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Welches Horoskop ist besser, Herr Ludwig?

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Chinesisches oder europäisches - Welches Horoskop ist besser, Herr Ludwig?

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Von heute an steht das chinesische Horoskop im Zeichen der Ratte - gibt es dazu ein vergleichbares europäisches Sternzeichen? Und gibt es überhaupt Parallelen?

Typical: Horoskop
In der westlichen Astrologie gibt die Sonne das Tempo vor, bei den Chinesen dagegen ist Jupiter entscheidend.
Quelle: ZDF

Das Jahr 2020 ist schon fast einen Monat alt, heute begrüßen auch die Chinesen das neue Jahr. Es steht im Zeichen der Ratte. Was ist anders am chinesichen als am uns bekannten Horoskop? Und wie ist der Ausblick auf dieses Jahr? Das erklärt Klemens Ludwig, Chef des Deutschen Astrologen-Verbandes:

heute.de: Ganz allgemein gefragt: Was "kann" das eigene Horoskop?

Klemens Ludwig: Die Astrologie kann eine Lebenshilfe sein, vorausgesetzt, man legt dem Horoskop die drei wichtigsten Koordinaten zur eigenen Geburt zu Grunde: den Geburtstag, den Geburtsort und die genaue Zeit. Ohne geht es nicht! Was auch erklärt, warum die Prognosen in Zeitungen und Zeitschriften so allgemein sind, dass sie für jeden irgendwie passen. Da verhält es sich wie mit dem Hobbykicker und der Bundesliga: "Zuckerstückchenastrologie" - also reine Unterhaltung - versus seriöse Deutung.

Richtig praktiziert, kann das Horoskop Orientierung geben und dabei helfen, sich über eigene Muster und Fallstricke klarer zu werden.

"Richtig" praktiziert kann das Horoskop Orientierung geben und dabei helfen, sich über eigene Muster und Fallstricke klarer zu werden. Wobei mir die Planetenkonstellationen keine konkreten Ereignisse "verraten", sondern sehr präzise die Themen, die im Leben des Einzelnen gerade präsent sind. Sprich, ob es Spannungen gibt, ob ein Umbruch ansteht oder es gesundheitlich hakt. Wie sich diese Themen letztlich äußern, ist ganz unterschiedlich.

heute.de: Hier ein Wassermann, da eine Ratte - darf man sich einfach das Beste aus den Horoskopen beider Systeme picken?

Klemens Ludwig
Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig ist seit 2015 erster Vorsitzender des Deutschen Astrologen-Verbandes und Co-Autor des "Großen Lexikons der Astrologie"
Quelle: privat

Ludwig: Das könnte man, aber Sinn macht es keinen. Denn jedes astrologische System, von denen es ja weitaus mehr als "nur" das chinesische oder unser westliches gibt, folgt seinen eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Zudem spielt der kulturelle Hintergrund eine große Rolle, den man nicht außer Acht lassen darf. Egal, ob man nun Horoskope nach dem chinesischen, indischen oder "unserem" europäischen System erstellt: Festlegen muss man sich! Alles andere wäre wie Äpfel mit Birnen zu kreuzen. Ich habe mich mit dem chinesischen System auseinandergesetzt, aber mein Fokus liegt klar auf der europäischen Astrologie.

heute.de: Ob chinesischer Hund oder europäische Waage - jedem Sternzeichen werden bestimmte Eigenschaften zugewiesen. Zu Recht?

Ludwig: Die chinesische Astrologie ist insgesamt viel festgelegter als unsere. Da gilt der Drache zum Beispiel als das Glückszeichen schlechthin. Entsprechend werden alle zwölf Jahre, wenn es "sein" Jahr ist, besonders viele Kinder in China geboren, weil "Drachen" nachgesagt wird, ein besonders glückliches Leben zu haben. In der europäischen Astrologie hingegen gilt: DEN Löwen - am ehesten das Gegenstück zum Drachen - in Reinkultur gibt es so nicht, sondern zig verschiedene, ganz individuelle Varianten.

heute.de: Welche Gemeinsamkeiten eint beide Systeme?

Ludwig: In beiden Systemen werden die Planeten unseres Sonnensystems näher betrachtet, wie sie zueinander bei der Geburt standen und wie sich das mit Blick auf die vorherrschende Konstellation auswirkt. Oder wie wir Astrologen sagen: wie oben so unten! Ich sehe am Himmel Konstellationen, die nach meinen Erfahrungen und den jahrtausendealten kollektiven Erfahrungen vieler Kulturen Analogien zulassen zu dem, was auf der Erde passiert. Von diesem Grundgedanken geht auch die chinesische Astrologie aus.

heute.de: Wo liegen die größten Unterschiede?

