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Autorennen mit tödlichem Ausgang - BGH zu Ku'damm-Rasern: War es Mord?

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2016 liefern sich zwei Männer in Berlin ein Autorennen - ein Unbeteiligter stirbt. Hat das Urteil wegen Mordes gegen die beiden Raser vor dem BGH diesmal Bestand?

Die gesperrte Tauentzienstraße am 01.02.2016 in Berlin nach einem illegalen Autorennen.
BGH urteilt über Mordvorwurf gegen Ku'damm-Raser.
Quelle: dpa

Es ist der 1. Februar 2016, als sich in Berlin ein Autorennen mitten in der Innenstadt abspielt – mit verhängnisvollem Ausgang. Zwei damals 24 und 26 Jahre alte Männer, Hamdi H. und Marvin N., begegnen sich in ihren getunten Autos an einer Ampel. Kurze Blickkontakte, kleine zustimmende Gesten und es ist klar - beide wollen zeigen, was ihre Autos so hergeben.

Mit bis zu 170 Stundenkilometern durch die Innenstadt

Nebeneinander rasen sie mit Geschwindigkeiten mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde vom Adenauerplatz durch die Stadt, überqueren elf Kreuzungen mit mehreren roten Ampeln. An der Kreuzung Tauentzienstraße wird ein Pkw, der bei Grün losgefahren ist, vom Auto von Hamdi H. erfasst.

Der Fahrer, Michael W., erliegt noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Für seinen Sohn, der als Nebenkläger in diesem Strafprozess auftritt, ist es Mord. So sieht es auch die Staatsanwaltschaft, die Anklage erhebt. In einem ersten Urteil kommt das Landgericht Berlin zu dem Ergebnis: Es ist Mord - beide Angeklagten werden zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Erste Revision erfolglos

Doch ihre Verteidiger legen Revision ein. 2018 hebt der Bundesgerichtshof (BGH) beide Mordurteile auf - wegen gravierender Rechtsfehler. Die Neuauflage des Prozesses vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts Berlin 2019 ergibt aber wieder einen Schuldspruch für beide wegen Mordes.

Sie haben mit dem Leben anderer Menschen gespielt.
Matthias Schertz, Vorsitzender Richter

sagt der Vorsitzende Richter Matthias Schertz damals in seiner Urteilsbegründung zu den beiden Angeklagten. Und wieder gehen die Verurteilten in Revision.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

Schwierig ist aber im Strafgesetzbuch bei Mord der konkrete Nachweis. Eine Verurteilung ist dann möglich, wenn der Raser sich zu Beginn seiner Fahrt vornimmt, Menschen zu töten - direkter Vorsatz. Oder wenn er zumindest in Kauf nimmt, dass jemand zu Tode kommen könnte, er die Bedenken aber bewusst zur Seite schiebt und trotzdem rast. Das ist der sogenannte bedingte Vorsatz - auch hier ist eine Verurteilung wegen Mordes möglich.

Aber: Liegt weder das eine noch das andere vor, dann bleibt rechtlich nur eine Tatbegehung durch Fahrlässigkeit. Und dann scheidet Mord aus.

Illegale Straßenrennen nehmen zu, die Opferzahlen steigen. "37 Grad" taucht in die Tuningszene ein, begleitet Polizisten bei nächtlichen Kontrollen und zeigt die schweren Folgen der Raserei.

Beitragslänge:
28 min
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Viele Fragen des Gerichts bei mündlicher Verhandlung

Die Schwierigkeiten des Berliner Falls jetzt seien, dass man nicht in die Köpfe der Angeklagten schauen könne. So brachte es die Vorsitzende des zuständigen 4. Strafsenats des BGH, Beate Sost-Scheible, bei der mündlichen Verhandlung im April auf den Punkt. Haben sie sich vorgestellt, dass da mitten in der Nacht ein Auto aus einer Seitenstraße kommen könnte? Oder war das Gewinnen dieses Rennens wichtiger als das Leben anderer Verkehrsteilnehmer?

Mord setzt Vorsatz voraus, nicht Fahrlässigkeit. Stand dem Haupttäter, also dem Raser, der den Jeep rammte, wirklich klar vor Augen, wie sich ein Unfall abspielen könnte - und dass es am Ende für ihn, dank der Airbags, vergleichsweise glimpflich ausgehend könnte?

Nur einer von zwei Beteiligten wegen Mordes angeklagt

Und was ist mit dem anderen Raser, der nicht selbst den Jeep gerammt hat - kann auch er ein Mörder sein? Der Strafsenat hat viele kritische Fragen gestellt. Am Ende hat die Bundesanwaltschaft, die die Anklage vor dem BGH vertritt, nur im Fall von Hamdi H. eine Verurteilung wegen Mordes gefordert.

Der Senat hat sich fast zwei Monate Zeit für sein mit Spannung erwartetes Urteil gelassen - um 10 Uhr wird es verkündet.

Christoph Schneider ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht & Justiz.

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