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Nein, Drohnen überwachen keine Dorf-Omas

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Virales Corona-Video aus China - Nein, Drohnen überwachen keine Dorf-Omas

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Ein virales chinesisches Video soll zeigen, wie Behörden wegen des Coronavirus zwei alte Menschen mit Drohnen überwachen. In Wahrheit ist es wahrscheinlich ein Scherz-Video.

In China werden inzwischen vereinzelt Drohnen in der Seuchenbekämpfung eingesetzt.
Ein Helfer lässt am Freitag in der Ortschaft Zhengwan eine Drohne steigen, um damit Desinfektionsmittel zu sprühen.
Quelle: reuters

Interessiert blickt die alte Chinesin in den Himmel. Eine Kameradrohne ist direkt auf sie gerichtet. Eine dröhnende Stimme weist sie an, zurück in ihr Haus zu gehen und es nicht ohne Gesichtsmaske zu verlassen. "Ja, Tantchen, das ist die Drohne, die mit dir spricht." Daraufhin macht die Frau kehrt und läuft die wenigen Schritte zurück in ihr Haus. Ein zweites Video zeigt den gleichen Ablauf mit einem alten Mann.

Nachrichtenagentur veröffentlichte bereits Korrektur

Die Videos sind Teil eines Zusammenschnitts mit anderen vermeintlichen Drohnen-Einsätzen, die die englischsprachige chinesische Zeitung "Global Times" am 31. Januar veröffentlichte. Mehr als 1,6 Millionen Aufrufe hat diese Zusammenstellung - dazu kommt das Originalvideo mit den beiden Alten und der Drohne in den chinesischen sozialen Medien mit einem Vielfachen dieser Aufrufe. Die Clips sind ein Hit in China.

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Aber zeigt diese eindrückliche Szene am Anfang wirklich, wie Sicherheitsbehörden einfache Bürger mit Flugdrohnen auffordern, sich angesichts des neuen Coronavirus korrekt zu verhalten? Zahlreiche internationale Medien hatten genau das auch unter Verweis auf das Bildmaterial mit den beiden Senioren berichtet. Am Montag veröffentlichte die Nachrichtenagentur dpa jedoch eine Korrektur, in der sie Zweifel an der Authentizität des Materials anmerkte - viele Medien zogen nach und korrigierten ihre Berichte.

Innerhalb von 48 Stunden ein viraler Hit in China

Die Szene mit den beiden Senioren spielt - wie in dem "Global Times"-Zusammenschnitt angegeben - in der autonomen Region Innere Mongolei. Allerdings handelt es sich bei der viralen Bürgerbelehrung nicht um eine staatliche Maßnahme, sondern um den Scherz eines örtlichen Bloggers.

Genau darum wurde das Video innerhalb von 48 Stunden zum Phänomen in China. Unter dem Hashtag "Drohne überwacht Dorf-Oma" wurde es millionenfach auf der chinesischen Plattform Weibo geteilt. Populäre Kanäle für virale Videos wie "Pear Video" griffen die Story auf und selbst im staatlichen Fernsehen liefen Beiträge dazu.

Chinesische Nachrichtenseite macht Urheber ausfindig

Allen Beteiligten war dabei klar: Es ist ein humorvolles Video, das sich über die Absurdität des Alltags in Zeiten des Coronavirus lustig macht - keine staatliche Überwachungsmaßnahme. Teils unterlegten chinesische Nutzer das Videomaterial mit neuen albernen Soundeffekten, um das zu unterstreichen.

Die chinesische Nachrichtenseite "The Beijing News" machte den Urheber des Videos ausfindig und stellte ihn als einen "lokalen Influencer" namens Guo Junjie vor, der häufiger Videos in den sozialen Medien veröffentliche. Er habe mit seinem Video auf Epidemie-Vorsorgemaßnahmen hinweisen wollen.

Chinesische Nutzerin ist verwundert über Reaktion im Ausland

Laut "The Beijing News" wurde das Material am 28. Januar im Dorf Caofangzi nahe der Provinzhauptstadt Hohhot im Norden Chinas aufgenommen. Die Ortschaft umfasst kaum mehr als 50 Häuser. Und tatsächlich lassen sich auf Satellitenbildern genau die Gebäude identifizieren, über denen die Drohne geflogen ist.

Die folgende Montage zeigt das Dorf Caofangzi, in dem das virale Drohnen-Video aufgenommen wurde - einmal in einem Beitrag bei "Pear Video" und einmal auf dem Kartendienst Google Maps:

Location Drone Video
Montage aus einem Screenshot des viralen Drohnen-Videos von Guo Junjie und dem gleichen Ort auf Google Maps
Quelle: Pear Video International, Google Maps

Die Weibo-Nutzerin Qu Qiuyan schrieb zur unterschiedlichen Wahrnehmung des Videos in China und im Ausland:

Chinesische und westliche Netzbürger haben sehr unterschiedlich auf das gleiche Phänomen reagiert. Unsere Reaktion: haha, wie lustig und putzig. Westliche Internetnutzer: WTF? Das ist schrecklich. Die Leben dieser Menschen werden von Drohnen zerstört. Der Kulturschock ist wirklich allgegenwärtig.

Online kursiert aktuell weiteres Bildmaterial aus anderen Städten wie Liyang in der Provinz Jiansu, das tatsächlich Polizisten zeigen soll, die mit Drohnen Passanten zurechtweisen. Dort weisen auch chinesische Nutzer darauf hin, dass diese Aufnahmen unter Mitwirkung lokaler Polizeieinheiten erstellt wurden. Dass die chinesische Verkehrspolizei in der Vergangenheit schon vereinzelt Lautsprecherdurchsagen von Flugdrohnen eingesetzt hat, berichtete zuletzt im September die "South China Morning Post".

Mitarbeit und Recherche: Katja Belousova

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