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Bischofskonferenz: Die Woche der Entscheidung

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Katholische Kirche - Bischofskonferenz: Die Woche der Entscheidung

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Die Deutsche Bischofskonferenz wählt einen neuen Vorsitzenden, das Rennen ist offen. Diskutiert wird in Mainz auch die Frage der Entschädigung von Missbrauchsopfern.

Kardinal Reinhard Marx in Sorge über Antisemitismus. Archivbild
Nachdem Reinhard Marx nicht mehr für den Vorsitz der Bischofskonferenz kandidiert, wird nun ein Nachfolger gesucht. Marx selbst wünscht sich einen jüngeren Kollegen.
Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Eigentlich sollte die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ab Montag in Mainz ein Routinetreffen werden, ohne große besondere Highlights.

Doch seit Kardinal Reinhard Marx am 11. Februar überraschend angekündigt hatte, dass er bei der turnusmäßigen Wahl des Vorsitzenden am Dienstag nicht mehr antreten werde, steht viel auf dem Spiel für die katholische Kirche in Deutschland.

Reinhard Marx hatte den Synodalen Weg durchgesetzt

Mit Marx aufs Engste verbunden ist der Synodale Weg, mit dem die katholische Kirche wieder Vertrauen und Glaubwürdigkeit nach der Missbrauchskrise zurückgewinnen will. Es soll ein zweijähriger Dialogprozess auf Augenhöhe zwischen Laien und Bischöfen sein, der wichtige Reformen anstoßen soll.

Marx hatte dafür gekämpft und sich am Ende mit Mühe gegen einige Kritiker in den eigenen Reihen, aber auch im Vatikan, durchgesetzt.

Die katholische Kirche am Scheideweg

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Der neue Vorsitzende tritt hier ein schweres Erbe an. Anfang Februar ist der Prozess zwar erfolgreich gestartet. Doch nachdem Papst Franziskus vor wenigen Tagen mit seinem Abschlussdokument zur Amazonassynode der Hoffnung auf schnelle Reformen etwa bei Weiheämtern für Frauen oder der Aufweichung der Zölibatspflicht einen herben Dämpfer verpasst hat, fragen sich viele, ob der Synodale Weg noch Sinn hat und wenn ja mit welcher Stoßrichtung. 

Alle Kandidaten für die Marx-Nachfolge wollen den Synodalen Weg

Alle Kandidaten, die aktuell für die Nachfolge von Kardinal Marx genannt werden, sind Befürworter des Synodalen Wegs. Allerdings gibt es durchaus Nuancen:

  • Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sind sowohl beim Zölibat als auch der Frauenfrage klar für Veränderungen.
  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zeigt sich bei einer Lockerung der Zölibatspflicht offen, ist beim Thema Frauen aber zurückhaltender.
  • Das gilt auch für den Limburger Bischof Georg Bätzing. Der hat sich, ähnlich wie sein Hamburger Kollege Stephan Heße, für Reformen der kirchlichen Sexualmoral, vor allem beim Thema Homosexualität, ausgesprochen.

Deshalb dürften die letzten beiden bei den konservativen Bischöfen rund um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Nachfolgeranking eher weiter unten stehen.

Sollte unter den jüngeren Kandidaten keiner die notwendige Mehrheit erhalten, könnte die Stunde des Berliner Erzbischofs Heiner Koch schlagen. Er steht hinter dem Synodalen Weg, hat sich in den vergangenen Jahren aber mit konkreten Reformforderungen zurückgehalten.

Die Wahl Heiner Kochs wäre kein Signal für Generationenwechsel

Mit seinen 65 Jahren ist Koch nur ein Jahr jünger als Marx. Dessen Wunsch nach einem Generationenwechsel würde damit nicht erfüllt. Aber die starke Polarisierung in der Bischofskonferenz könnte Kompromisse notwendig machen und vielleicht sogar am Ende einen Überraschungskandidaten ins Amt bringen.

Zumal die Wahl des Vorsitzenden immer auch die große Stunde der Weihbischöfe ist. Sie stehen zwar meist in der zweiten Reihe, stellen aber 41 von 69 Stimmen. Ihre Zuordnung zu den kirchenpolitischen Lagern ist oft nicht einfach.

Der Missbrauchsskandal darf keinem Kandidaten anhaften

Zwei Themen könnten bei der Auswahl des Kandidaten noch eine Rolle spielen. Das ist zum einen

  • die Vernetzung mit der Weltkirche
  • und mit der Zentrale in Rom.

Hier haben Kandidaten wie Overbeck, Wilmer, der Würzburger Bischof Franz Jung oder auch der Speyerer Karl-Heinz Wiesemann entsprechende Erfahrung. Zum anderen dürfte auch wichtig sein, dass der neue Vorsitzende in Bezug auf den Missbrauchsskandal eine "weiße Weste" hat.

Die Entschädigung der Missbrauchsopfer ist ein zweites schwieriges Thema bei der Vollversammlung in der kommenden Woche. Eigentlich wollten sich die Bischöfe über Höhe und Prozedere von Entschädigungsleistungen verständigen. Summen zwischen 40.000 und 400.000 Euro stehen im Raum.

Doch noch ist offen, ob eine Einigung gelingen wird. Unter anderem ist die Frage der Finanzierung der Entschädigungsleistungen schwierig.

Katholische Bischöfe sollen für Gläubige reformbereit bleiben

Die katholischen Bischöfe stehen vor großen Herausforderungen. Die Erwartung der großen Mehrheit der Gläubigen ist, dass der eingeschlagene Kurs der Reformen weitergeht. Angesichts der Debatten um das gesellschaftliche Miteinander, um ethische Fragen in allen Phasen des Lebens und der innerkirchlichen Polarisierung wäre es wichtig, einen starken Mann zu finden.

Er müsste ein Moderator sein, zum anderen sich aber auch trauen, die Stimme der Kirche in die gesellschaftspolitische Debatte einzubringen.

Jürgen Erbacher leitet die ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

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