Ludwig: Zeit spielt eine große Rolle, weshalb sich Analogien nur sehr schwer zwischen beiden Systemen herstellen lassen. In der westlichen Astrologie gibt die Sonne das Tempo vor. Sie wandert in einem Jahr durch alle zwölf Sternzeichen. Die Chinesen hingegen richten sich nach dem Jupiterzyklus und der bewegt sich in zwölf Jahren durch den Tierkreis.

Zudem ist die asiatische Kultur geprägt durch das Kollektiv, das Horoskop entsprechend kollektiver und allgemeiner ausgerichtet, während bei uns das Individuum und seine persönlichen Eigenschaften und Bedürfnisse mehr im Fokus stehen. Obwohl hier wie dort der Aszendent eine Rolle bei der Erstellung des Horoskops spielt, ist er unterschiedlich wichtig. Egal in welchem Monat, jeder Chinese, der zum Beispiel nachts zwischen eins und drei geboren wurde, "teilt" sich den gleichen Aszendenten, weil der nur alle zwei Stunden wechselt. Undenkbar in "unserem" viel differenzierteren System, das minutengenau den Aszendenten berechnet, der zudem ebenfalls durch das Jahr wandert. Wer im Winter morgens um neun geboren ist, hat einen völlig anderen als ein Sommergeborener zur gleichen Zeit.

heute.de: Sie betonen den Aszendenten. Ist es, schlicht gesagt, neben dem Zeichen, in dem die Sonne bei unserer Geburt stand, das Sternzeichen, welches besonders stark ausgeprägte Charaktereigenschaften verrät?

Ludwig: Als Sternzeichen kann man den Aszendenten nicht bezeichnen. Eher würde er noch den Planeten entsprechen, aber das ist er auch nicht. Astronomisch ist er der Punkt am Osthorizont, an dem in unserem Rhythmus von Tag und Nacht durchschnittlich alle zwei Stunden ein Sternzeichen aufgeht. Übertragen auf die Analogie der Astrologen zeigt er an, wie ich in die Welt hineintrete, wie ich auftrete, wie ich spontan wahrgenommen werde. Das bekannte Spielchen "Rate mal mein Sternzeichen" würde viel mehr Sinn machen in der Variante: "Rate mal meinen Aszendenten", denn mit dem begegnen wir der Welt. Viele kennen ihren Aszendenten aber überhaupt nicht.

heute.de: Zurück zu den Unterschieden …

Ludwig: Genau! Ein weiterer, ganz offensichtlicher Unterschied: der Beginn des neuen Jahres. Bei uns ist es fix mit dem ersten Januar verknüpft, bei den Chinesen beginnt es, sobald sich der Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar am Himmel zeigt. Wir Astrologen bringen noch eine dritte Variante ins Spiel. Für uns beginnt der Tierkreis mit Null Grad Widder, dem Frühlingsbeginn um den 21. März.

heute.de: Wie viel "Glaskugelprinzip" steckt in der Astrologie?

Ludwig: Früher war Astrologie ein reines System der Vorhersage, doch längst nimmt die Psychologie entscheidenden Einfluss auf die Interpretation der Planetenkonstellationen. Erfahrungswerte aus 2.500 Jahren Astrologie gepaart mit dem eigenen Erfahrungsschatz und Studien bilden die Grundlage für meine Prognosen.

Wenn der Jupiter zum Beispiel durch bestimmte Zeichen läuft, kann ich sehen, was es in der Vergangenheit für Aufs und Abs gegeben hat. Im Dezember fand der Übergang des Jupiters in den Steinbock statt. In solchen Phasen hat die Wirtschaft einen Boom hinter sich und muss sich für die kommenden zwei, drei Jahre auf harte Zeiten einstellen, aber diese Zyklen entwickeln sich langsam. Bisweilen gibt es zu Beginn des Steinbocks sogar noch einen letzten Aufschwung, Schwanengesang, aber die Tendenz danach geht eindeutig nach unten. Man kann das nur nicht auf genaue Tage oder Wochen festlegen.

heute.de: Und wie steht's um das gerade begonnene Jahr?

Ludwig: Es wird ein eher unangenehmes Jahr mit Spannungen, die man aushalten muss. Es stehen Entscheidungen an und solch ein Rumgeeier wie etwa beim Brexit funktioniert nicht mehr. Erst Mitte der 20er wird sich die Lage spürbar entspannen, wenn die Luftzeichen dominanter werden.

Das Interview führte Maike Steuer.

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