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Kleiner Grenzverkehr in Zeiten von Corona

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Einreise-Limits in der Praxis - Kleiner Grenzverkehr in Zeiten von Corona

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An der deutsch-österreichischen Grenze ist das Alltagsleben durch das Coronavirus stark eingeschränkt. Sogar Familien und Paare werden getrennt - auf unbestimmte Zeit.

Bundespolizisten an Grenzübergang
Bundespolizisten kontrollieren nicht nur die großen Grenzübergänge zu Österreich.
Quelle: dpa

Das Coronavirus fordert auch emotionalen Tribut: Durch die Einreisebeschränkungen werden Paare auseinander gerissen, Väter können ihre Kinder nicht sehen, Angehörige den hoch betagten Großvater nicht besuchen. Phasenweise war es dieser Tage noch möglich, die Grenze zu überqueren – nun ist sie dicht. Patricia Schäfer hat erkundet, wie die Menschen an der bayerisch-österreichischen Grenze damit klar kommen.

Polizei prüft Papiere genau

Die Österreicherin Birgit Meidinger (Name von der Red. geändert) geht zu Fuß über die Brücke vom bayerischen Laufen ins österreichische Oberndorf. Ein Weg, den sie schon tausendfach zurückgelegt hat. Doch nun werden ihre Papiere gründlich geprüft – es reicht nicht, den Pass vorzuzeigen. Sie braucht auch eine Pendlerbescheinigung von ihrem Arbeitgeber.

Grenzkontrolle
An der Grenze zwischen Laufen und Oberndorf wird genau kontrolliert.

Dann darf sie passieren – unter den Augen von Grenzpolizei und Soldaten mit Gewehr im Anschlag: "Katastrophe - ich muss rüber zur Arbeit und ich weiß nicht, ob ich nachher wieder zurückkomme. Gestern habe ich mich drüben bei meinem Lebensgefährten gemeldet. Aber wer weiß, ob das funktioniert? Diese Ungewissheit ist schlimm."

Liebe in Zeiten von Corona

So wie Birgit Meidinger geht es vielen hier: sie haben Familie und Freunde auf beiden Seiten der Grenze und werden sie in den nächsten Wochen, vielleicht Monaten nicht treffen können. Meidingers Lebensmittelpunkt ist in Oberndorf – also auf der österreichischen Seite. Dort leben ihre Kinder und Enkelkinder. Doch ihr Partner ist Deutscher und wohnt auf der anderen Seite der nun quasi unpassierbaren Grenze, in Laufen.


Die Staatsangehörigkeit entscheidet, wer noch wohin darf – und der Arbeitsplatz. Denn für Berufspendler ist die Grenze nach wie vor offen. Doch die Liebe ist kein Grund, die Grenzbrücke überqueren zu dürfen. Auch nicht in einer Stadt wie Laufen an der Salzach, die seit Jahrhunderten mit Oberndorf auf der anderen Seite des Flusses verwoben ist.

Eine geteilte Stadt

Nicht nur, dass seit Jahrhunderten "hin- und hergeheiratet wird", wie der Laufener Bürgermeister Hans Feil erzählt. Die Feuerwehren beider Städte arbeiten seit 155 Jahren zusammen. Im Krankenhaus von Oberndorf wird das Essen für ein Laufener Seniorenwohnheim gekocht. Das musste am Tag nach der Grenzschließung sogar händisch übergeben werden, weil der Lieferwagen nicht durchgelassen wurde.


Bürgermeister Feil arbeitet eng mit seinem österreichischen Amtskollegen zusammen, um die Maßnahmen so erträglich wie möglich zu machen. "Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn wir das Coronavirus besiegen wollen." Nüchtern stellt er fest: "Wir sind jetzt wirklich eine geteilte Stadt. Ich rechne mit Lockerungen, aber nicht vor Mai." Feil ist selbst von den Einreisebeschränkungen betroffen: "Meine Partnerin lebt in Österreich und ich komme nicht hin und her. Für so was gibt’s keine Ausnahmegenehmigungen."

Grenzverkehr für Pendler

Grenzgänger mit Ausweis
Dieser Pendler muss eine Pendlerbescheinigung vorzeigen.

Sondergenehmigungen gibt’s nur für Pendler, die geduldig in der Schlange vor den beiden Kontrollposten warten. Norbert Kriechhammer, Textildrucker aus Österreich, zeigt seine Pendlerbescheinigung vor und darf passieren. Er findet das nicht angenehm, aber nötig: "Wir hatten im Heimatdorf schon einen Corona-Toten - es kommt näher. Wir haben alle ältere Verwandte - das hat jetzt Vorrang."

Die Grenzbeamten sagen, sie müssten immer weniger Autos zurückschicken: "Es werden weniger. Die Leute haben es verstanden." Für Birgit Meidinger nimmt der Tag ein glückliches Ende: Sie durfte wieder zurück über die Brücke - die in Corona-Zeiten mehr trennt als verbindet.

Patricia Schäfer ist Korrespondentin im ZDF-Landesstudio Bayern in München

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