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Verkehrsplanung : Was deutsche Städte von Bogota lernen können

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Kolumbiens Hauptstadt geht mit gutem Beispiel voran: Die Straßen der Millionenmetropole gehören sonntags nur den Radfahrern.

Fahrradgeschäfte in Bogota erleben einen Boom
Fahrradgeschäfte in Bogota erleben einen Boom.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Täglich quält sich eine Blechlawine über die Carrera 7. Sie ist die vielleicht wichtigste Verkehrsachse der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, einer Neun-Millionen-Metropole, die den Kampf gegen den Verkehrsinfarkt eigentlich jeden Tags aufs Neue verliert. Immerhin hat nun der Bau einer U-Bahn begonnen - ein Projekt, über das seit Jahrzehnten diskutiert wurde.

Doch die Stadtverwaltung der grünen Bürgermeisterin Claudia Lopez will mehr. Sie treibt den Ausbau des Radewegenetzes konsequent voran:

In Bogota sind wir sehr stolz darauf, die Welthauptstadt des Fahrrads zu sein.
Claudia Lopez, Bürgermeisterin

"Wir haben bereits mehr als 560 km Radwege. Und wir werden in den nächsten vier Jahren weitere 300 Kilometer bauen - mit besserer Infrastruktur, besser beleuchtet, besser vernetzt."

Sportmöglichkeiten mitten in der Stadt

Doch das ist noch nicht alles. "Ciclovía" nennen die Kolumbianer ein wöchentlich wiederkehrendes gigantisches Sportfest. Wörtlich übersetzt heißt "Ciclovía" eigentlich "Fahrradweg". Doch dahinter steckt weit mehr. "Ich genieße diese Freiheit, mitten in der Stadt Sport treiben zu können", sagt Angela Giraldo, eine junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter über den Asphalt läuft.

Sie läuft ohne Angst, dass ein Auto ihr zu nahe kommen könnte. Denn an Sonn- und Feiertagen ändert sich das Szenario. Dann haben die Radfahrer, Fußgänger und Inline-Skater allein die Macht über die Autobahnen, dann müssen Autos draußen bleiben.

Vielen tausend Helferinnen und Helfer der Stadtverwaltung sorgen dafür, dass sich Fußgänger und Autofahrer dann nicht mehr in die Quere kommen. Nicht nur in Bogota, in nahezu allen großen kolumbianischen Städten ist das Standard. Stadtautobahnen werden für Autos gesperrt, nun regieren die Radfahrer und Hobbysportler alleine.

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Verkehrsachsen werden gesperrt und wieder freigegeben

In Bogota sind es dann insgesamt rund 120 Kilometer Straßennetz, das für Autofahrer gesperrt bleibt und für sieben Stunden allein den Freizeitsportlern gehören. Ganz früh um kurz nach sieben Uhr ist die Menge der Frühaufsteher noch überschaubar, ab zehn Uhr aber schwillt der Strom der Jogger und Radfahrer an.

Ciclovia nennen die Kolumbianer die Tage, an denen das Fahrrad Vorfahrt hat
Sonn- und feiertags gehören Bogotas Straßen den Radfahrern.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Dahinter steckt eine logistische Meisterleistung - die Verkehrsachsen einer Millionen-Metropole wie Bogota zu sperren ist so aufwendig wie einen Stadt-Marathon zu organisieren. Das aber passiert in Bogota, Medellin oder Cali mehr als fünfzig Mal im Jahr und ist längst eingespielte Routine.

So schnell wie die Straßen um sieben Uhr morgens gesperrt sind, so schnell sind sie ab 14 Uhr auch wieder für die Autos freigegeben.

Sonn- und feiertags gehören Bogotas Straßen den Radfahrern
Ciclovia nennen die Kolumbianer die Tage, an denen das Fahrrad Vorfahrt hat.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Fahrradfreundliches Bogota steigert Wirtschaft

Bogotas fahrradfreundliches Konzept hat auch volkswirtschaftliche Konsequenzen. Fahrradgeschäfte erleben einen regelrechten Boom. Es gibt inzwischen immer mehr Reparaturwerkstätten und auch Verkaufsläden - sowohl für hochwertige Neu-Fahrräder, als auch für gebrauchte Drahtesel.

Wo hunderttausende Menschen Sport treiben, gibt es auch Nachfrage nach frischen Säften, Wasser oder handwerklicher Hilfe. Fliegende Werkstätten, die helfen, platte Fahrradreifen zu flicken, haben ebenso Hochbetrieb wie die Orangensaftpressen.

Im Stadtzentrum nutzen Künstler und Musikgruppen das lockere Ambiente als Kulisse für ihre Auftritte. Ein klein wenig kommt an diesen Tagen das gute alte Marktleben zurück in die Innenstadt, denn Radfahrer haben gegenüber Autofahrern einen entscheidenden Vorteil: Sie können auch mal spontan stehen bleiben, wenn ihnen etwas gefällt.

Extra "Jogger-Autobahnen" in Bogota

Autos fahren in Bogota trotz der "Ciclovia", wenngleich nur über die Nebenstraßen oder Ausgleichsrouten. Von den sechs Spuren der Carrera 7 sind drei für die Sportler reserviert, die anderen drei für die Autos. Allerdings nur in eine Richtung.

Manchmal müssen die Fahrzeuge die "Jogger-Autobahnen" überqueren. Dann halten die Helfer ein Stopp-Schild in die Luft, um die Sportler aufzuhalten. Für ein paar Sekunden nur haben dann die Autos doch noch einmal Vorfahrt, ehe die Straße dann wieder den Fitness-Begeisterten gehört.

Grafiken

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