Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Roth will Namen ändern

    Preußischer Kulturbesitz:Roth: Preußen aus Stiftungsnamen streichen

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    "Was haben Andy Warhol und Joseph Beuys mit Preußen zu tun?", fragt Claudia Roth - und findet: so wenig, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz umbenannt werden sollte.

    Nigeria, Abuja: Claudia Roth (l, Bündnis 90/Die Grünen), Staatsministerin für Kultur und Medien, spricht mit einer Benin-Bronze im Hintergrund.
    Claudia Roth (l, Grüne)/Archiv Staatsministerin für Kultur und Medien, will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz umbenennen.
    Quelle: dpa

    Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) setzt sich dafür ein, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) umzubenennen, unter deren Dach zahlreiche Museen und Kultureinrichtungen gebündelt sind.

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    Der aktuelle Name bringe nicht "die Weltläufigkeit der Kulturgüter zum Ausdruck", sagte Roth. "Neben der umfassenden Strukturreform, die den einzelnen Institutionen jetzt mehr Autonomie und Handlungsfähigkeit verschafft, brauchen wir in einem zweiten Schritt auch einen attraktiven, zukunftsgewandten Namen."

    ... ist eine der großen Kulturinstitutionen der Welt. Unter ihrem Dach sind fünf Einrichtungen vereint: die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren 15 Sammlungen und zahlreichen Häusern wie etwa der Neuen Nationalgalerie oder dem Pergamon-Museum, die beiden Häuser der Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut sowie das Staatliche Institut für Musikforschung.
    Im vergangenen Jahr zählten die Museen der SPK knapp 1,48 Millionen Besuche, im Jahr vor der Pandemie 2019 knapp 4,3 Millionen.

    Gegründet wurde die Stiftung 1957, um nach Auflösung des preußischen Staates dessen Kunstbestände in Westberlin zusammenzuführen. Mit rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Stiftung heute nach eigenen Angaben die größte Arbeitgeberin im Kulturbereich in Deutschland. Ursprünglich als Provisorium geplant, kamen nach dem Ende der DDR auch die Museen auf der Berliner Museumsinsel unter das Dach der
    Stiftung.

    Inzwischen baut die SPK am Kulturforum ein weiteres Haus, ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Träger der Stiftung sind Bund und Länder. Dabei trägt der Bund den Löwenanteil mit 75 Prozent des SPK-Betriebshaushaltes sowie 100 Prozent des Bauhaushaltes. Für 2021 wurde der Betriebshaushalt mit rund 237 Millionen Euro angegeben. Für Bauvorhaben waren rund 106 Millionen vorgesehen.

    Quelle: epd

    Roth: Preußen steht nicht für ganz Deutschland

    Noch gibt es aber keinen Vorschlag für eine neue Bezeichnung. Der Name der SPK stört Roth auch, weil er einen großen Teil Deutschlands ausschließe. "Preußen ist ein wichtiges, aber nicht unser einziges Erbe, diese einseitige Priorisierung ist falsch, Deutschland ist viel mehr."

    • Preußen war in seinen Anfängern ein Flickenteppich von Territorien: 1415 hatte der deutsche König Sigismund den in Nürnberg residierenden Hohenzoller Friedrich VI. mit der Mark Brandenburg belehnt.
    • In den folgenden Jahrhunderten ererbten und erheirateten die Hohenzollern immer neue Territorien: 1614 etwa das Herzogtum Kleve, Minden sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg im Westen, 1618 das östliche Herzogtum Preußen.
    • 1701 dann die Aufwertung: Aus Friedrich III. von Brandenburg wurde König Friedrich I. in Preußen. Mehrfach stand das Land am Abgrund: während des Dreißigjährigen Krieges oder auch 1806, als Napoleon das besiegte Preußen auf die Kerngebiete östlich der Elbe reduzierte.
    • Napoleons Niederlage sorgte auch für eine Wiedergeburt: Auf dem Wiener Kongress bekam Preußen auch noch das Rheinland und Westfalen zugesprochen, Kernbereiche der Industrialisierung.
    • All die militärischen Katastrophen hätten, so Clark, "ein bleibendes Gefühl der Verwundbarkeit" hinterlassen. Vor allem deshalb habe sich Preußen durch eine überdimensionierte Streitmacht und eine Verherrlichung des Militärischen ausgezeichnet - bis hin zu Kaiser Wilhelm II., dem letzten Preußenkönig, und zu Adolf Hitler.
    • 1947 ordneten die Siegermächte an, den Staat von der Landkarte auszuradieren. Preußen - das war nach Meinung vieler der Grund, warum Deutschland in den Abgrund von zwei Weltkriegen geraten war. Militarismus, Staatsvergottung, Gehorsams-Fixierung und Intoleranz.

    Quelle: KNA

    Auch der Präsident der SPK, Hermann Parzinger, fände einen anderen Namen besser. "Wenn ich SPK sage, muss ich fast immer erklären, welche Institution ich vertrete", sagt er. Es sei nicht einfach, einen neuen Namen zu finden, gute Vorschläge nehme er gern entgegen. "Das Ziel der Reform muss sein, dass wir unser riesiges Potenzial besser nutzen."

    Außenministerin Barbock hat bereits ein Bismarck-Porträt entfernt

    Kritik an den Umbenennungsplänen übte dagegen der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse: Dies sei ein "Versuch, sich von geschichtlichen Lasten zu befreien", ein "neuer deutscher Sonderweg".
    Thierse wirft den Grünen vor, dass sie "mit moralischem Furor Geschichtsreinigung betreiben" würden.
    Zuvor hatte das von der Grünen-Politikerin Annalena Baerbock geführte Außenministerium das Bismarck-Zimmer im Auswärtigen Amt in Berlin umbenannt. Der Raum heißt nun "Saal der Deutschen Einheit". Auch das Porträt des einstigen Reichskanzlers wurde abgehängt.
    Quelle: AFP, KNA