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Ohne Privatversicherung könnten Kassenbeiträge sinken

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Bertelsmann-Studie - Ohne Privatversicherung könnten Kassenbeiträge sinken

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Wenn alle Bürger gesetzlich versichert wären, könnten die Beiträge sinken. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung und fordert das Ende des dualen Systems.

Patient gibt seine Gesundheitskarte an behandelnden Arzt
Patient gibt dem behandelndenn Arzt seine Gesundheitskarte
Quelle: imago/MITO

Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem ein duales System der Krankenversicherung besteht: 2019 waren 8,74 Millionen Bundesbürger privat versichert, die Gesetzlichen Krankenkassen hatten 73 Millionen Mitglieder. Seit Jahren steht dieses System in der Kritik. Geht es nach Grünen, SPD und der Linken soll so schnell wie möglich eine einheitliche Bürgerversicherung eingeführt werden.

Einheitliche Krankenversicherung würde Geld sparen

Schützenhilfe erhielten diese Forderungen am Montag durch eine Studie des Berliner Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Wenn alle Bürger gesetzlich versichert wären, könnten die Beiträge der Studie zufolge sinken.

Beziehe man die finanziell leistungsstärkeren Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung ein, könnten jedes aktuell in der GKV versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber zusammen im Schnitt 145 Euro pro Jahr sparen. Würde man die Verluste bei den Arzthonoraren kompensieren, wären es immer noch 48 Euro im Jahr.

Laut der Untersuchung verdienen Privatversicherte - Gutverdiener, Beamte, einkommensstarke Selbstständige - durchschnittlich 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte. Sie seien aufgrund ihrer Lebenssituation auch tendenziell gesünder. Wären sie in der GKV, käme diese auf einen jährlichen Nettofinanzüberschuss von 8,7 bis 10,6 Milliarden Euro, berechnet die Studie. Der Beitragssatz könnte dann um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte sinken.

Soziale Gründe für Ende der "Zwei-Klassen-Medizin"

Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, [...] kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen.
Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung

Laut der Studie gibt es nicht nur finanzielle Gründe für ein Ende des dualen Systems. Vor allem sprechen nach Ansicht der Autoren Gerechtigkeitsargumente gegen die Trennung von Gesetzlicher (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV). "Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen", betont Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Die Studie ergibt zugleich, dass das duale System vermutlich auch zu Fehlanreizen in der Versorgungslandschaft führt. Am Beispiel Bayern zeigt sich: Wo mehr PKV-Versicherte wohnen, gibt es auch mehr niedergelassene Ärzte. Umgekehrt sind andere Gebiete unterversorgt.

Private Krankenversicherung abschaffen?

Zugleich ist klar, dass sich die bestehende Struktur nur schrittweise umbauen lässt. Zunächst müssten beide Systeme angenähert werden - etwa durch einen Risikoausgleich zwischen GKV und PKV und die Einführung eines beihilfefähigen Tarifs in der GKV, um gesetzlich versicherte Beamte vor dem Verlust des Beihilfeanspruchs zu bewahren.

Auch müsse der Wechsel von der PKV in die GKV unter Mitnahme der Alterungsrückstellung ermöglicht werden. Ziel ist aus Sicht der Stiftung eine für alle Bürger verpflichtende Kranken- und Pflegeversicherung. Die Beiträge sollten sich an der finanziellen Leistungsfähigkeit, nicht am individuellen Gesundheitsrisiko orientieren. Und medizinische Leistungen sollten gleich vergütet werden - unabhängig davon, bei welchem Anbieter der Patient versichert ist.

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