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Schmerzhafte Einschnitte - Verschlankungskur bei den Royals

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Erst Prinz Andrew, dann Harry und Meghan: Die royale Entourage schrumpft. Das war eigentlich ein Ziel von Thronfolger Prinz Charles. Aber ob er es sich so vorgestellt hat?

In der vorderen Reihe von links nach rechts: Camilla, Duchess of Cornwall, Charles, Prince of Wales, Queen Elizabeth, Andrew, Duke of York. Im Hintergrund u.a. Meghan, Duchess of Sussex und Harry, Duke of Sussex
Auf dem Balkon des Buckingham-Palastes wird es weniger eng: Der royale Kreis schrumpft.
Quelle: ZDF/imago images/pa images

Der künftige britische König Prinz Charles gilt schon lange als möglicher Modernisierer. Er steht für den Wunsch nach einer bescheideneren Monarchie nach dem Vorbild anderer Königshäuser in Europa. Und mit den verblüffenden Entwicklungen der vergangenen Monate hat der Prozess der Verschlankung bereits begonnen. Doch für die Veränderungen zahlt Charles einen hohen Preis.

Die Verkleinerung dürfte schmerzen

Charles' Bruder Prinz Andrew trat wegen des Skandals um seine Freundschaft mit dem verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein von seinen royalen Pflichten zurück. Auch sein jüngerer Sohn Prinz Harry und dessen Frau Meghan wollen sich aus der ersten Reihe des Königshauses zurückziehen. Zurückbleiben wird ein kleinerer, bescheidenerer royaler Apparat.

Prinz Harry und seine Frau Meghan am 07.01.2020 in London
Prinz Harry und seine Frau Meghan
Quelle: EPA

"Charles spricht seit Jahren von einer Verkleinerung", sagt die Chefredakteurin des britischen Magazins "Majesty", Ingrid Seward. "Er ist überzeugt davon, dass mit einem derart großen Haus Windsor zu viele Möglichkeiten bestehen, dass etwas schief geht. Und es ist zu teuer. Und sie brauchen zu viele Häuser, zu viele öffentliche Ausgaben." Die jüngsten Ereignisse dürften Charles keine Freude bereitet haben, meint Seward. Grund sei vor allem die Entfremdung seiner sich einst nahestehenden Söhne Prinz William und Prinz Harry voneinander. "Er ist sehr betrübt, so wie es allen Eltern ginge, wenn ihre Kinder sich zerstritten haben", erklärt sie. "Aber vermutlich hofft er darauf, dass im Laufe der Zeit alles wieder in Ordnung kommt."

Bild der Idylle - doch im Hintergrund brodelt es

William hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Bruch mit seinem Bruder geäußert. Harry erklärte jedoch, sie seien nun "auf unterschiedlichen Pfaden". Ein offizielles Porträt spiegelte kürzlich die künftige Neuausrichtung der Royals gut wider. Auf dem vor zwei Wochen vom Buckingham Palast veröffentlichten Bild ist Königin Elizabeth II. zusammen mit ihren drei direkten Thronfolgern zu sehen: dem 71-jährigen Charles, dem 37-jährigen William und dem sechs Jahre alten Prinz George. Das heiter wirkende Porträt verdeckt die Unruhen hinter den Kulissen und die Enttäuschung im Zusammenhang mit Andrew und Harry.

Queen Elizabeth II, Prinz Charles, Prinz William und sein Sohn George
Ein Bild mit Symbolcharakter: Queen Elizabeth II, Prinz Charles, Prinz William und sein Sohn George.
Quelle: Reuters

Dabei ist Andrews Fall ein ausgewachsener Skandal. Nach einem Fernsehinterview vom November, in dem der Prinz seine Freundschaft mit dem reichen Investmentbanker Epstein verteidigte und keinerlei Mitgefühl mit dessen Opfern äußerte, wurde der öffentliche Druck immer größer, und Andrew trat von seinen royalen Pflichten zurück. Weder die Queen noch Charles äußerten sich öffentlich dazu.

Queen 'mal ganz ehrlich

In Harrys Fall handelt es sich zwar nicht um einen Skandal. Dennoch ist die Angelegenheit offensichtlich für alle Beteiligten schmerzhaft. Selbst die stoische Königin, die sich höchst selten zu privaten Dingen äußert, sprach von ihrer Enttäuschung.

Die Königin, deren 98-jähriger Mann Prinz Philip gesundheitlich angeschlagen ist, hat selbst ihre Amtspflichten in den vergangenen Jahren langsam reduziert. Sie übertrug mehr Aufgaben an Charles, der seine Mutter häufig im Ausland vertritt. Vor wenigen Tagen stand sie aber wieder im Mittelpunkt, als sie Charles und dessen Söhne nach Harrys Ankündigung zu einem Krisentreffen lud.

Eine Frage des Geldes - auch

Die Pläne des Herzogs von Sussex bringen Charles in eine heikle Lage, die vielen Eltern droht - wenn auch in finanziell deutlich kleinerer Dimension. Der Kronprinz muss entscheiden, ob Harry und Meghan künftig weiterhin Geld aus dem Herzogtum Cornwall bekommen. Die jährlichen Einnahmen aus Charles' Land- und Immobilienbesitz werden auf mehr als 20 Millionen Pfund (23 Millionen Euro) geschätzt.

Ohne Andrew und Harry schrumpft die royale Entourage: weniger ranghohe Mitglieder, die bei nationalen Ereignissen vom Balkon des Buckingham-Palasts winken, weniger, um Krankenhäuser zu eröffnen und Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln, und weniger, die für offizielle Reisen und Veranstaltungen auf öffentliche Mittel zugreifen.

Experte: Charles wird Hilfe brauchen

Er wird schnell feststellen, dass er Hilfe braucht.
Hof-Historiker Hugo Vickers

Bisher war der königliche Tross zusammen mit Elizabeths Familie gewachsen. Die 93-Jährige ist die am längsten amtierende Monarchin der britischen Geschichte, ihre vier Kinder gründeten alle selbst Familien. Einige der Enkel und Urenkel tragen königliche Titel, was zu einer Zunahme der Zahl von Prinzen und Prinzessinnen führte. Nach Einschätzung des Hof-Historikers Hugo Vickers könnte Charles seine Entscheidung, die Monarchie zu verschlanken, eines Tages bereuen. "Ich halte es für höchst unklug, weil andere Mitglieder der Königsfamilie bei vielen Dingen helfen können, die der Monarch nicht tun kann", sagt der Autor. "Er wird schnell feststellen, dass er Hilfe braucht."

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