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Corona-Protokolle - Um die aufregendste Zeit des Lebens betrogen

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Der Abiturjahrgang 2021 ist wie kein anderer von den Corona-Maßnahmen betroffen. Fünf Protokolle von geplatzten Träumen, verbotenen Partys und überforderten Lehrer*innen.

Zwei Personen sitzen im Mauerpark in Berlin in der Sonne.
Verpasste Träume? Der Abi-Jahrgang 2021 muss sich strikten Corona-Maßnahmen beugen: Wie fühlt sich das an?
Quelle: dpa

Marie, 18 Jahre, aus Koblenz, Rheinland-Pfalz

Meine erste Abiprüfung hatte ich schon am 7. Januar. Es war das totale Chaos. Wir haben sie ohne besondere Maßnahmen - außer zwei Meter Abstand - in der Turnhalle geschrieben. Bis klar war, dass wir die Masken absetzen dürfen, war eine Stunde vorbei. Ich fand das unverantwortlich und hatte meine Maske die ganze Zeit an.

Bis heute kommen einige Lehrer mit den Online-Strukturen nicht klar, dadurch gehen viele Informationen verloren. Insgesamt herrscht sehr viel Druck, es geht nur darum, den Stoff durch zu peitschen. Wie es uns menschlich geht, ist egal. Interessiert es die Schule überhaupt, ob wir unser Abi schaffen? Teilweise dauert es Tage, bis man eine Antwort auf seine Mail bekommt. In der Zeit habe ich mir die Antworten natürlich anderweitig besorgt. Am Donnerstag schreibe ich mein Mathe-Abi, von meinem Mathelehrer kommt nur: 'Ganz ehrlich, Leute? Ich bin total raus, ich weiß gar nicht, was ich euch noch geben soll. Ich bin selbst überfordert, mein Kind sitzt zu Hause.'

Bei vielen fehlte das letzte Jahr über die Solidarität. Es gibt bis heute Maskenverweigerer.
Marie

Manche waren mit Krankheitssymptomen in der Schule und der 11er-Jahrgang wollte im Herbst eine große Einstiegsparty feiern. Die wurde letzten Endes verboten, einige Halloween-Partys fanden aber statt. Uns wurde immer gesagt, dass wir keine Nachteile durch Corona haben werden, aber das ist Quatsch. Es geht nicht nur um schlechten Unterricht, den ausgefallenen Abiball oder wochenlange Quarantäne, weil sich mal wieder ein Mitschüler auf einer Party angesteckt hat.

Arbeit, Bildung, Freunde: Die Corona-Pandemie trifft junge Menschen auf ganz vielen Ebenen und manchmal auch viel härter und länger anhaltend als andere Betroffene.

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Ich wollte eigentlich nach Kanada, um in ein Jagdcamp zu gehen. Das wird natürlich nichts. Ich habe schon viele Bewerbungen geschrieben und bisher nur Absagen bekommen. Bei Praktika heißt es: Die Abiturienten aus dem letzten Jahr sind 'noch übrig', die müssen auch drankommen. Ich fühle mich überhaupt nicht ernst genommen. [Wie es der Generation Corona auf Jobsuche ergeht, können Sie hier nachlesen.]

Schüler feiern Ende des Schuljahrs
Einfach seinen Abschluss feiern, viele Schüler*innen vermissen diese Perspektive.
Quelle: ap

Mats, 18 Jahre, aus Ahaus, Nordrhein-Westfalen

Für mich wurde die Abiturzeit durch Corona sehr entspannt. Der Distanz-Unterricht hat mich gut auf eigenverantwortliches Arbeiten vorbereitet, was an der Uni sehr wichtig werden wird. Man hört immer so viele Stimmen aus Schülervertretungen, dass es allen so schlecht geht und die Politik komplett versagt, das sehe ich anders. Klar, manche Maßnahmen sind wenig nachvollziehbar: Wir achten in der Schule den ganzen Tag auf Maske, Abstand & Co., und im Sportunterricht rennen wir trotzdem nebeneinander her und atmen uns an. Ich persönlich nehme es aber nicht so wahr, dass die Schüler alleine gelassen werden. Wir kriegen schnell Antworten auf Fragen und Probleme. Aber es gibt natürlich Schulen, da ist das anders.

