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Cannabis - Was für und gegen die Legalisierung spricht

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Eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP könnte eine Legalisierung von Cannabis vorantreiben. Was sind die Argumente der Befürworter? Und wie argumentiert die Gegenseite?

Die Frage nach der Legalisierung von Cannabis wird durch die Ampelsondierungen wieder neu diskutiert. Während sich SPD, Grüne und FDP eine Freigabe vorstellen können, gibt es aber auch kritische Stimmen.

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Die Aussicht auf eine Ampelkoalition weckt Hoffnungen bei Befürworter*innen einer Cannabis-Legalisierung - und Sorgen bei Gegner*innen eines solchen Schritts. Ein Überblick über die Pro- und Contra-Argumente.

Was für eine Cannabis-Legalisierung spricht

Entlastung von Polizei und Justiz: Der Berliner Jugendrichter Andreas Müller gilt als Befürworter einer Legalisierung - auch weil dadurch Polizei und Justiz entlastet werden könnten. Etwa sechs Prozent aller strafrechtlichen Delikte würden die Justiz und auch die Polizei unnötig belasten, sagte er am Dienstag bei ZDFheute live.

Eine Legalisierung würde viele Menschen vor einer seiner Ansicht nach unverhältnismäßigen Strafverfolgung bewahren.

Wenn man berücksichtigt, dass wir seit Beginn der 70er-Jahre weit über 500.000 Menschen alleine wegen Freiheitsstrafen in Knäste gepackt haben, dann frag ich mich, warum diese Prohibition irgendeinen Sinn gemacht haben soll.
Andreas Müller, Richter

"Für die Menschen, die es auf irgendeine Art übertreiben", sollten in diesem Fall die Gesundheitspolitik zuständig sein und nicht Innenpolitik, Polizei und Justiz, argumentiert Müller.

Richter Andreas Müller spricht sich im Interview mit ZDFheute live für eine Legalisierung von Cannabis aus und hält das Verbot für gescheitert.

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Kampf gegen verunreinigten Stoff und Schwarzmarkt: Als weiteres Argument für eine Legalisierung wird der Kampf gegen den Cannabis-Schwarzmarkt genannt. Denn eine kontrollierte staatliche Ausgabe würde den Schwarzmarkt schwächen - und gleichzeitig dafür sorgen, dass Konsument*innen ein reineres und sichereres Produkt bekämen.

Dieses Argument nennt auch Gesundheits-Experte Karl Lauterbach (SPD) im Gespräch mit der "Rheinischen Post".

Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.
Karl Lauterbach, SPD

Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker.

Alkohol und Zigaretten sind auch legal: Viele Kritiker*innen der aktuellen Cannabis-Regelung halten es für unlogisch, Cannabis zu kriminalisieren, während Alkohol und Tabak legal sind. In der Diskussion über die Folgen des Cannabis-Konsums würde etwa untergehen, dass es keinen bestätigten Todesfall durch Cannabis-Konsum gebe. Im Vergleich dazu stehen unzählige Alkohol-Tote. Daher fordert Richter Müller eine "Legalisierung analog zum Alkohol".

Schaffung neuer Jobs und Steuereinnahmen: Für eine Legalisierung gibt es auch wirtschaftliche Argumente. Denn ein staatlich kontrollierter Cannabis-Markt würde neue, sozialversicherungspflichtige Jobs schaffen - und dadurch mehr Steuereinnahmen für den Staat bedeuten.

Cannabis ist die meistgehandelte Droge in Deutschland. Jetzt wächst das Gras legal im Dienste der Medizin. Eine junge Branche in Goldgräberstimmung.

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Was gegen eine Cannabis-Legalisierung spricht

Zunahme des Konsums und möglicher Folgestörungen: Eine Legalisierung von Cannabis würde zwangsläufig zu einer Zunahme des Konsums führen, sagte Suchtmediziner Rainer Thomasius vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf bei ZDFheute live.

Dadurch [Anmerk.: die Cannabis-Politik] ist es in Deutschland bisher gelungen, die regelmäßigen Konsumenten auf einem sehr niedrigen Niveau zu halten. Etwa 1,5 Prozent der deutschen Bevölkerung konsumiert regelmäßig.
Rainer Thomasius, Suchtmediziner

Sein Argument lautet: Mehr Konsum führt zu mehr Folgestörungen, wie

  1. dem Risiko einer Abhängigkeit,
  2. der Gefahr von depressiven Störungen, Angststörungen, Psychosen,
  3. Entwicklungsrückständen bei Jugendlichen.

Die Suchtgefahr in der Gesellschaft sollte so niedrig wie möglich gehalten werden, lautet sein Argument.

1,8 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland, ein Drittel rauchende Bevölkerung verursachen Schaden genug: Wir sollten nicht noch eine große Population von Cannabis-Abhängigen erzeugen.
Rainer Thomasius, Suchtmediziner

Gefahr für Jugendliche: Eine Cannabis-Legalisierung für Volljährige würde zwangsläufig auch an Jugendliche durchgereicht, sagt Thomasius. Von einer Zunahme des Konsums "wären insbesondere die Kinder und Jugendlichen als Leidtragende betroffen", warnt er.

Denn Cannabis würde sich bei ihnen gesundheitlich und psychisch stärker auswirken: So würden Junge schneller davon abhängig werden als Erwachsene. Er verweist auch auf den Trend "der cannabiserfahrenen Jugendlichen seit ein, zwei Jahren Opioide zusätzlich zu den Cannabis-Produkten zu konsumieren".

Suchtmediziner Prof. Rainer Thomasius von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf erklärt, was aus seiner Sicht gegen eine Legalisierung von Cannabis spricht.

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Häufung von Verkehrsunfällen: Da Cannabis die Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann, könnte eine Legalisierung auch zu mehr Verkehrsunfällen führen. In jenen US-Staaten, die Cannabis legalisiert hätten, sei eine "sehr klare, signifikante Häufung von Verkehrsunfällen in der Cannabisintoxikation" zu beobachten", sagt Thomasius. Davor warnt auch die Deutsche Polizeigewerkschaft.

Kein Unterbinden des Schwarzmarkts: In den USA habe sich gezeigt, dass ein legaler Markt den illegalen nicht beseitigen kann, sagt Thomasius.

Das wird man nie schaffen.
Rainer Thomasius, Suchtmediziner

Vielmehr würde der Konkurrenzkampf zwischen beiden Märkten dafür sorgen, dass der THC-Wert in den Produkten steige, um so mehr Kund*innen für sich zu gewinnen. Dadurch würde Cannabis viel stärker wirken als früher.

Die Chancen auf eine Legalisierung von Cannabis wären bei einer Ampelregierung gut. Aber wo genau sind die Vorteile – und welche Risiken birgt eine Legalisierung?

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ZDFheute Update

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