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Attentäter von Christchurch vor Gericht

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Urteilsverkündung erwartet - Attentäter von Christchurch vor Gericht

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Am 15. März 2019 erschießt Brenton T. im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen. Motiv: Hass auf Muslime. Seine Tat streamte er ins Internet. Nun bekommt er sein Urteil.

Archiv: Gedenken an die Opfer des Anschlags vor Moschee in Christchurch
Menschen gedenken der Opfer des Christchurch-Attentats.
Quelle: AP

Mohammad Alayan lächelt ein Lächeln voller Wärme und Güte. In der Hand hält er eine Plastikbox. "Ich habe Kekse für Euch gebacken", sagt er. Wir treffen einen Mann, der hier an diesem Ort, in der Al-Noor-Moschee von Christchurch, am 15. März 2019 seinen Sohn verloren hat. Schlimmer noch: Mohammed musste mit ansehen, wie sein Sohn brutal hingerichtet wurde. 51 Menschen starben an jenem Tag. Mohammad überlebte. Heute schafft er ein Lächeln und backt Kekse.

Brenton T. heißt der Attentäter, der seine Tat live ins Internet streamte. Vom Hochsicherheitstrakt seines Gefängnisses aus wurde er dann zumeist per Video in den Gerichtssaal geschaltet. Der Richter bedauerte, dass wegen Corona-Restriktionen Angehörige der Opfer nicht dabei waren als T. seine Schuld bekannte.

Am 27. März, fast genau ein Jahr nach der Tat. Die Namen der 51 Opfer wurden verlesen, dann sagte T.: "Oh, ok, ja, schuldig." Der karge Satz ersparte einen langen Prozess. Fortan galt es nur noch, das Strafmaß festzusetzen.

Christchurch-Attentäter zeigt rassistische Ideologie

Mohammad Alayan sagt, der Täter tue ihm leid. "Das Leben eines Menschen ist heilig. Wenn jemand so ein Menschenleben zerstört, dann muss er selbst Schreckliches durchgemacht haben. Ich weiß nicht was, ich kann es nicht verstehen, aber irgendetwas Furchtbares hat ihn dazu gebracht, andere zu töten."

T. versucht seine Morde mit einer kruden rassistischen Ideologie zu rechtfertigen. Eine Ideologie, in der Muslime kein Recht auf Leben haben. Deshalb war er schwer bewaffnet in zwei Moscheen gestürmt, feuerte seine Magazine leer auf die Betenden. Unter ihnen: Mohammad.

Ich begriff nicht, was passierte. Plötzlich lag ich da mit einer Kugel in der Schulter und einer im Kopf. Überall Verletzte und Tote.
Mohammad Alayan

Mohammads Sohn hatte beim Gebet ein paar Meter entfernt gekniet. "Als ich am Boden lag, dachte ich an ihn. Ich wusste nicht, was mit ihm ist. Erst im Krankenhaus sagten sie mir, dass er tot ist. Ein unglaublicher Schmerz. Was mir hilft ist, dass er beim Beten gestorben ist, friedlich, nah bei Gott."

Christchurch-Attentat verändert Neuseeland

Solche Bluttaten scheinen immer unerklärlich, aber Neuseeland hielt sich wohl selbst für den unwahrscheinlichsten aller Schauplätze. Religionen und Kulturen schienen friedlich vereint. Hat der Massenmörder T. das alles zum Einsturz gebracht?

"Das ganze Land hat sich verändert", sagt der Politologe Alexander Tan. "Uns ist bewusster, was wir haben. Leben und leben lassen - wenn wir das erhalten wollen, müssen wir etwas dafür tun. Einfach nur zu sagen, hier bei uns ist jeder willkommen - das reicht nicht."

Mit Wort und Tat setzte sich die Premierministerin ein. Jacinda Ardern zeigte Empathie wie es nur wenigen Spitzenpolitikern gelingt. Und sie griff durch, verschärfte umgehend die Waffengesetze.

Überhaupt wollten die Neuseeländer nicht nur Mitleid zeigen. "Schon bald kamen freiwillige Handwerker", erinnert sich Anthony Green aus dem Vorstand der Moschee. "Sie haben die Wände ausgebessert, die Einschusslöcher. Sie wollten kein Geld. Sie haben unsere zerschossenen Autos repariert. Es gab so viel Unterstützung, ganz spontan. Das macht mich stolz."

An diesem Tag, als wir Mohammad in der Moschee treffen, fährt ein Mann mit seinem Auto vor. Im Kofferraum hat er zwei Kisten voller Kerzen, eine Spende für die muslimische Gemeinde. Aaron ist Christ, aber spielt das eine Rolle? Für ihn nicht:

Wir sind alle gleich. Religion ist nicht wichtig. Wir sind Menschen.
Aaron

Mohammad nimmt Aarons kleinen Sohn auf den Arm, während wir gemeinsam die Kisten in die Moschee tragen. Als Aaron sich verabschiedet, holt Mohammad seine Plastikdose mit den Keksen hervor. "Ein kleines Dankeschön", sagt Mohammad, "Gott schütze Euch". Dann lächelt er wieder dieses Lächeln voller Wärme und Güte.

Normen Odenthal ist Korrespondent im ZDF-Studio Südost-Asien.

Archiv: Die Al-Nur-Moschee im neuseeländischen Christchurch am 30.03.2019

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