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Mähfreier Mai - Ein Plädoyer (nicht nur) fürs Bienchen

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Es könnte so einfach sein mit den Bienen und den Blüten, wenn wir sie doch nur machen lassen würden. Genau darum geht es gerade im "mähfreien Mai" - und eigentlich das ganze Jahr.

Bienen
Der mähfreie Mai soll für mehr Nahrung für Bienen und Co. sorgen.
Quelle: dpa

Könnten wir mit Bienen reden - wenigstens einmal ganz kurz, zum Beispiel heute am Weltbienentag - und hätten sie dann einen Wunsch frei, so würden sie sich vielleicht einfach mehr Blüten wünschen. Vielleicht würden sie uns auch von ihren Nöten erzählen und davon, dass sie viele ihrer Artgenossen schmerzlich vermissen. Weil sie für immer verschwunden sind.

Die einen nennen es Bienensterben, die anderen reden vom Insektensterben. Weder die Honigbiene, die bei uns ja bestens gepflegt wird, noch die Stechmücke ist damit gemeint. Aber dem ganzen Rest im Insektenreich geht es gerade tatsächlich nicht besonders gut. Die Artenvielfalt schrumpft, die Gesamtzahl an Insekten auch.

In Deutschland gibt es 561 aktuell bekannte Bienenarten. Davon ist rund die Hälfte bedroht oder bereits verschwunden.
Sara Diana Leonhardt, TU München

Auch Tagfalter und Schwebfliegen bedroht

Aber nicht nur den Wildbienen macht unser Umgang mit der Umwelt zu schaffen. "Bei den Tagfaltern sind 42 Prozent der untersuchten Arten bedroht, und bei den Schwebfliegen sind Masse und Arten, wie man sie noch in den 1980er Jahren gesehen hat, bis heute um 90 Prozent zurückgegangen. Das ist massiv", so Sara Diana Leonhardt, Professorin für Pflanze-Insekten-Interaktionen an der TU München.

Als Nicht-Biologe könnte einem das natürlich erst einmal irgendwie egal sein. Schwebfliegen halt. Insektenzeugs. Wo bitte ist jetzt das Problem? "Wenn Insektenarten verschwinden, gerät etwas im Gesamtgefüge durcheinander", so Leonhardt. "Wildbienen und viele andere Insekten leisten einen enormen Bestäuberbeitrag." Den man sogar in Euro umrechnen könne: "Obstbäume, Raps oder auch Erdbeeren hängen stark oder vollständig von Bestäubung ab. Wenn die Bestäuber wegbleiben, hat unsere Landwirtschaft rund eine Milliarde Euro weniger an Ertrag", so Leonhardt.

200 Euro pro Monat - so viel kostet die Miete für ein ganzes Bienenvolk. Das Ziel: Bienen retten sowie Umwelt- und Artenschutz vorantreiben.

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Ja, so eine Zahl ist greifbar. Ebenso das Bild von den Vögeln, die bei weniger Insekten weniger Futter haben. Und deren Bestand und Vielfalt entsprechend schrumpft. Oder die Vorstellung von den Insekten, die Schädlinge vertilgen. Die wiederum mehr werden, wenn niemand sie frisst.

"No Mow May" will gegensteuern

Wir Menschen haben Jahrzehnte gebraucht, um Insekten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und von heute auf morgen werden wir es nicht umkehren. Aber wir können gegensteuern. Haben sich auch die Initiatoren des "No Mow May" gedacht - ausgerechnet in England, der Heimat des englischen Rasens. Das war 2019. Und jetzt ist er auch hier in Deutschland, der mähfreie Mai.

Eigentlich ist es so einfach: Einfach mal einen Monat lang keinen Rasen mähen. Im privaten Garten, auf öffentlichen Flächen. Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und nicht darauf schauen, was die Nachbarn sagen. Wachsen lassen, bis Blüten kommen. Klar, Löwenzahn ist auch dabei. Aber der ist sogar richtig nützlich.

Löwenzahn ist einer der wertvollsten Pollen- und Nektarspender unserer heimischen Pflanzen
Eva Hofmann, Gartenbauingenieurin
Eine Biene im Anflug, aufgenommen am 05.07.2016

Nachrichten | Panorama - Warum Bienen wichtig für uns sind 

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Einfach Rasen mal wachsen lassen

Die Gartenbauingenieurin Eva Hofmann ist eine der Initiator*innen bei der Gartenbauakademie Rheinland-Pfalz, die den "No Mow May" nach Deutschland gebracht hat. Löwenzahn sei, so Hofmann, aber auch ein Stickstoffanzeiger. "Man sieht ihn oft dort, wo stark gedüngt ist." Heißt: Wer einfach wachsen lässt und weniger den Rasen düngt, sieht über kurz oder lang weniger Pusteblumen und dafür eine Menge mehr andere Blüten, die einfach angeflogen kommen.

Der mähfreie Mai soll mit seiner Premiere bei uns mehr Bewusstsein schaffen für einen Umgang mit unseren Grundstücken, die nicht nur uns gefallen, sondern auch den vielen kleinen Bewohnern da draußen. Ein bisschen weniger akkurat - aber dafür so viel mehr artgerecht. Am besten das ganze Jahr über.

Denn weniger Rasenmähen bedeutet mehr Lebensraum für das ganze Krabbelzeugs, dem wir am Ende den Apfel, die Birne, die Kirsche und so zu verdanken haben. Könnte das Bienchen heute was sagen, hörten wir vielleicht: Danke! Können wir nur so erwidern.

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