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Zeitvertreib in der Pandemie - Wenn Brotbacken zum Trend wird

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Vor allem zu Beginn der Corona-Krise mangelte es in Supermärkten häufig an Hefe und Mehl. Der Grund: Viele fanden im Brotbacken einen neuen Zeitvertreib. Und der Trend hält an.

Brotbacken als Corona-Trend.
Ob Sauer-, Hefeteig oder mit Dinkel - Brotbacken liegt im Trend.
Quelle: Annette Riedl/dpa/Symbolbild/Archiv

In heimischen Küchen wird derzeit so viel Teig geknetet, gefaltet und gedehnt wie lange nicht mehr. Sauerteig wird sogar über Internet-Börsen verteilt. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Brotbacken für sich entdeckt - auch durch die gewonne Zeit, die dank Kurzarbeit und Homeoffice mehr zur Verfügung steht.

Ob Dinkel, Weizen oder Roggen: An Rezepten mangelt es im Netz nicht. Einen regen Austausch über die neusten Kreationen ermöglichen auch Gruppen in sozialen Medien. Ilona Karau betreut eine solche Gruppe und berichtet von einem enorm gestiegenen Interesse - und rasand wachsenden Teilnehmerzahlen:

Unsere Gruppe wächst im Moment rasant. Pro Woche kommen einige Tausend neue Mitglieder hinzu.
Ilona Karau, Facebook-Gruppe "Selber Brot und Brötchen backen"

Auch Buchautor und Blogger Lutz Geißler berichtet von einem "heftigen Interesse". Die Nutzerzahlen seines Blogs hätten sich während des ersten Shutdowns fast verdreifacht.

Nachrichten | ZDF-Morgenmagazin -
Helden der Krise: Bäcker
 

Sie versorgen uns mit Lebensmitteln, die trotz Coronakrise natürlich frisch sein sollen. Auch die Hygiene stellt die Bäckereien in diesen Zeiten vor besondere Herausforderungen.

Videolänge
2 min

Warum backen die Leute ausgerechnet Brot - und keinen Kuchen?

Der Fuldaer Ernährungspsycholgoe Christoph Klotter liefert Aufschluss:

Brot steht für das Überleben. Und wenn ich es selbst backe, kann ich noch besser überleben.
Christoph Klotter, Ernährungspsychologe

Auch die Geschichte spiele eine Rolle: "Brot ist das Lebensmittel der Deutschen. Vor 200 Jahren wurden den ganzen Tag Brot, Brei und Kartoffeln gegessen".

Brot sei zudem ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identität. "Goethes Werther verliebt sich in Lotte ausgerechnet, als sie Brot schneidet und es an Kinder verteilt", so der Fuldaer Professor. Nicht zuletzt sieht er im jetzigen Brotbacktrend auch einen Ersatz für die fehlenden Kontakte: "Damit kann man auch soziale Defizite kompensieren".  

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Handel mit Backzubehör floriert

Verkäufer von Backzubehör und Bäcker freuen sich über die Entwicklung. Hersteller von Backuntensilien sprechen von Umsatzsteigerungen von 300 Prozent. Wegen Engpässen habe es bei verschiedenen Produkten sogar einen Verkaufsstopp gegeben, berichtet etwa Birgit Freitag aus Reutlingen, Vertriebspartnerin von Backuntensilien, darunter auch Brotbackformen.

Vom Brot-Boom profitiert auch das Berliner Unternehmen BakeNight, das seine Workshops mit Bäckern bundesweit wegen Corona ebenfalls ins Netz verlegt hat. Seit Januar hätten bereits etwa 1.200 Teilnehmer Brotback-Kurse belegt, sagt der Unternehmenssprecher.

Doku | 37 Grad -
Mein täglich Brot!
 

Zwei Familien, zwei Traditionsbetriebe: Eine Bäckerei in Frankfurt, ein Bauernhof im Badischen. Die einen kämpfen gegen Konkurrenz und Nachwuchsmangel, die anderen für einen fairen Milchpreis.

Videolänge
28 min

Verband begrüßt "bewusste Einstellung" gegenüber hochwertigem Brot

Doch auch die Bäcker freuen sich über das enorme Interesse an der Kruste: Durch das Brotbacken werde vielen Menschen bewusst, dass es sehr zeitaufwändig und nicht immer einfach sei, sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

Über diese Erfahrung ergibt sich auch eine bewusste Einstellung gegenüber qualitativ hochwertigem Brot und erstklassigen Backwaren der Innungsbäcker.
Daniel Schneider, Zentralverband des Bäckerhandwerks

Sein Verband begrüße den Trend zum Selberbacken deshalb. 

Nachrichten | heute -
Bäcker mit bewegendem Appell
 

"Gehen sie zu ihrem Bäcker um die Ecke (...) sie retten damit Arbeitsplätze" - ein eindringlicher Appell macht im Netz die Runde.

Videolänge
1 min

Bäckerhandwerk in der Krise

Bäcker kämpfen seit Jahren gegen die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter mit ihren vergleichsweise günstigen Backwaren. Die Zahl der Bäckereien geht seit Langem zurück.

Im Mai 2020 gab es beispielsweise rund 10.500 Bäcker, die in der Handwerksrolle eingetragen waren, 2008 waren es noch gut 15.000. Einge Blogger haben bereits angekündigt, dem Trend etwas entgegensetzten zu wollen, indem sie planen, selbst in die Backstube zu wechseln.

Falls auch Sie große Freude am Brotbacken haben: Im Video finden Sie Tipps, wie's besonders gut funktioniert:

Tipps und Rezepte für das heimische Brotbacken.

Beitragslänge:
7 min
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