Sie sind hier:

Antigen-Schnelltests - Die Schattenseite des Booms

Datum:

Labormediziner sehen die Qualität der Schnelltests kritisch. Oft werde der billigere Test genommen in den Testzentren, so Laborarzt Bobrowski zu ZDFheute. "Das ist gefährlich."

Ein Corona-Schnelltest in Kieler Apotheke
Corona-Schnelltest: Ein "vernünftiges Testergebnis" sei für Laien schwierig zu bekommen, warnt Labormedizinier Andreas Bobrowski.
Quelle: dpa

ZDFheute: Wie oft zeigt so ein Schnelltest falsche Ergebnisse?

Andreas Bobrowski: In den letzten Wochen ist es in ungefähr zehn Prozent der Fälle vorgekommen, dass wir das Ergebnis, das der Antigen-Schnelltest als positiv gezeigt hat, in der PCR im Labor nicht bestätigen konnten.

ZDFheute: Wie wichtig ist die Ausführung des Abstriches?

Bobrowski: Können Laien das? Wenn der Abstrich nach den WHO-Kriterien richtig entnommen wird, bedeutet das, man löst im Rachen den Würgereiz aus und in der Nase, wenn man da mit dem Abstrichtupfer reingeht, fließen die Tränen. Nur wenn das eingehalten wird, kann man auch ein vernünftiges Ergebnis bekommen.

Es macht keinen Sinn, wenn Laien nur ein bisschen an der Innenwand oder ganz vorne am Nasenwinkel schaben. Dann haben wir nicht genug Material. Und wenn auf ein schlechtes Material auch noch ein nicht ganz so empfindlicher Test kommt, dann kann das natürlich sehr schnell zu einem falsch-negativen Ergebnis führen.

Inzwischen gibt es viele Anlaufstellen, um sich auf den Corona-Virus testen zu lassen. Es empfiehlt sich daher, genau zu prüfen, in welches Testzentrum man geht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

ZDFheute: Wie sicher sind die Tests selbst?

Bobrowski: Bei den Antigen-Tests ist es ja so, dass die vom Paul-Ehrlich-Institut gelistet sind. Das heißt nicht, dass sie überprüft sind. Man verlässt sich auf die Angaben der Hersteller. Das ist aber eine Forderung von unserer Seite aus. Das hätten wir viel lieber gesehen, dass das Paul-Ehrlich-Institut, diese Tests auch überprüft hätte und dann wesentlich weniger zugelassen hätte. Aber diese eben in einer guten Qualität.

ZDFheute: Warum sind die Tests kaum überprüft?

Bobrowski: Das Paul-Ehrlich-Institut hat nur bestimmte Vorgaben gemacht und dann eine Liste erstellt. Es hat die Spezifität und Sensitivität festgelegt. Man verlässt sich ausschließlich auf Herstellerangaben. Und wer diese Listung einmal gesehen hat, hat auch gesehen das da erst 300 gelistet waren. Mittlerweile sind es deutlich weniger. Das heißt, man hat schon etliche runtergenommen, weil man einfach in der Anwendung mitbekommen hat, dass das, was dort versprochen wird von den Herstellern einfach nicht zutrifft.

ZDFheute: Also politisch nachbessern?

Bobrowski: Das heißt, qualitativ bessere Tests fördern? Ja, man hätte im Grunde genommen mehr da reinstecken sollen, dass man vernünftige Tests auf den Markt bringt.

Wir haben zurzeit den Eindruck, dass der gesamte Testmarkt nicht durch die Qualität bestimmt wird, sondern letztendlich durch die Ökonomie.

Das heißt die Tests, die am billigsten angeboten werden, haben auch die weiteste Verbreitung. Ich glaube wenige, die jetzt Tests einkaufen, kümmern sich um Qualität. Die sagen einfach, wir brauchen das jetzt. Die Politik sagt, es sind genug Tests da. Aber für was man nicht gesorgt hat, ist eine vernünftige, nachweisbare und belegbare Qualität.

Ein Corona-Schnelltest vor grauem Hintergrund

Langsame Umsetzung - Dürftige Datenlage bei Corona-Schnelltests 

Seit Anfang März können kostenlose Corona-Schnelltests durchgeführt werden. Doch im Moment läuft die Umsetzung nur langsam an, Testergebnisse werden nicht zentral ausgewertet.

ZDFheute: Was wäre ihre Alternative zu den Antigen-Tests?

Bobrowski: Wir sind nicht gegen deren Einsatz. Was man besser machen könnte, wäre, dass man die Zulassungsbedingungen schärfer fasst. So dass wirklich nur solche Tests auf den Markt kommen, die auch das leisten, was der Hersteller verspricht - und zwar überprüfbar verspricht. Es wird oft der billigere Test genommen, in den kommerziellen Schnelltest-Zentren, und es wird nicht so sehr auf die Qualität geachtet. Das halte ich für absolut gefährlich. Man hätte hier möglicherweise eine Preisbindung machen können.

ZDFheute: Und zuletzt: wie läuft die Aufklärung zu den Antigen-Tests?

Bobrowski: Ja, man muss natürlich, wenn der Test durchgeführt ist, den Bürger darüber aufklären. Was heißt negativ oder positiv. Negativ bedeutet eben nicht, dass ich jetzt sämtliche Schutzmaßnahmen fallen lassen kann, sondern es bedeutet, dass man für eine bestimmte Zeit, und das sind zwischen acht bis zwölf Stunden, ein verringertes Risiko hat, andere Leute anzustecken. Das heißt, ich darf nicht in Leichtsinn verfallen, wenn ich ein negatives Ergebnis habe.

Das Interview führte Ina Baltes. Sie ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Düsseldorf.

Das Foto zeigt einen Corona-Schnelltest

Selbsttest oder PCR-Test? - Corona-Test: Worauf man achten sollte  

Schnell- und Selbsttest sind ein weiteres Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie, einen PCR-Test können sie allerdings nicht ersetzen. Warum, erklären wir hier.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.