70. Jubliäum, Netflix und das Kino: Der neue künstlerische Leiter der Berlinale im Kulturzeit-Gespräch.

Beitragslänge:
6 min
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Erster Festivalleiter war Funktionär der NS-Filmindustrie

Aber es liegen auch Schatten auf der Jubiläumsausgabe. Anfang des Jahres wird bekannt: Der erste Festivalleiter der Berlinale, Alfred Bauer, war nicht nur NSDAP- und SA-Mitglied, sondern Funktionär in der NS-Filmindustrie. Welche Rolle er genau im Nazi-Regime spielte, soll jetzt ein von der Berlinale in Auftrag gegebenes historisches Gutachten klären. "Wir werden dann überlegen, was das für das Festival bedeutet", sagt Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek. Die erste Reaktion: Der nach Bauer benannte Preis wird ausgesetzt und durch einen Spezialpreis der Jury zur 70. Berlinale ersetzt.

Die Berlinale war auch immer ein Spiegel der Geschichte der beiden deutschen Staaten, des Ost-West-Konfliktes und später, nach der Wende, der neuen multipolaren Weltordnung mit all ihren Herausforderungen. Das größte Publikumsfestival der Welt ist bis heute ein politisches Filmfest geblieben.

Weaver, Depp, Benigni, Clinton ...

Eröffnet wurde die 70. Berlinale von "Alien"-Ripley Sigourney Weaver als Literaturagentin in "My Salinger Year", zusammen mit Margaret Qualley und Douglas Booth - der Film läuft in der Sektion Berlinale Special. Johnny Depp spielt in "Minamata" einen Kriegsfotografen und wird am Freitag Abend auf dem Roten Teppich des Friedrichstadtpalastes erwartet.

Roberto Benigni schlüpft für die neue Realverfilmung um die zum Leben erwachende Holzpuppe "Pinocchio" in die Rolle des Tischlers Gepetto. Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") stellt sich als französischer Polizist in "Police" einem moralischen Dilemma um einen illegalen Einwanderer. Die ehemaligen First Lady Hillary Clinton kommt mit einem Dokumentarfilm über ihr Leben nach Berlin. Der Goldene Ehrenbär geht in diesem Jahr an die britische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Helen Mirren für ihr Lebenswerk verliehen.

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