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Interview

Anthroposoph zu Vorwürfen - Impfskepsis: Sind Anthroposophen mitschuldig?

Datum:

Was haben Anthroposophie und die niedrige Impfquote gemeinsam? Sehr viel, sagen Kritiker. Ein Mediziner vom "Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland" zu den Vorwürfen.

Zahlreiche Menschen warten im Corona-Impfzentrum im Asklepios Klinikum Harburg in einem Gang.
Viele Menschen sind weiter ungeimpft - hat das etwas mit Anthroposophie zu tun?
Quelle: dpa

Anthroposophische Ideen sind in den letzten Tagen in die Kritik geraten. Kritiker geben ihnen eine Mitschuld für die geringe Impfbereitschaft gegen das Coronavirus in Deutschland. So schrieb etwa "Der Spiegel": "Das liegt auch an einer einflussreichen Gruppe: den Anthroposophen."

Auch der Soziologe Oliver Nachtwey konstatiert im Interview mit dem DLF, dass die Anthroposophie und die Esoterik im deutschsprachigen Raum "ein ganz wichtiger Faktor" beim Impfen seien. Darauf deuteten Studien hin, insbesondere in den "ehemaligen Alternativmilieus". Dazu komme eine rechte Politisierung, was zu einer "extrem toxischen Mischung" bei den Impfverweigerern führe.

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ZDFheute hat den "Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland" (DAMiD) damit konfrontiert:

ZDFheute: Was entgegnen Sie Vorwürfen, dass die geringe Impfquote im deutschsprachigen Raum mit den anthroposophischen Ideen Rudolf Steiners zusammenhängt?

Stefan Schmidt-Troschke: Als naturwissenschaftlich ausgebildeter Arzt bin ich weniger an Mutmaßungen interessiert, sondern eher an dem, was wir gesichert belegen können. Da muss ich klar sagen: Uns sind keine empirischen Daten bekannt, nach denen Anthroposophen überdurchschnittliche Bedenken beim Impfen hätten. Und zu Steiners Haltung selbst:

Er war nicht gegen Impfungen - zur damaligen Zeit ging es um die Pocken-Impfung - eingestellt und hat sich auch selber impfen lassen.

In einem Vortrag hat er gesagt: "Da muss man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde."

ZDFheute: Haben Sie Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten und dies etwa damit begründen, dass eine Impfung verhindere, dass der Körper selbstständig wächst und seine natürlichen Kräfte mobilisieren kann?

Schmidt-Troschke: Grundsätzlich fördern wir Menschen darin, sich selber regulieren zu lernen und durch einen gesunden Lebensstil dazu beizutragen, ihre Resilienz, also ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Diese Aspekte haben eine eher langfristige Auswirkung.

Da die Angst vor Impffolgen im Osten Deutschlands sehr verbreitet ist, lassen sich viele Menschen nicht impfen. Dabei geht die größte Gefahr vom Corona-Virus selbst aus.

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Im Rahmen einer Pandemie geht es um kurzfristige Maßnahmen. Wir würden diese beiden Aspekte gerade im Hinblick auf die Covid-Impfung nicht verknüpfen.

Mit der Pandemie befinden wir uns in einer gefährlichen Situation, so dass wir sehr froh sind, dass wir die Impfung haben.

ZDFheute: Wie stehen Sie zur Corona-Schutzimpfung? Würden Sie den Menschen raten, sich impfen zu lassen?

Schmidt-Troschke: Von Anfang an haben wir als anthroposophische Ärzte klar gemacht, dass wir die Impfung für die Bekämpfung der Pandemie ausdrücklich begrüßen. Wir haben aber auch darauf hingewiesen, dass vor allem die besonders schutzbedürftigen Gruppen prioritär geimpft werden sollen, also die Älteren und andere Risikogruppen.

Das gilt auch jetzt für das Boostern: Die Risikogruppen sollten sich zuerst boostern lassen, da wir inzwischen sehen, dass die Wirksamkeit der Impfung nach einigen Monaten nachlässt. So beraten wir natürlich auch unsere Patienten.

Bei Kindern sieht es wieder anders aus: Da ihr Risiko für einen schweren Verlauf äußerst gering ist, betrachten wir das Impfangebot mit großer Zurückhaltung – wie ja aber viele andere ärztliche Fachgesellschaften auch.

ZDFheute: Was halten Sie von der Debatte um eine Impfpflicht?

Schmidt-Troschke: Grundsätzlich finden wir Debatten, die wichtige medizinische und gesellschaftliche Fragen betreffen, sehr gut, wenn sie ergebnisoffen und ohne moralischen Druck geführt werden.

Für uns kommt eine Impfpflicht nicht in Betracht, weil wir der Meinung sind, dass Impfungen nur dann breit funktionieren, wenn die Menschen ihnen vertrauen.

Wenn wir hier mit Zwang arbeiten, zerstören wir dieses Vertrauen langfristig. Das sehen auch viele andere Experten so. Deshalb setzen wir auf Aufklärung und Überzeugung.

ZDFheute: Der DAMiD hat im Februar darauf verwiesen, dass die Impfung zwar ein wichtiger Baustein in der Überwindung von Corona sei, aber diese das Virus nicht allein zum Verschwinden bringen werde. Welche Maßnahmen und Ansätze sind Ihrer Ansicht nach darüber hinaus notwendig?

Schmidt-Troschke: Inzwischen gilt als gesichert, dass Sars-CoV-2 nicht einfach verschwindet. Es geht also darum, mit diesem Virus zu leben. Die größten Risiken für schwere Verläufe haben Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Adipositas. Da können wir als Ärzte einiges tun.

Wir müssen in der Prävention dieser Krankheitsbilder viel mehr machen, da tut sich unser Gesundheitswesen ja leider generell schwer. Ansonsten setzen wir auf intelligente Konzepte zum Impfen und Testen, so dass vor allem die vulnerablen Gruppen besser als bisher geschützt sind.

Das Interview führte Michael Kniess.

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