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Interview

Ein Pilot über Bombendrohungen - "Wir landen so schnell wie möglich"

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Immer wieder müssen Flugzeuge wegen Bombendrohungen notlanden. Ein Pilot erklärt, was die Crew im Ernstfall zu tun hat - und wie sogar noch in der Luft die Bombe gesucht wird.

Ein Flugzeug startet am Flughafen Hannover. Archivbild
Eine Bombendrohung an Bord eines Flugzeugs - der Alptraum für Passagiere und Besatzung.
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Schon wieder musste eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair außerplanmäßig landen, diesmal auf dem Flughafen Berlin Brandenburg. Die "Bild" berichtete, es habe eine Bombendrohung gegeben, ein Sprecher der Bundespolizei wollte das gegenüber ZDFheute jedoch aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht bestätigen. Er sprach lediglich von einem telefonischen Hinweis bei Ryanair, aufgrund dessen eine Gefahr nicht ausgeschlossen werden konnte.

Erst vergangene Woche hatte eine angebliche Bombendrohung bei einer Maschine von Ryanair für Aufsehen gesorgt: Die belarussische Regierung hatte das Flugzeug zu einer Landung in Minsk gezwungen, um einen regimekritischen Journalisten festzunehmen.

Es ist ein Alptraum für Passagiere und Besatzung und es passiert regelmäßig: Immer wieder müssen Passagier-Maschinen wegen einer anonymen Bombendrohung eine Sicherheitslandung hinlegen. Philip Keil hat rund 20 Jahre lang als Pilot gearbeitet und erklärt, wie die Crew im Ernstfall reagieren muss.

Eine Ryanair-Maschine ist außerplanmäßig auf dem Berliner Flughafen notgelandet und von der Bundespolizei durchsucht worden. Der Einsatz könnte auf eine Bombendrohung hinweisen.

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1 min
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ZDFheute: Wenn die Besatzung während des Fluges von einer Bombendrohung erfährt - was passiert dann?

Philip Keil: Die Piloten arbeiten eine sogenannte "Bomb-Checklist" ab. Die genauen Details daraus darf ich nicht nennen, weil das tatsächlich streng geheim ist und Attentäter diese Informationen niemals haben dürfen. Wir landen so schnell wie möglich.

Aber es ist so, dass wir den Sinkflug behutsam einleiten. Wir stürzen da nicht runter, weil viele Bomben an Druckveränderungen gekoppelt sind und dann auslösen. Wir suchen zeitnah einen Landeplatz auf, um die Maschine dann möglichst schnell zu räumen.

Philip Keil
Philip Keil hat rund 20 Jahre als Pilot gearbeitet und hält inzwischen europaweit Motivationsvorträge als Keynote Speaker.
Quelle: Philip Keil

ZDFheute: Bei jeder Bombendrohung also immer schnellstmöglich landen?

Keil: Genau. Es lässt sich so gut wie nie im ersten Moment klären: Ist eine Bombendrohung tatsächlich authentisch und plausibel oder nicht?

Das heißt: Safety first - jede Warnung muss per se Ernst genommen werden.
Philipp Keil, langjähriger Pilot

Und es muss veranlasst werden, dass es möglichst schnell zu einer Zwischenlandung kommt, um da nichts zu riskieren.

ZDFheute: Suchen Sie auch nach der Bombe?

Keil: Wenn genug Zeit ist bis zur Landung, arbeitet die Kabinenbesatzung eine "Bomb-Search-Checklist" ab. Und wenn die Bombe tatsächlich gefunden wird, dann würde man sie ganz vorsichtig in den hinteren Teil des Flugzeugs bewegen, das ist der stabilste Teil des Flugzeugs von der Struktur her.

Und dann werden Decken und verschiedene Dinge darüber gelegt, sozusagen als Puffer - wenn sie tatsächlich hoch geht, dass dieser Impuls möglichst abgemildert wird. Und die Passagiere werden möglichst weit weg von der Bombe gesetzt.

Europas letzter Diktator kennt im Umgang mit der belarussischen Opposition keine Grenzen mehr. Nun lässt Lukaschenko sogar ein Flugzeug landen, um einen Journalisten festzunehmen.

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6 min
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ZDFheute: Vor drei Jahren gab es eine Bombendrohung bei Condor. Da hat der Pilot laut Medienberichten während des Flugs in eine Durchsage verkündet, dass man deshalb in Kreta zwischenlanden werde. Einige Passagiere hatten wohl aus Todesangst geweint. Wie sollte so eine außergewöhnliche Landung den Passagieren erklärt werden? Sollte man da überhaupt eine Bombe erwähnen?

Keil: Also auf dieses Detail der Information würde ich tatsächlich verzichten. Oft bricht dann Panik aus und die würde ja die Kabinenbesatzung an ihrer Arbeit hindern. Letztendlich reicht die Information, dass zwischengelandet werden muss aufgrund eines technischen Defektes. Und dann, wenn man gelandet ist, kann man auch die Passagiere darüber informieren, dass jetzt kontrolliert, aber schnell ausgestiegen werden muss und das Handgepäck an Bord zu bleiben hat.

ZDFheute: Wie teuer ist für eine Airline so ein falscher Alarm mit Notlandung?

Keil: Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, weil sich auch entsprechende Maßnahmen am Boden abspielen. Da sprechen wir sehr schnell über sechsstellige Beträge.

Das Interview führte Oliver Klein. Dem Autor bei Twitter folgen: @OliverKlein

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