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Neuausrichtung der Volksrepublik : Chinas nächste Revolution

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Der chinesische Präsident Xi Jinping will allgemeinen Wohlstand erreichen und steuert sein Milliardenreich um. Dafür knüpft er an alte sozialistische Bilder an.

Unser Studio hatte ein irritierendes Erlebnis mit Chinas Propaganda. Wir hatten uns bewusst einen Experten zu Präsident Xis Gedanken empfehlen lassen, um uns die Sicht Pekings zu erklären. Doch das Interview gestaltete sich schwierig.

Dem Professor war es sichtlich unangenehm, über Xi Jinping zu sprechen. Er hatte Angst, etwas Falsches zu sagen, er vermied Xis Namen zu erwähnen. Irgendwie erlebten wir einen Harry-Potter-Moment. Keiner traut sich, den Namen des mächtigen Lords auszusprechen. Als das Interview zu Ende war, fragten wir nach. Unser Experte sagte: Xi sei wie Gott, über den urteile man nicht, an den glaube man.

Xi-Revolution von oben

Nun hat dieser Herr Xi gerade den Chinesen ein paar neue Glaubenssätze auf den Weg gegeben, wie sie bessere Sozialisten werden können. Die kommunistische Partei hat wohl das Gefühl, dass der revolutionäre Elan im Lande nachlässt und jeder nur damit beschäftigt ist, reich zu werden.

Es geht bei dieser Revolution von oben gleich ums Ganze: um das Menschenbild, um die Gerechtigkeit und um die Nation.

Chinas Warnung vor dem "sissy man"

So wurden vier ältere Herren aus irgendeiner Kulturabteilung auserkoren, vor dem sogenannten "sissy man" zu warnen, der häufiger bei Boy-Groups zu finden ist. Der "sissy man" sei zu weibisch, zu stark geschminkt und zu gut geföhnt.

Stattdessen wünscht sich Xi den unermüdlichen Revolutionär. Der neue chinesische Zeitgeist wirkt da gar nicht modern, sondern er hat Mundgeruch.

Schere zwischen Arm und Reich

Das Beschwören eines alten sozialistischen Menschenbildes hat wohl auch viel mit Chinas wachsender sozialer Ungerechtigkeit zu tun. Die Akzeptanz der kommunistischen Partei beruht auf einem einfachen Vertrag mit ihrer Bevölkerung: Wir machen Euch reich und ihr haltet dafür den Mund. Diesen Vertrag hat die Partei in den letzten vierzig Jahren mehr als erfüllt.

Dies wird in Zukunft aber nicht mehr so leicht. Der Aufstieg Chinas basiert auf zweistelligen Wachstumsraten, aber seit längerem schafft dies das Land nicht mehr. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. In China, das dem sozialistischen Menschheitsideal der Gleichheit huldigt, ist dies ein wesentlich größeres Problem als in Amerika, dass die bittere Armut mit dem Glaubenssatz, jeder sei seines Glückes Schmied, legitimiert.

Der gemeinsame Wohlstand als Glaubenssatz

Xi hat deshalb einen neuen Glaubenssatz formuliert. Den des gemeinsamen Wohlstands: Die Gesellschaft als Ganzes soll reicher werden, nicht nur der Einzelne.

Darauf begann eine ziemliche Spendenflut großer Tech-Firmen. Deren superreiche Chefs hatten erkannt, dass sich der Wind dreht. Ihr unermesslicher Wohlstand setzt sie auf die Anklagebank. Xi will sich als ein Mann des Volkes, nicht der Eliten präsentieren.

Make China great again

Der wichtigste Glaubenssatz ist die Verherrlichung der Nation. Xi badet das Land in einem nationalen Rausch. Make China great again ist so viel weitreichender als die großmäulige Variante der Trump-Amerikaner.

Xi hat dabei oft zwei Gesichter. Bei Auftritten vor der UNO propagiert er eine Welt, die auf internationale Zusammenarbeit setzt. Zu Hause skizziert er dagegen eine Welt, die China seinen Aufstieg missgönnt. In Xis Erzählung ist das Land bedroht. Denn der Feind kommt von außen.

Überzeugt von der Überlegenheit des chinesischen Systems

Die diesjährigen Nationalen Spiele Pekings inszenierten sich ganz im Sinne von Xis China-Erzählung. Es erklangen alte revolutionäre Lieder von der Überlegenheit des chinesischen Systems. Voller Inbrunst sang das Stadion: "Sozialismus ist gut. Die Reaktionäre werden besiegt, die Imperialisten fliehen mit eingeklemmtem Schwanz."

Man würde gerne den Xi-Experten von damals fragen, was diese zweite Revolution zu bedeuten hat. Aber es würde wahrscheinlich wieder so ein Harry-Potter-Moment der Stille. Vielleicht - die Stille vor einem Sturm.

Ulf Röller leitet das ZDF-Studio in Peking.

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