Dennoch wird man um die Oberstufenzeit, die Abizeit und vielleicht die aufregendste Zeit des Lebens betrogen, um Partys, Festivals und Ausflüge.
Mats

Das mit dem Stoff kriegen wir irgendwie hin. Aber um das Miteinander ist es echt schade. Nicht nur mit den Schülern, auch mit Lehrern. Ich weiß, dass mir die Zeit fehlen wird. Wir wären eigentlich letztes Jahr auf Abschlussfahrt in die Toskana gefahren. Wenn der Lockdown vorbei ist, habe ich noch acht Wochen bis zum letzten Unterrichtstag – das fühlt sich sehr komisch an. Aktuell planen wir den Abiball mit vier Szenarien, im besten Fall können Schüler, Lehrer, Eltern und Geschwister teilnehmen, im schlechtesten Fall nur die Schüler. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das traurig. [Einen Kommentar zu den verlorenen Jugendjahren der Generation Corona lesen Sie hier.]

Archiv, Brandenburg, Petersdorf: Drei Kinder planschen in einem Gartenpool.
Statt Urlaub in der Toskana bleibt vielen dieses Jahr nur der Garten.
Quelle: dpa

Lilian, 17 Jahre, aus Berlin

Ich finde es wichtig, dass die Schulen auch im Januar geschlossen bleiben - die Zahlen sind einfach immer noch zu hoch. Nach dem ersten Lockdown haben sich die Maßnahmen in meiner Schule recht gut eingependelt und die Lehrer wussten, wie sie mit uns umgehen. Die Prüfungen werden vermutlich im Präsenzunterricht geschrieben. Ich glaube tatsächlich, dass ich wegen der Corona-Maßnahmen besser abschneiden werde als ohne.

Mir fällt es sehr leicht, mich eigenständig online darauf vorzubereiten und zu Hause noch mal Themen und Definitionen zu googeln.
Lilian

Ich wollte nach dem Abi eigentlich für ein Jahr nach China gehen, die Pläne haben sich natürlich aufgelöst. In den Herbstferien wäre ich gerne mit zehn Leuten an die Ostsee gefahren und hätte dort gecampt. Aber das wäre verantwortungslos gewesen. Im letzten Jahr haben sich meine Prioritäten verschoben. Ich habe durch Corona gemerkt, wer meine Freunde sind und mit wem ich nur befreundet bin, weil ich sie jeden Tag in der Schule sehe. Wegen der Pandemie kann ich mir gut vorstellen, Medizin zu studieren und in die Forschung zu gehen.

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Daniel, 18 Jahre, aus Frankfurt am Main, Hessen

Online-Unterricht ist an unserer Schule sehr chaotisch und mit wenig Mehrwert verbunden. Deshalb freuen sich in der Oberstufe alle, dass aktuell noch Präsenzunterricht ist. Gerade in der Abiturvorbereitung ist das essenziell. Wir sind zwar als Stufe gut durch den Stoff gekommen, aber es ist eine Herausforderung, alles so lernen, dass man es im Abi auch anwenden kann.

Wir haben uns mit den Maßnahmen mittlerweile abgefunden, es bringt nichts, zu diskutieren oder sich gegen sie zu wehren. Die Situation ist für alle Beteiligten schwierig.
Daniel

Ohne Corona hätte ich ein Auslandsjahr bzw. ein FSJ gemacht. Jetzt werde ich, wenn alles klappt, über die Bundeswehr Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften studieren, eine Offizierslaufbahn machen und mich für 13 Jahre verpflichten. [Wie es um den Digitalunterricht steht, können Sie hier nachlesen.]

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Marvin, 17 Jahre, Berlin

Es ist noch sehr unsicher, ob und wie meine Abiprüfungen aussehen werden. Irgendwie werden sie stattfinden müssen. Das letzte Jahr war an vielen Stellen chaotisch, ich fühle mich aber trotzdem einigermaßen gut vorbereitet. Mir ist Präsenzunterricht in den Prüfungsfächern lieber, weil es mir zu Hause schwerer fällt, mich zu motivieren. Aktuell sind wir noch in der Schule, ab dieser Woche wird es vermutlich Teil-Präsenzunterricht geben. [Wie sich Aerosole im Klassenzimmer verbreiten, können Sie hier nachlesen.]

Viele Corona-Regeln waren total unlogisch, an einer Stelle wurden sie sehr ernst durchgezogen, und an einer anderen waren plötzlich 30 Leute auf einem Fleck, weil die Raumkapazitäten nicht da waren.
Marvin

Es gab viele Schüler, die sich zwar in der Schule an die Maßnahmen gehalten haben, nach Schulschluss waren sie ihnen aber komplett egal. Es wurde sich immer wieder in großen Gruppen ohne Maske getroffen. In zwei Wochen werde ich 18, den Geburtstag kann ich leider höchstens online feiern. Das ist schade, weil man nur einmal erwachsen wird, aber das ist jetzt halt so. Nach dem Abi würde ich gerne Game Design studieren.

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